„Pecha Kucha Night”: „Wirres Geplapper” statt langer Monologe

Von: Hanna Sturm
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Kampf gegen die Stoppuhr: Beim
Kampf gegen die Stoppuhr: Beim „Pecha Kucha” - japanisch für wirres Geplapper - haben die Redner exakt sechs Minuten und 40 Sekunden Zeit und müssen dabei 20 Powerpoint-Folien benutzen - aber jede nur für genau 20 Sekunden. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Dont be a sheep” - sei kein Schaf! So lautet Oliver Grüns Aufruf an alle, neue Wege zu gehen und auch mal um die Ecke zu denken. Bei der zweiten Aachener „Pecha Kucha Night” im Ludwig Forum ging es um „Neue Arbeitswelten - Verknüpfung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Kreativität”.

13 Vertreter von Unternehmen präsentieren hier ihre Zukunftsvisionen. Pecha Kucha (sprich „Petscha Kutscha”) ist japanisch und bedeutet so viel wie „wirres Geplapper”. Es ist eine ganz besondere Vortragsform, die vor allem in der Kreativwirtschaft immer beliebter wird. Jeder Redner ist auf exakt 6 Minuten und 40 Sekunden beschränkt, und muss 20 Powerpoint-Folien benutzen, die jeweils aber nur exakt 20 Sekunden gezeigt werden. Endlose Monologe und vollgeschriebene Folien - das ist bei Pecha Kucha nicht möglich.

Sich aufs Wesentliche reduzieren

„Man ist gezwungen, sich auf das Wesentliche zu reduzieren”, nennt Oliver Grün die besondere Herausforderung. Doch die Kürze mache auch den besonderen Reiz dieses Formats aus, findet der Leiter einer Aachener Software-Firma. In seinem Vortrag stellt er die Möglichkeiten von Web 2.0 Anwendungen für Non-Profit Organisationen vor. In Zukunft, so sein Fazit, müssten technische und kreative Fachleute noch besser zusammenarbeiten, um das volle Potenzial auszuschöpfen. „In der Bierpause findet bitte jeder Kreative einen Software-Entwickler und umgekehrt”, fordert Grün seine Zuhörer scherzhaft auf. Neue Kontakte und interessanten Input, das erhofft er sich von der Veranstaltung. „Für einen Wirtschaftsstandort ist es enorm wichtig, innovative Formate für den Austausch zu finden.”

So sieht das auch Katrin Futterlieb von der Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen. Gemeinsam mit der Design Metropole und der Maastrichter „Stichting PechaKucha” hat sie das neue Format nach Aachen geholt. „Wir haben nach einer neuen Möglichkeit gesucht, dass kreativwirtschaftliche Potenzial der Stadt zu entdecken und darzustellen”, so Futterlieb. Gleich die erste Veranstaltung im Juni sei ein voller Erfolg gewesen. Pecha Kucha sei ideal, um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, weil dabei anders als in langwierigen Fachvorträgen neue Ideen knackig auf den Punkt gebracht würden. „Diese Veranstaltungen sollen sich ja nicht nur an Fachleute, sondern auch an eine breite Öffentlichkeit richten”, so Futterlieb. Weil die Referenten aus Deutschland und den Niederlanden kommen, ist es für die Unternehmer eine gute Gelegenheit, auch grenzübergreifende Kontakte zu knüpfen.

Breites Themenspektrum

Das Spektrum der 13 Referenten ist breit gefächert, von Maschinenbau über Software-Entwicklung, Architektur bis hin zur innovativen Städteplanung. Die Aachener Unternehmerin Dagmar Wirtz spricht etwa darüber, wie ihre Maschinenbau-Firma sich mit kreativen Ideen durch die Wirtschaftskrise rettete: Weil die Auftragsbücher mit einem Schlag leer waren, haben die Angestellten mit handwerklichen Fähigkeiten den Firmensitz renoviert, wofür normalerweise ein anderes Unternehmen hätte beauftragt werden müssen. Andere Mitarbeiter suchten Kontakte zu neuen Kunden. So war jeder sinnvoll beschäftigt, und das Unternehmen hatte nach der Flaute sogar mehr Aufträge als davor. „Eine Krise ist immer auch eine Chance”, betont Wirtz.
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