Phalanx gegen Nazis wird immer breiter

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Rund 160 Rechtsextreme marschieren am 25. September 2010 durch Aachen. 1500 Menschen stellen sich quer. In vielen Fenstern hängen Plakate: „Wir sind Aachen - Nazis sind es nicht!”.

Wenige Monate später werden zwei Aachener Neonazis zu Bewährungsstrafen verurteilt, weil sie an Vorbereitungen für einen Sprengstoffanschlag in Berlin beteiligt waren.

Hunderte einschlägige Straftaten werden alljährlich auch im Dreiländereck gezählt. Anschläge auf Jüdische Friedhöfe und antifaschistische Initiativen erschüttern die Region. Inzwischen gilt das Dreiländereck als Brennpunkt rechter Hetze und Gewalt.

Höchste Zeit, den Widerstand zu bündeln: Seit September wird der „Lokale Aktionsplan” (LAP) gegen neonazistische Umtriebe im Rahmen des Programms „Toleranz fördern - Kompetenz stärken” von VHS und DGB Aachen in die Tat umgesetzt. Es wird in diesem Jahr bereits mit 60.000 Euro durch die Bundesregierung unterstützt, um vor allem dem denkenden Nachwuchs Aktionsplattformen zu erschließen - und nimmt langsam, aber sicher Fahrt auf.

„Die ersten Projekte sind bereits erfolgreich gelaufen”, weiß Dominik Clemens vom Büro „Arbeit und Leben”, das die Maßnahmen koordiniert. Anfang November zog ein Konzert der „Microphone Mafia” rund 130 Besucher in den Musikbunker. Die Kölner Hiphop-Truppe enterte die Bühne gemeinsam mit der jüdischen Familie Bejarano. Unumstrittener Star war die 87-jährige Esther Bejarano. Sie musizierte schon als junge Frau - unter anderem im Mädchenorchester des Konzentrationslagers Auschwitz.

„Genau wie du” heißt eine Ausstellung, die das Pädagogische Zentrum demnächst präsentieren will. Sie enthält vor allem Videos und Fotografien, die sechs junge Leute mit ausländischen Wurzeln porträtieren. Ab 1. Dezember zeigt die Grüne Jugend Plakate zum Thema Rassismus und Rechtsextremismus, die von Schülern gestaltet worden sind, im Haus der Städteregion an der Zollernstraße. Gemeinsam mit dem Aachener Journalisten Michael Klarmann und dem RWTH-Politikwissenschaftler Richard Gebhardt arbeitet Dominik Clemens selbst derzeit an einer Dokumentation über neonazistische Aktivitäten im Raum Aachen, die im Frühjahr erscheinen soll.

Weitere Ideen sind nicht nur willkommen, sondern dringend erwünscht, sagen die Initiatoren. Denn das Programm soll auch den Startschuss geben für eine breite Vernetzung der Akteure im Schulterschluss gegen Rechts. So wurde ein „Begleitausschuss” installiert, dem neben Vertretern aller Fraktionen im Stadtrat bereits 14 Organisationen und Institutionen angehören.

Im kommenden Jahr sollen so weitere 90.000 Euro aus dem Bundesprogramm fließen, um die Finanzierung neuer Aktionen und Angebote sicherzustellen. Einzelprojekte können mit bis zu 20.000 Euro unterstützt werden. Und: Immerhin 3200 Euro sind im aktuellen Topf bis zum Jahresende noch verfügbar. Clemens und seine Mitstreiter haben keine Lust, sie nach Berlin zurück zu überweisen. Sie freuen sich über kurzfristig eingereichte Vorschläge für kreative Konzepte gegen den braunen Wahnsinn.

Info-Veranstaltung am 8. Dezember im DGB-Haus

Viele weitere kreative Projekte sollen im Rahmen des Aktionsplans realisiert werden. Zum aktuellen Stand informiert die VHS am Donnerstag, 8. Dezember, ab 18 Uhr im DGB-Haus, Dennewartstraße 17. Auch für Getränke und einen kleinen Imbiss ist gesorgt. Jeder ist willkommen, zwecks Organisation wird um Anmeldung gebeten: per Mail an toleranz.foerdern@mail.aachen.de oder telefonisch unter 0241/4792-111.

Auch kurzfristig kann man Vorschläge unter den oben genannten Adressen noch einreichen: Bis 31. Dezember sind weitere Mittel im aktuellen Jahresprogramm abrufbar.

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