Penn spielt die kölsche Karte aus

Von: Robert Esser
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Prächtiger Aufmarsch: Die Stadtgarde Oecher Penn präsentierte sich auf der Eurogressbühne dem ausverkauften Saal in bester Laune – aus ihren eigenen Reihen wurden ein Tanz und eine Gesangsnummer ins Programm aufgenommen. Foto: Andreas Steindl
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Sensationell: Die 4 Amigos Uwe Brandt, Dietmar Ritterbecks, René Brandt und Stefan Beuel rissen das traditionell unkostümierte Publikum mit. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Als der Saal Kopf steht und die 4 Amigos die Weltpremiere ihres neuen Liebeslieds „Du bes ming Stadt“ zur Melodie „Herz über Kopf“ (Joris) feiern, hat der Elferrat des Aachener Karnevalsvereins (AKV) mit Ausnahme des Präsidenten den Saal verlassen. Man schmollt im Foyer.

Der Stimmung vor der Bühne unter den 1400 Narren schadet dieser Protest-Abmarsch im Zuge der Amigo-Auftrittsabsage bei der bevorstehenden AKV-Ordensverleihung an Markus Söder natürlich nicht. Herren in nobler Abendgarderobe und Damen in feinen Kleidern reißen drinnen quasi die Bude ab. Alles steht, tanzt, grölt und klatscht mit. Es bleibt am vergangenen Samstagabend bei der großen Sitzung der Oecher Penn der einzige Programmpunkt, der das ausverkaufte Eurogress restlos mitreißt.

Aus Aachener Reihen darf Kommandant Jürgen Brammertz noch die hauseigene Penn-Show mit witzigen Tanz- und Gesangseinlagen aus Frau Antjes Holland, das eigene Tanzpaar Frank Radermacher und Angelina Schneider und natürlich Prinz Michael II. Kratzenberg mit Hofstaat und Prinzengarde vor der fantastischen Marschiertor-Kulisse im Rampenlicht begrüßen. Den Rest des rund vierstündigen Programms karrt man aus Köln heran.

Ganz schön peinlich für eine vermeintliche Karnevalshochburg wie die Kaiserstadt – aber mangels jecken Bühnenqualitätsnachwuchses für Programmchef Georg Cosler offenbar kaum zu ändern. Wen‘s tröstet: Am Rhein kocht man auch nur mit Wasser. So sorgen „Dä Mann met däm Hötche“ Peter Raddatz, die „Beckendorper Knallköpp“ (Lydia und Rolf Goliasch) für einige zündende Pointen. Viele Gags altbekannt, wenig neu. Was antwortet die Frau ihrem Mann, der darum bittet, im schweren Krankheitsfall keine lebensrettenden Maschinen einzusetzen? „Dann schalt‘ ich Dir den Fernseher ab.“ Tusch.

Spektakuläre Tanz- und Akrobatiknummern liefern indes „De Höppemötzjer“ ab. Die Tanzgruppe schleudert ihre Mariechen bis unter die Hallendecke. Da wo die großen Lautsprecher hängen, die den Ton auch bei der Penn-Sitzung nicht optimal Richtung Saal transportieren. Dies fällt nur weniger ins Gewicht, weil das traditionell unkostümierte Penn-Publikum dem Bühnengeschehen hörbar mehr Aufmerksamkeit schenkt, als dies bei anderen Sitzungen zu beklagen ist. Weil aber der Musik die saftigen Beats und damit der Stimmungsdruck fehlt, leiden die Prinzenlieder und vor allem „De Rose“. Die Karnevalsband klingt mehr nach Musikantenstadl als nach Tschingderassabum. Mehr Volkslied als Karnevalsschlager – schade.

Das riesige Marschiertor als markantes Penn-Hauptquartier (tolles Bühnenbild von Heijo Billmann), die stolze Garde sowie ihr wunderbares Publikum auf den Penn-eigenen Stühlen mit mehr Bein- und Ellenbogenfreiheit hätten einige Programmhöhepunkte mehr verdient. Wie gut, dass es die 4 Amigos gibt. Bloß am nächsten Samstag nicht. Dann ist Söder dran.

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