Aseag kündigt 600 Schülern

Peinliche Panne: Aseag schmeißt 600 Schüler raus

Von: Oliver Schmetz
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Kein guter Einstieg: Im Zuge der ohnehin schon holprigen Einführung des „eTickets" hat sich eine peinliche Panne ereignet. Wegen eines „Systemfehlers" verschickte die Aseag irrtümlich Kündigungen an 600 Besitzer von „School & Fun-Tickets“. Foto: Michael Jaspe
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Kein guter Einstieg: Im Zuge der ohnehin schon holprigen Einführung des „eTickets" hat sich eine peinliche Panne ereignet. Wegen eines „Systemfehlers" verschickte die Aseag irrtümlich Kündigungen an 600 Besitzer von „School & Fun-Tickets“. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Auch wenn es noch längst nicht flächendeckend in Aachen im Einsatz ist, hat es schon einigen Flurschaden angerichtet: „Der gute Einstieg“ ist der Aseag mit der Einführung des „eTickets“ für Abo-Kunden jedenfalls nicht gelungen. Im Gegenteil: Vielen Kunden dürfte dieser hauseigene Werbeslogan bereits in den vergangenen Monaten angesichts massiver Probleme bei der Zustellung der elektronischen Schüler- und Studententickets wie Hohn in den Ohren geklungen haben.

Doch jetzt hat das Datenchaos beim Aachener Nahverkehrsunternehmen offensichtlich einen neuen Höhepunkt erreicht: Denn wie Aseag-Sprecher Paul Heesel am Mittwoch auf Anfrage der AZ einräumte, hat man in der vergangenen Woche rund 600 Schülern einen schlechten Ausstieg verpasst – indem man ihren Eltern fälschlicherweise die Kündigung des „School & Fun-Tickets“ ins Haus schickte. Verantwortlich dafür sei „ein Systemfehler“, der mit der Einführung des „eTickets“ zusammenhänge, entschuldigte Heesel die peinliche Panne. Die falschen Kündigungen, die ohne vorherige Mahnungen verschickt wurden, seien als gegenstandslos zu betrachten. Und man entschuldige sich natürlich bei den betroffenen Kunden.

Ob damit das Datenchaos bei der Aseag komplett ist, ließ sich am Mittwoch aber nicht mit Sicherheit ermitteln. Denn es spricht einiges dafür, dass mit den rund 600 falschen Kündigungen das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Den Anstoß zu den AZ-Recherchen gab nämlich ein Leser, der keine Kündigung, sondern eine ebenso abstruse Mahnung erhalten hatte. Der Mann, dessen Kind seit zwei Jahren ein „Fun-Ticket“ besitzt, solle doch bitte „die angegebene Bankverbindung überprüfen“, heißt es in dem Schreiben, man habe Ende Oktober die fällige Forderung von 16,31 Euro nicht abbuchen können.

Bloß: In dem Schreiben wird danach gar keine Bankverbindung angegeben. Anstelle der zu überprüfenden Daten folgt nur ein weißer Fleck – was womöglich die Folge eines (Daten-)Lecks sein könnte, befürchtete der Kunde. Zumal man ihm, wie der Mann berichtet, beim Anruf im Kunden-Center der Aseag mitgeteilt habe, „dass die Daten von Tausenden Kunden verloren gegangen sind“. Weshalb er sich nun frage, ob seine sensiblen Bankdaten vielleicht in falsche Hände geraten sein könnten.

Einen solchen Verlust mit möglicherweise kriminellem Hintergrund wies die Aseag am Mittwoch weit von sich. „Es liegt kein Fall von Daten-Hacking vor“, beteuerte Heesel. Vielmehr sei es bei den besagten rund 600 „School & Fun-Tickets“ so gewesen, dass bei den von den Schulen übermittelten Daten die Bankverbindung fehlte – weil diese wohl annahmen, dass der Aseag alle Bankdaten vorlägen. Da aber wegen der Einführung des „eTickets“ eine neue Software eingesetzt werde, die auf die alten Datenbestände nicht zugreife, hätten diese Daten nun gefehlt, so Heesel. Und „wegen eines Systemfehlers“ seien dann, als die ausstehenden Beträge nicht abgebucht werden konnten, keine Mahnungen, sondern gleich Kündigungen verschickt worden.

Wie viele falsche Mahnungen?

All dies erklärt allerdings nicht den Fall des AZ-Lesers, der eine Mahnung erhielt für ein „Fun-Ticket“. Dieses Abo habe er privat mit der Aseag abgeschlossen, „dabei übermitteln die Schulen keine Bankdaten“, sagt der Mann. Womit sich die Frage stellt, wie groß das Datenchaos bei der Aseag tatsächlich ist. Wie viele falsche Mahnungen kommen zu den 600 falschen Kündigungen hinzu? Eine genaue Antwort auf diese Frage konnte die Aseag bis am Mittwoch Abend nicht geben. Allerdings vermutet Heesel, dass es sich bei den falschen Mahnungen allenfalls um Einzelfälle handeln könne. Möglicherweise sei in einigen Fällen auch bei anderen Abo-Tickets bei der Datenübertragung von der alten auf die neue Software ein Problem aufgetreten, vermutet der Aseag-Sprecher und sagt: „Aber wir haben darüber bisher noch keine Rückmeldungen erhalten.“

Womit offen bleibt, wie vielen Fahrgästen man mit der Einführung des „eTickets“ tatsächlich einen schlechten Ausstieg per Kündigung verpasst oder per Mahnung angedroht hat.

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