Paten gesucht: Wer gibt den Gestrandeten ein Zuhause?

Von: Matthias Hinrichs
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Hoffen auf die Hilfsbereitschaft der Aachener: Brigitte Bankert-Fraikin und Stefan Küpper vom Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Maria im Tann suchen Paten für minderjährige Flüchtlinge. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sie haben sich mehr oder minder glücklich durchgeschlagen bis ins Dreiländereck – fast immer unter katastrophalen, oft unter denkbar dramatischen Umständen. Sie sind nicht einmal volljährig. Sie sind auf der Suche nach Halt – nach Menschen, denen sie vertrauen können, die ihnen eine angstfreie und harmonische Bleibe bieten und neue, hoffnungsvolle Perspektiven.

Kurz: nach Menschen, die dafür sorgen, dass das amtliche Attribut „unbegleitet“ im Hinblick auf eine Vielzahl minderjähriger Flüchtlinge in der Grenzstadt Aachen endlich „ad acta“ gelegt werden kann. Zurzeit werden allein in Maria im Tann rund 35 junge Gestrandete aus vielen Ländern Afrikas, aus Afghanistan und Syrien betreut.

„Was viele von ihnen aber vor allem brauchen, sind qualifizierte Privatpersonen, die bereit und auch wirtschaftlich in der Lage sind, ihnen ein Zuhause in ihren eigenen vier Wänden zu geben, in dem sie individuelle Zuwendung und Unterstützung erfahren“, sagt Stefan Küpper, Leiter des Zentrums für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.

Mit Brigitte Bankert-Fraikin von der Erziehungsberatungsstelle des Hauses in Preuswald will Küpper daher jetzt eine neue Offensive starten in Sachen Willkommenskultur: „Wir suchen Menschen mit pädagogischer Ausbildung oder auch Mitbürger, die durch ihre kulturellen Wurzeln per se eine tragfähige Beziehung zu jungen Flüchtlingen aufbauen können und ihnen eine persönliche Begleitung in familiären Umfeld ermöglichen“, erklärt Küpper.

Selbstverständlich garantiere die Erziehungsberatung schon im Vorfeld für eine umfassende Betreuung der Betreuer: Sie sollen durch die Experten des Hilfezentrums drei Monate lang geschult und vorbereitet werden, auch mit Blick auf die ganz persönliche Geschichte und Herkunft ihrer potenziellen Schützlinge, bevor entschieden wird, ob sie die Rolle als „Gasteltern“ übernehmen können und sollen.

Auch danach steht die Beratungsstelle – gegebenenfalls 24 Stunden am Tag – den neuen Partnern mit Rat und Tat zur Seite, unterstreicht Brigitte Ban-kert-Fraikin. Und natürlich auch finanziell: Über die gesetzlichen Leistungen von 651 Euro monatlich zur Deckung der Kosten für Unterbringung, Kleidung, Ernährung etc. hinaus wird ein „Pflegegeld“ von rund 700 Euro im Monat gezahlt.

Unbezahlbar dürften hingegen die vielen Erfahrungen, Einsichten und Erkenntnisse sein, welche natürlich auch die Paten mit ihren Schützlingen sammeln. „Die allermeisten dieser jungen Menschen sind hoch motiviert, sehr selbstständig und durchaus belastbar – andernfalls hätten sie es wohl kaum bis nach Aachen geschafft“, sagt Küpper. „Dennoch gibt es viele, die in einer Gruppe oder gar mit einer Unterbringung im Hotel völlig überfordert sind. Was sie jetzt am nötigsten brauchen, sind Menschen, die wirklich für sie da sein wollen.“

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