Pflegefamilien für unbegleitete Flüchtlinge dringend gesucht

Von: Katharina Menne
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Aachen. Sie sind auf der Flucht vor einer schlimmen Vergangenheit und auf der Suche nach einer menschenwürdigen Zukunft: Junge, unbegleitete Flüchtlinge kommen aus den unterschiedlichsten Krisenregionen, um hier Aufnahme und Frieden zu finden.

Das Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe „Maria im Tann“ sucht deshalb nach Familien oder Lebensgemeinschaften, die sich vorstellen können, die meist männlichen Jugendlichen im Alter ab etwa 14 Jahren aufzunehmen.

„Manche dieser Jugendlichen brauchen Zuwendung, Schutz und Geborgenheit, die sie in ausreichendem Maß nur in einer Familie bekommen“, sagt Brigitte Bankert-Fraikin. Die Sozialpädagogin ist als Beraterin für sogenannte Sonderpflegefamilien zuständig, die sich dieser Aufgabe annehmen. Sie und ihr Team leisten Vermittlung, Begleitung und Beratung für eine größer werdende Zahl minderjähriger Flüchtlinge. Während der Unterbringung bieten sie den aufnehmenden Familien regelmäßige Fortbildungen, Besuche und Unterstützung bei allen Fragen an.

Wichtig ist den Verantwortlichen, individuelle Lösungen zu finden. „Wir vermitteln keine Akten, sondern Menschen“, betont Stefan Küpper, Leiter der Einrichtung. „Jeder Mensch, der hier ankommt, hat andere Erfahrungen gemacht. Der eine ist daran gewachsen, der andere leidet unter posttraumatischen Belastungsstörungen oder anderen seelischen Verletzungen.“ Aber sie alle bräuchten Hilfe, um ihre Lebensgeschichte mit der neuen Umgebung in Einklang zu bringen.

Die Familien oder Lebensgemeinschaften, die sich vorstellen können, einen Flüchtling aufzunehmen und zu begleiten, müssen offen sein für die möglichen Belastungen. Deshalb ist die pädagogische Ausbildung eines Familienmitglieds oder eine gute multikulturelle Kompetenz durch Auslandserfahrungen oder einen eigenen Migrationshintergrund zwingende Voraussetzung.

Es wird in jedem Fall geprüft, welche weiteren Voraussetzungen die Familien mitbringen und was sie bereit sind zu leisten. „Das sollte nach Möglichkeit zu hundert Prozent zu den Bedürfnissen des Jugendlichen passen“, sagt Stefan Küpper. „Wir setzen alles daran, vorher zu wissen, dass das auch klappt.“ Neben einer gewissen religiösen Toleranz sollten in den Familien auf jeden Fall Offenheit, Neugierde und ein strukturgebendes Moment vorhanden sein, um die normalen Konflikte des Alltags miteinander anzugehen. Für ihre Arbeit erhalten die Sonderpflegefamilien ein Erziehungshonorar, Pflegegeld sowie einen Beitrag zur Alterssicherung.

Die bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv. Im letzten Jahr konnten bereits sechs jugendliche Flüchtlinge in Pflegefamilien untergebracht werden. Was das für sie bedeutet, dort ankommen zu dürfen, bringt ein afghanischer Junge in einem kurzen Text auf den Punkt. „Es ist immer einer für mich da und hört mir zu“, heißt es da. „Ich fühle mich angenommen, geborgen und erfahre Unterstützung bei allen Problemen. Ich weiß das Vertrauen, das mir geschenkt wird, sehr zu schätzen.“

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