„Pech und Schwefel“: Gags, Klamauk und viel kluger Wortwitz

Von: Peter Langohr
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Premiere von "Pech & Schwefel": In der Barockfabrik spielten nicht nur "Maria und Gosef" eine Hauptrolle. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Man mag es kaum glauben, aber das vom Förderkreis Öcher Schängche präsentierte Stockpuppenkabarett „Pech und Schwefel“ geht bereits in seine neunte Spielzeit. Das Fazit der Premiere der neuesten Ausgabe unter der Regie von Wendelin Haverkamp in der Barockfabrik ist klar.

„Pech und Schwefel“ ist wieder so gut, dass man sich um das kleine Jubiläum im kommenden Jahr keinerlei Sorge machen muss. Vor ausverkauftem Haus und dem besten Publikum, das „Pech und Schwefel“ je hatte – was stimmen muss, denn schließlich sagt Haverkamp es jeden Abend – entfaltet die bewährte Mannschaft des Stockpuppenkabaretts ein wahres Feuerwerk an Gags, Klamauk und klugem Wortwitz, so dass man als Zuseher und -hörer Mühe hat, mit dem Lachen hinterherzukommen.

Wie bereits bei den früheren Ausgaben des sehr speziellen Kleinkunst-Spektakels ist Ideengeber und Autor Haverkamp nicht darauf aus, das große Welttheater satirisch aufzubereiten, sondern arbeitet sich an Themen mit Lokalkolorit und lokalpolitischem Hintergrund ab. Dass es davon reichlich gibt, beweist das rasante Programm des weltweit wohl einzigen Öcher Stockpuppenkabaretts.

Bei der Vielzahl an hervorragenden revueartigen Nummern fällt es schwer, einzelne herauszugreifen. Klar ist, dass das Ausbildungsteufel Hubert wieder mit von der Partie ist und einen neuen Ansatz gefunden hat, um seine Beton-Sechs im Fach Lügen loszuwerden. Als Schauspielschüler schlüpft er in die Rolle des Tarzan, und schwingt nach dem Motto „Tarzan unser Dschungelheld, der immer auf die Schnauze fällt“ an einer Liane über die Bühne. Natürlich ist auch das Pech-und-Schwefel-Kultpaar Maria und Gosef wieder dabei und rätselt diesmal, was es mit dem intelligenten Haus auf sich hat. Dass es dabei eine pfiffige Antwort gibt, versteht sich von selbst. Grandios Uwe und Rick – die Nachnamen sollten selbst Google-Neulinge leicht identifizieren können – vom Kulturbeutel-Dezernat, die ein November-Special mit Aachen-Bezug auflegen wollen und dazu ein Casting durchführen mit Ulla – „Egal, was ich sage, ich singe immer“ –, Ludmilla, der Altenpflegerin aus Russland und Maria, der Frau von Gosef.

Der Bischof und sein Sekretär Sanktus halten die übliche Lagebesprechung ab, als inkognito eine Person auftaucht, die beichten möchte. Es handelt sich um einen gewissen Professor Stiefel, der aber keinesfalls genannt werden möchte und sich gegen eine deftige Buße seine Probleme mit der Elektromobilität von der Seele redet. In der Alemannia-Klinik wird Uralt-Fan Sardinelli behandelt – er ist immer so furchtbar traurig, was anschließend bei ihm zu Aggressionen führt.

Dr. Fehlpass ist ratlos und zieht mit Dr. Calmund aus Leverkusen einen Spezialisten hinzu, der eine geniale Therapie zur Hand hat – Aggressionsbekämpfung durch Übergewicht: „Man kann essen, wat man will. Hat man sein Zieljewicht erreicht, will man nur noch friedlich da sitzen.“ Der berühmte IC 4243 schafft es erneut nicht bis nach Köln, da hilft auch die Umwandlung in einen Rosenmontagszug nichts. Der Hauptbahnhof wird endgültig geschlossen, und ab sofort endet alles, was enden kann, am „Marching Door“, und Fahrkarten gibt es bei der Öcher Penn. Stadtsprecherin Caroline gibt wie gehabt die Beschlüsse des weisen Rates bekannt. So wird es im Bushof ab sofort Lampen geben, denn Forscher der Exzellenz-Uni haben festgestellt, dass Dunkelheit durch Licht reduziert werden kann.

Nicht vergessen darf man die Musik, die ganz wichtiger Bestandteil von „Pech und Schwefel“ ist. Die Öcher Blueslegende Dieter Kaspari und der versierte Keyboarder Franz Brandt sind kongeniale Begleiter des Kabaretts, weil ihre Musik einfach passt. Das wird besonders deutlich, wenn die beiden ihren Song „Mich dönt de Knouche wieh“ interpretieren und dabei sogar Maria und Gosef vorbeischauen. Am Ende gibt es für die beiden wie für die Sprecher Resi Schumacher , Hubert Crott, Albert Henrotte und Wendelin Haverkamp, die Puppenspieler Elfriede Schulz, Albert Baurmann, Otto Trebels, Peter Reuters und Anna Inkmann sowie den „Sound-Effect-Engineer“ Freddy Matulla begeisterten und lang anhaltenden Applaus des Premierenpublikums.

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