Forst - Pastor Hermann Josef Kaiser: Auf Umwegen nach Forst statt zur Marine

Pastor Hermann Josef Kaiser: Auf Umwegen nach Forst statt zur Marine

Von: Birgit Triesch
Letzte Aktualisierung:
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Stets auf der Suche nach Schätzen für den Missionsbasar: Pfarrer Hermann Josef Kaiser ist auch hier noch überaus wirkungsvoll im Einsatz. Foto: Martin Ratajczak

Forst. Aus Forst ist Pastor Hermann Josef Kaiser seit vielen Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken. Ganz nach dem Leitspruch: „Ich kenne die meinen und die meinen kennen mich“, begrüßte er schon vor der Messe die Gottesdienstbesucher. Jetzt feierte der 91-jährige Geistliche eine ganz besondere Dankmesse, denn vor 50 Jahren wurde er als Pfarrer in die Gemeinde St. Bonifatius eingeführt.

Zu dieser Pfarrei fand er allerdings erst auf Umwegen: Nachdem Kaiser im Jahr 1951 die Priesterweihe empfangen hatte, arbeitete er 14 Jahre als Kaplan in Erkelenz und Stolberg. Im Alter von 41 Jahren schlug man ihm vor, als Priester bei der Marine in Wilhelmshaven oder Bremerhaven tätig zu werden, was er aber mit Hinweis auf sein Alter dankend ablehnte.

Im Juli 1965 gab man ihm jedoch die Möglichkeit, die junge Pfarre St. Bonifatius, die 1964 von der Pfarrkirche St. Katharina abgetrennt und nun neu geweiht worden war, als Pfarrer zu übernehmen. Kaiser stand in der Nachfolge des erkrankten Pfarrers Pannhausen, für den stellvertretend Kaplan Müller die Gemeinde betreut hatte. Sportler, Schützen und viele Gläubige begrüßten damals den neuen Pfarrer vor seiner Kirche, um gemeinsam den feierlichen Einführungsgottesdienst zu feiern. „Damals war das Kirchengebäude bereits fertig gebaut und eingeweiht. Doch im direkten Umfeld befanden sich gefällte Bäume und Einschläge von Granaten. Unser Büroräumchen war gerade mal sechs oder acht Quadratmeter groß“, erinnert er sich an die Anfänge. Bauliche Maßnahmen waren in der Folge noch dringend zu tätigen, so konnte schließlich auch Anfang der 70er Jahren ein katholischer Kindergarten eröffnet werden.

Zu einer Pfarre gehören natürlich auch die Aktivitäten, die ein Gemeindeleben formen. Dazu zählten unter anderem der Kirchenchor, einst eine stattliche Anzahl Messdiener, Frauen- und Bibelkreis, Senioren- und Jugendgruppen. Schon bald nahm Kaiser auch den mittlerweile allseits bekannten Missionsbasar in die Hand, der von zwei älteren Damen, die Häkelarbeiten anboten, ins Leben gerufen worden war. Die Handarbeiten ließen sich schlecht an den Mann oder die Frau bringen und auch mit der Ware von Missio konnte man nicht wirklich Geld erzielen, so dass er seine Leidenschaft für Antiquitäten und Kunst hierauf ausdehnte. Bis heute ist dieser Basar in der Gemeinde eine feste Institution. Im Laufe der Jahre konnten hier rund 100.000 Euro für die Werke Missio und Kindermissionswerk sowie drei Projekte in Afrika, Indien und Chile eingenommen werden.

Mittlerweile ist Kaiser Pfarrer im Ruhestand. Doch der aktive Geistliche, dem man wahrlich sein Alter nicht anmerkt, gönnt sich keineswegs die verdiente Ruhe. Sein seelsorgerisches Wirken versteht er als Berufung Gottes.

So steht er seiner Gemeinde, die heute noch aus 2600 Katholiken besteht, auch in Zeiten der Umstrukturierungen des Bistums zur Seite. Die Veränderungen sind gravierend: Mit nur einer Enthaltung wurde im Jahr 2008 vom Stadtrat beschlossen, den katholischen Kindergarten nicht weiter zu bezuschussen, obwohl drei Gruppen zustande gekommen wären. Zwei Jahre später fusionierten schließlich die Pfarrgemeinden St. Katharina und St. Bonifatius. In diesem Jahr verabschiedete sich die ehemalige Gemeindereferentin in den Ruhestand, so dass unter anderem die beiden Mädchengruppen wegfielen. Außerdem wurde der Kirchenchor aufgelöst und die Messdienerzahl ist auf drei Jugendliche und zwei Erwachsene geschrumpft.

Heute bestehen noch ein kleiner Bibelkreis sowie die Frauengemeinschaft, deren Vorsitz Kaiser innehat. Weiterhin leitet Pastor Kaiser die Gottesdienste in St. Bonifatius und Haus Margarete, macht Krankenbesuche in Heimen, Krankenhäusern oder Privatwohnungen, besucht Gemeindemitglieder an Geburtstagen und hält Exequien ab. Jeden ersten Montag im Monat überreicht er Bedürftigen, in der Regel 15 Personen, 10 oder 20 Euro und hat zu jeder Tages- und Nachtzeit für seine Mitmenschen ein offenes Ohr.

Anlässlich seines 90. Geburtstages im vergangenen Jahr fand Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff folgende Worte für den emsigen Priester: „Er gehört zum eisernen Bestand der Aachener Priesterschaft.“

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