Aachen - Parkplätze im Überfluss, aber wenige Käufer

Parkplätze im Überfluss, aber wenige Käufer

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Ungewohntes Bild: Als am Sonntag die Geschäfte öffneten, kam kaum ein Kunde. Im Laufe des Tages wurde es zwar etwas voller, gekauft wurde aber nur wenig. Viele Händler beklagten „falsches Timing”. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Für Sanlaktar Serhan geht´s um die Wurst. Seine brutzelnde Geschäftsgrundlage trägt er vor dem Bauch. Fast jeden Tag, bis zu sieben Stunden. Es gibt keinen Grund, nicht zu arbeiten, sagt Serhan. Deswegen machte er sich auch am Sonntag mit seiner mobilen Wurstbude auf in die Adalbertstraße.

Um 13 Uhr öffneten die Geschäfte ihre Pforten. Die Stadt wirkte um diese Uhrzeit eher wie frisch evakuiert. Im Laufe des Tages wird es voller, der große Ansturm bleibt aber aus. Vor Serhans Stand hat sich sogar eine kleine Schlange gebildet.

Seine heiße Ware ist beliebt bei beißender Kälte. Und trotzdem gehen die warmen Semmeln, in die er die Würstchen packt, nicht so flott über die Theke wie gewohnt. Den Termin für den verkaufsoffenen Sonntag findet er unglücklich.

„Normalerweise wäre ich jetzt mit der Kuscheldecke auf der Couch.” Da gehe es auch gleich wieder hin, sagt eine Kundin.

Astrid Grün wäre am liebsten ganz daheim geblieben. „Wenn wir am Sonntag hier stehen, dann möchten wir was zu tun haben”, sagt die Filialleiterin eines Schmuckhändlers. Haben sie aber nicht.

So kurz nach Weihnachten seien die Leute vom Konsum gesättigt, damit ein verkaufsoffener Sonntag zu diesem Zeitpunkt ein Erfolg werde, brauche es die Unterstützung der Stadt. „Da muss ein Event hinter hängen”, sagt Grün. Es reiche nicht, wenn die Händler nur ihre Türen aufsperrten.

Immerhin: Wer shoppen möchte kann dies ganz entspannt. Probleme einen kompetenten Ansprechpartner zwecks Beratung zu finden, gibt es keine. Parkplätze sind dagegen im Überfluss vorhanden. „Frei” melden die Parkhäuser in der Innenstadt in grüner Leuchtschrift. Lange Blechschlangen im Einfahrtsbereich sind nirgendwo zu beobachten.

Der Zeitpunkt für einen verkaufsoffenen Sonntag sei schon seltsam, sagt eine Verkäuferin in einem Modegeschäft für große Größen. In der ersten Stunde habe sich niemand blicken lassen, jetzt sei es zwar etwas voller, aber gekauft würde ganz wenig. Da hilft es auch nicht, dass die Geschäfte großformatig mit Preisnachlässen von bis zu 70 Prozent locken.

Sanlaktar Serhan gibt keinen Rabatt. Auch wenn sein Geschäft heute nicht wirklich gut läuft, verdirbt ihm das nicht die Laune. „Ich habe ja keine Kosten. Aber was ist mit den Geschäften, die 40 Mitarbeiter kommen lassen?”, fragt er und legt neue Würste auf den Grill.

Gabi Schaakxs ist eine von diesen Mitarbeitern. Das Geschäft laufe schlecht, sagt die stellvertretende Filialleiterin eines Schuhgeschäfts. Die Leute bräuchten kurz nach Weihnachten keinen Sonntag zum Einkaufen. So sieht das auch Sanlaktar Serhan. Seine Bilanz? „Auf jeden Fall keine gute”, sagt er. Und: „Ein unnötiger verkaufsoffener Sonntag.”
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