Aachen - Perverse Taten: Angeklagter gesteht

Perverse Taten: Angeklagter gesteht

Von: Stephan Mohne
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Geständnis abgelegt: Der Angeklagte im Prozess um vuielfach sexuellen Missbrauch eines Neunjährigen hat am Montag im Prozess seine Taten zugegeben. Das Opfer muss nun nicht als Zeuge erscheinen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zumindest das: Vor Gericht muss der neunjährige Junge nicht erscheinen, um im Zeugenstand über den vielfachen sexuellen Missbrauch an ihm auszusagen. Das hat ihm sein Peiniger erspart.

Denn der 40-jährige Angeklagte, dem 13 Fälle schweren und 40 weitere Fälle sexuellen Missbrauchs vorgeworfen werden, hat am Montag im Prozess vor der 5. großen Strafkammer um ihren vorsitzenden Richter Ronald Klösgen ein umfassendes Geständnis abgelegt, wie sein Verteidiger Thomas Pohlhammer später auf Anfrage unserer Zeitung sagte. Zugegen sein durfte die Öffentlichkeit dabei nicht – aus verständlichen Gründen. Für die Kammer stand hier der Opferschutz an erster Stelle.

Es ging um Details der perversen Taten, die der Angeklagte zwischen August 2012 und Februar 2013 begangen haben soll – und nach eigener Aussage großteils auch begangen hat. Richter Klösgen kündigte zu Beginn des Prozesstages an, man werde unter anderem auch eine DVD als Beweismittel „sichten“. Ob der 40-Jährige die Taten aufgezeichnet hat, wollte Verteidiger Thomas Pohlhammer so nicht bestätigen.

Auch ging es zu Beginn noch einmal um einen früheren Prozess gegen den Mann. Auch dort waren etliche Taten angeklagt, die er in ehrenamtlichen Funktionen bei den Jungpfadfindern und bei der Jugendfeuerwehr begangen hatte. Insgesamt bekam er dafür im Jahr 2005 eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren aufgebrummt. Interessant in diesem Zusammenhang: Trotz der Fülle von insgesamt einem Dutzend Taten, konnte kam es für das Gericht seinerzeit nicht in Frage, im Anschluss an die Haft die Sicherungsverwahrung auszusprechen. Ein Gutachter hatte damals im Hinblick auf eine Rückfallgefährdung weder eine günstige noch eine ungünstige Prognose abgeben können, wie es am Montag hieß. Besagter Rückfall kam dann bereits wenige Monate, nachdem der 40-Jährige aus der Haft entlassen worden war.

Seinerzeit wurde er in die Kartei die „Kurs“-Liste des Landeskriminalamts aufgenommen. Die Abkürzung steht für „Konzept zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“. Er kam dabei in die mittlere Gefährdungstufe, die besagt, dass die Rückfallgefahr dann hoch ist, wenn „stabilisierende Faktoren“ wegbrechen. Als Aufklagen musste er regelmäßig Gesprächstermine mit der Bewährungshilfe einhalten, sich weiter einer Therapie unterziehen, festen Wohnsitz und feste Arbeit nachweisen – und sich von Kindern fernhalten. Zudem kontrollierte die Polizei ihn. Als die AZ diesen und drei weitere (Rück-)Fälle von „Kurs“-Probanden in der Region Anfang des Jahres öffnetlich gemacht hatte, sagte Polizeipräsident Klaus Oelze, bei dem 40-Jährige habe es keinerlei Anzeichen für einen Rückfall gegeben. In seinem Fall waren sich die Behörden sogar so sicher, dass es nicht einmal eine so genannte „Fallkonferenz“ gab. In dieser sitzen Vertreter verschiedener Behörden zusammen, um über die Probanden zu beraten und zu analysieren, ob Handlungsbedarf besteht.

Tatsächlich hatte sich der nun Angeklagte, kaum aus dem Gefängnis heraus, das Vertrauen seines neunjährigen Opfers sowie Verwandter erschlichen und seinem perversen Trieb freien Lauf gelassen – trotz Therapien auch in der Haft. Was er am Montag laut Pohlhammer „vollumfänglich“ einräumte. Nur die Zahl der Taten muss wohl um 15 bis 18, so der Verteidiger, nach unter korrigiert werden. Aber auch dann bleiben noch weit über 30 Fälle übrig.

Am Mittwoch geht es in dem Prozess weiter – wahrscheinlich wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn dann wird man sich die Videoaufzeichnungen der Aussagen des jungen Opfers ansehen müssen. Das noch relativ junge Instrument der Videovernehmung wurde in diesem Fall eingesetzt. Im weiteren Verlauf wird sich erneut eine Gutachterin der Frage widmen: Ist hier eine Sicherungsverwahrung angebracht oder nicht? Und dann könnte das Verfahren schnell beendet sein – veraussichtlich Ende dieser oder Anfang übernächster Woche.

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