Parkplatznot: Sie kennen kein Halten mehr

Von: Robert Esser
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Fassungslos: Nach 31 Jahren verlieren (v.l.) Nicola Farinola und Memmo Filimbeni vom Restaurant „Toscana” viele Gäste, weil - für die beiden Betreiber völlig überraschend - alle Parkplätze auf der Römerstraße entfernt wurden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nicht nur Memmo Filimbeni (59) ist der Appetit offenbar gründlich vergangen. Mittagszeit am Donnerstag, im traditionsreichen Restaurant „Toscana” an der Römerstraße sitzt kein einziger Gast. Ebensowenig nebenan im griechischen Lokal „Athen”.

Gastronom Filimbeni macht dafür die nach seiner Ansicht „völlig verfehlte Verkehrspolitik der Stadt” verantwortlich. „Wo sollen unsere Gäste denn noch parken?”, fragt er. Im Zuge der Radnetzerweiterung und der Umbauarbeiten an der Normaluhr wurden bis zum Hauptbahnhof alle Parkplätze gestrichen.

„Viele Gäste sind älter, die können nicht vom nächsten Parkhaus am Marschiertor bis hierhin laufen - und das ist sowieso so düster”, klagt der Italiener, der hier seit 31 Jahren kulinarische Köstlichkeiten serviert. „Die Straße ist jetzt eine Autobahn”, klagt Filimbeni. Außer im Berufsverkehr. Da staue sich der Verkehr täglich Richtung Normaluhr; aber eben nicht in Gegenrichtung vor den Geschäftstüren.

„Warum hat man auf unserer Seite nicht - wie an der Lagerhausstraße - die Fahrbahn schmaler gestaltet und nur die Gegenfahrbahn zweispurig belassen, dann den Radweg daneben markiert und uns die Parkplätze gelassen?”, ist der 59-Jährige ratlos. Und stinksauer: „Niemand hat uns informiert. Und jetzt kommt kaum noch einer, unfassbar!”

Mehrere Nachbarn bestätigen, dass auch sie im Vorfeld der Parkplatzentfernungsmaßnahme keinerlei Informationen erhalten hätten. Die Stadt widerspricht, verweist auf eindeutige Ratsbeschlüsse und eine Einladung zu einer Bürgerinformationsveranstaltung. Im Einladungsschreiben war allerdings nur von „einigen Änderungen in der Bordsteinführung” die Rede - nicht etwa vom Wegfall sämtlicher Parkplätze.

Stattdessen wurden neue Stellplätze angekündigt. Laut Stadt - fast - genauso viele wie an der Römerstraße gestrichen wurden. 18 Stück entstehen gerade an der Hackländerstraße, Baugerät blockiert den Rest der Parkzone. „Das gleicht den Verlust hier niemals aus”, sagt auch Gastronom Charalampos Malafouris im Restaurant „Athen”.

Einige Meter weiter klagt Elisabeth Scheurer im Exklusiv-Gebrauchtmöbel-Geschäft „F. J. Dauvermans”: „Es ist spürbar ruhiger im Geschäft. Be- und Entladen wird jetzt für uns noch problematischer”, sagt sie. Und die Radfahrer? „Viele nehmen weiterhin den Bürgersteig statt den neuen Radweg”, hat Scheurer beobachtet.

Besonders schlimm trifft es Melina Sari. Gerade erst hat sie ihr kleines türkisches Snack-Geschäft „Bon Appetit” an der Ecke Römerstraße/Vereinsstraße eröffnet.

Das Ladenlokal stand vorher jahrelang leer. „Eine Woche nach der Eröffnung kamen die Bauarbeiter und haben die Parkplätze weggenommen. Ich ahnte nichts!”, schildert sie. „Es ist schrecklich, es kommen viel weniger Kunden, Autofahrer können hier ja nicht mal mehr kurz halten”, erklärt Sari. „Wenn sich nichts ändert, sieht es schlecht aus. Ich muss über die Schließung nachdenken”, sagt sie. Kunden machen ihr in diesen Tagen Mut, wollen auf die hausgemachten Spezialitäten nicht mehr verzichten.

Apropos Verzicht: Filimbeni will seinen Gästen jetzt Parkgebühren erstatten - wenn diese schon die weiten Fußwege auf sich nehmen. Gerechnet hatte er mit dieser Entwicklung nicht.

Denn während die politisch verordnete, systematische Parkplatzstreichung in Aachens Innenstadt - etwa entlang der Kleinkölnstraße, am Büchel, am Brot-Schneider-Platz etc. - voranschritt, wähnte man sich am Hauptbahnhof vor derlei Maßnahmen in Sicherheit.

„Aber offenbar ist es der Stadt auch völlig egal, dass man mit dem Auto nicht mal mehr halten kann, um Menschen zum Bahnhof zu bringen oder abzuholen”, resigniert der Italiener. Und das schmeckt nicht nur ihm ganz und gar nicht.
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