„Pech und Schwefel“: Speerspitzen mit Herz und Esprit

Von: Peter Langohr
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„Pech und Schwefel“: Jünter und Helmut, die Entsorgungs-Experten vom Aachener Stadtbetrieb, sollen diesmal den Kugelhaufenreaktor in Jülich plattmachen. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Seit sieben Jahren präsentiert der Förderkreis Öcher Schängche das Stockpuppenkabarett „Pech und Schwefel“ und spätestens seit der Premiere der neuesten Ausgabe unter der Regie von Wendelin Haverkamp in der Barockfabrik ist klar, dass es nicht das verflixte siebte Jahr werden wird.

In ausverkauftem Haus und vor dem besten Publikum, das „Pech und Schwefel“ je hatte – was man laut Haverkamp ruhig glauben darf, denn schließlich sagt er es jeden Abend –- entfaltet die bewährte Mannschaft des Stockpuppenkabaretts ein wahres Feuerwerk an Gags, Klamauk und klugem Wortwitz, so dass man als Zuseher und -hörer Mühe hat, mit dem Lachen hinterherzukommen.

Reichlich Lokalkolorit

Gut, dass der Autor Wendelin Haverkamp nicht der Versuchung erliegt, das große Welttheater satirisch aufzubereiten, sondern sich an Themen mit Lokalkolorit und lokalpolitischem Hintergrund abarbeitet. Dass es davon reichlich gibt, beweist das rasante Programm, das gleich drei neue Mitwirkende auf die Bühne bringt. Zwei davon, deren Pendants während der Premiere im Publikum sitzen, sind etwas steif und hölzern, denn schließlich sind es Stockpuppen. Die eine ist hoch aufgeschossen und auch an den Gesichtszügen unschwer als OB Marcel Philipp zu erkennen. Die andere ruft Jubel und Gelächter hervor, als ihr Geheimnis gelüftet wird, und das Publikum sie eindeutig als Caroline Reinartz, die stadtbekannte Bürgerin, identifiziert.

Bei der Vielzahl an hervorragenden revueartigen Nummern fällt es schwer, einzelne herauszugreifen. Klar ist, dass das Pech-und-Schwefel-Kultpaar Maria und Gosef wieder dabei ist und die Gäste im Saal rätseln, was um alles in der Welt ein „Schmusie“ ist, den Maria ihrem Gosef zukommen lassen möchte, bis es ihnen dämmert, dass sie von einem Smoothie spricht. Grandios Jünter und Helmut, die Entsorgungs-Experten vom Aachener Stadtbetrieb, die diesmal den Kugelhaufenreaktor in Jülich plattmachen sollen. Da bei dem Verfahren auch noch Eduard die Reaktorratte als Kabelnager mitwirkt und Pils statt Kölsch als Primärkühlmittel Verwendung findet, ist das Ergebnis vorhersehbar. Da kann Willy Schell, der dritte „Neuling“ des Abends, der lange Jahre als Tenor am Stadttheater tätig war, zur Melodie des Chianti-Lieds zu einer wahren Störfall-Arie ausholen und „Ja, ja so´n AKW, das strahlt bei Eis und Schnee“ schmettern.

Bürgerservice im Visier

Der „Digitale Bürgerservice“ wartet mit einer herrlich sonoren Automatenstimme auf, die die Ratsuchenden zur schieren Verzweiflung treibt: „Please hold the line! Zur Zeit sind alle Mitarbeiter arbeitsunfähig erkrankt. Wenn sie noch ein wenig warten – sie auch.“ Der Aachens OB quält sich mit seiner Beichte, in der es um dubiose Einnahmen der Stadt aus einem Etablissement „hinter Horten“ geht. Selbstverständlich fährt auch der IC 4243 wieder. Diesmal ist am Abriss-Plaza Endstation nach einem Zwischenhalt im CHIO-Stadion in der Soers, wo eine Lautsprecherdurchsage um Mithilfe bittet: „Der kleine Totilas ist betrunken und sucht seine Mutter“.

Wenn man von „Pech und Schwefel“ spricht, dann darf man die Musik nicht vergessen. Die Öcher Blueslegende Dieter Kaspari und der versierte Keyboarder Franz Brandt sind die kongenialen Begleiter des Kabaretts, weil ihre Musik einfach passt. Am Ende gibt es für die beiden wie für die Sprecher Gitta Haller, Hubert Crott, Albert Henrotte und Wendelin Haverkamp, die Puppenspieler Elfriede Schulz, Albert Baurmann, Otto Trebels, Peter Reuters und Anna Inkmann sowie den „Sound-Effect-Engineer“ Freddy Matulla begeisterten und lang anhaltenden Applaus des Premierenpublikums, darunter viel lokale Prominenz.

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