Philipp nennt mögliche Standorte: Wohin mit den Bordellen?

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Ideen des OB: Marcel Philipp hat jetzt seine Liste mit Alternativstandorten fürs Rotlichtmilieu an die Politik weitergegeben. Darauf finden sich fast ausschließlich Flächen im Aachener Nordosten – wie der alte Berliner Ring. Foto: Michael Jaspers
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Auch Grundstücke an den Gasballons stehen zur Debatte. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Den vielzitierten Zündstoff hat diese Liste schon zur Genüge geboten. Und das, obwohl sie außer dem Oberbürgermeister bislang niemand im Detail kannte. Angelegt hatte sie Marcel Philipp (CDU), weil er – anders als die breite Mehrheit im Stadtrat inklusive „seiner“ Christdemokraten – Probleme bei der Entwicklung des „Altstadtquartiers Büchel“ sieht, wenn das Rotlichtmilieu weiterhin wie geplant in der Innenstadt bleibt.

Dem Beschluss nach sollen die Bordelle bekanntlich in einem „Laufhaus“ im östlichen Teil der Antoniusstraße sowie in einigen Häusern in diesem Bereich konzentriert werden, während quasi nebenan neue Wohn- und Geschäftshäuser entstehen sollen. Philipp hatte unserer Zeitung die Existenz dieser Liste mit Alternativstandorten für ein Laufhaus vor Wochen bestätigt.

Seitdem wird darüber spekuliert und diskutiert. Zuletzt haben nun die Planungspolitiker gefordert, der OB solle die Liste endlich herausrücken. Nun ist es zumindest im Ansatz soweit. Die Verwaltung hat dazu eine knappe Vorlage für den nicht-öffentlichen Teil des Planungsausschusses, der am kommenden Donnerstag tagt, angefertigt.

In dieser Vorlage ist die Rede von „Standortvorschlägen und eigenen Überlegungen des Oberbürgermeisters“, die dieser „fortlaufend in einer Notiz festgehalten“ habe, „die in der Presse thematisiert wurde“. Es folgt eine Aufstellung, die eher Bereiche denn konkrete Grundstücke umfasst. Man muss sich dann schon selber denken, welche Flächen gemeint sein könnten. Dass die Auflistung so vage bleibt, hat laut Verwaltung einen besonderen Grund: „Teilweise wurden konkrete Immobilien genannt, bei denen aber zunächst geklärt werden müsste, ob die jeweiligen Eigentümer mit einer Benennung oder einer näheren Prüfung einverstanden wären.“

Mit anderen Worten: Einige der Eigentümer wissen gar nicht, dass ihre Grundstücke für ein neues Bordell infrage kommen könnten. Weiter heißt es in der Vorlage: „Eine Bewertung der Vorschläge ist verwaltungsseitig bisher nicht erfolgt. Inwieweit hier auch die Belange der Beschäftigten einerseits und die Anforderungen der Polizei andererseits erfüllt werden können, bleibt einer näheren Betrachtung vorbehalten.“

Auffällig ist bei der Liste, dass die weitaus meisten Optionen, die der OB notiert hat, im Aachener Nordosten zu finden sind. Das geht los mit „mehreren Grundstücken im Bereich Prager Ring/Grüner Weg im Umfeld der Gasballons“. Da könnte man vor allem auf das Areal des niedergebrannten „Poco“-Lagers kommen. Das gehört nämlich just Norbert Hermanns (Landmarken AG), der neben Gerd Sauren auch einer der beiden Hauptinvestoren im „Altstadtquartier Büchel“ ist und seit jeher die Bordelle lieber aus der City ausgelagert sähe.

Doch besagtes „Poco“-Areal kommt für einen solchen Zweck nicht infrage, da es bereits anderweitig verplant ist, wie „Landmarken“-Sprecher Kolja Linden am Montag auf Anfrage bestätigte. Eine Freifläche gibt es zum Beispiel noch gegenüber den Gasballons.

Nicht weit entfernt liegt ein weiterer Bereich, den der OB „gelistet“ hat – nämlich an der Krefelder Straße. Hier wird ein Grundstück nahe der Stadtgrenze genannt. Dabei kann es sich eigentlich nur um ein Areal an der Ecke Strangenhäuschen handeln, das einst auch für einen Neubau des Polizeipräsidiums im Fokus war. Gegenüber macht der OB einen potenziellen Standort „zwischen JVA und Kläranlage“ aus. Dies kann nur ein Grundstück hinter der JVA sein – von der Krefelder Straße aus gesehen. Eine weitere Freifläche in diesem Bereich direkt an der Wurm wird vom Wasserverband für den Bau eines großen Auffangbeckens benötigt.

Ebenfalls nicht weit entfernt, wird eine „Fläche an der Straße Gut Wolf“ genannt. Damit kann nur das Grundstück gemeint sein, das zurzeit noch von der Metro gepachtet ist. Diese schließt allerdings Mitte nächsten Jahres die Pforten. Bereits lange geschlossen ist eine ehemalige Druckerei, die an der Ecke Berliner Ring/Charlottenburger Allee beheimatet war. Auch diese wird als „Option“ genannt. Wiederum ein paar hundert Meter davon entfernt findet man noch das, was bis zu seiner Verlegung vor vielen Jahren den unteren Teil des Berliner Rings darstellte und heute als Parkplatz dient. Die Auflistung spricht hier von einer „Fläche nahe der Wurm“ als Idee für den Bordellstandort.

Nur eine einzige Position auf der OB-Liste liegt nicht im Aachener Nordosten. Sie wird so beschrieben: „Mehrere Flächen im direkten Umfeld des zukünftigen Polizeipräsidiums.“ Wo der OB oder seine Ideengeber diese ausgemacht haben, ist aber eher rätselhaft. Denkbar wäre eine Fläche gleich gegenüber dem Neubau an der Debyestraße, doch die soll mittlerweile längst verkauft sein. Bliebe noch der ehemalige Einkaufsmarkt der belgischen Streitkräfte an der Trierer Straße, wo seit langer Zeit Ruinen vor sich hin dümpeln. Dieses Gelände aber liegt schon sehr nahe an der Forster Wohnbebauung.

Und das war es dann vorerst. Beraten wird die Politik diese Liste wohl kaum. Sie hält sie wegen der fest zementierten Ratsbeschlüsse nämlich im Gegensatz zum Oberbürgermeister – und zum Polizeipräsidenten, der vehement für eine Auslagerung ist – für absolut überflüssig. Aber sehen wollte man sie trotzdem.

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