Parkgespräch: Der Treff hätte auch Kennedy beeindruckt

Von: Katharina Redanz
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Essen, reden, kennenlernen: Beim Picknick im Kennedypark stand das ungezwungene Miteinander im Mittelpunkt. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Gebacken hatte sie für das Picknick, und sogar der massive Küchentisch wurde auseinandergebaut und aus dem vierten Stock in den Park heruntergetragen: „Voller Einsatz für das Ostviertel“, sagte Gisa Damerius lachend.

Mit rund 30 anderen Aachenern kam die Anwohnerin des Elsassplatzes im Rahmen der „Parkgespräche“, organisiert von der Jürgen-Kutsch-Stiftung, am Sonntagnachmittag zum Picknick im Kennedypark zusammen.

Unter dem Motto „friedliche Gesten in unfriedlichen Zeiten“ sollte nun schon im dritten Jahr am „längsten Tisch, der jemals im Kennedypark gestanden hat“, so Initiator Jürgen Kutsch, gepicknickt werden. „Jeder bringt etwas mit, Leute probieren Neues und unterhalten sich – auch mal mit bisher fremden Menschen“, so stellte Kutsch sich das Zusammenkommen vor: gemeinsam essen und dabei lernen, einander zu verstehen.

Der Plan ging auf: Bei bestem Sommerwetter wurde geredet, gelacht und gegessen – passend zum vielseitigen Viertel gab es von Linsenköfte über Zitronenkuchen bis zu Gemüseröllchen eine abwechslungsreiche Fingerfood-Auswahl.

Bereits zum 16. Mal lud die Jürgen-Kutsch-Stiftung zu den sogenannten Parkgesprächen ein – eine Plattform, auf der Menschen sich kultur-, religions- und generationsübergreifend austauschen können und sollen. „Die Idee, Menschen eine Möglichkeit für Gespräche zu bieten, entstand Ende 2013“, erzählte Kutsch, „nach einer Polizeirazzia und diversen anderen Geschehnissen im Ostviertel.“

Er selbst sei im Stadtteil aufgewachsen und habe das Bedürfnis gehabt, etwas dafür zu tun, dass die Bewohner und Besucher sich wohler fühlen, denn „das Ostviertel ist nicht so schlecht wie sein Ruf“. So kam es zu einem ersten Gespräch Anfang 2014 mit etwa 15 Teilnehmern – „und daraus haben sich regelmäßige Austausche entwickelt“, so Kutsch, der glücklich über diese Entwicklung ist.

Alle zwei Monate kämen Bewohner des Stadtteils sowie Menschen aus anderen Ecken der Stadt nun an unterschiedlichen Orten zusammen, um sich zu unterhalten und sich für den Stadtteil einzusetzen.

„Wir kommen hierhin, weil wir es wichtig finden, uns für unser Viertel zu engagieren“, so die Anwohnerin Damerius, schließlich habe der Osten der Stadt nicht gerade den besten Ruf. „Wenn ich erzähle, wo ich wohne, gucken viele im ersten Moment erschrocken und besorgt.“

Dabei wohne sie gerne am Elsassplatz, und das nun auch schon seit rund 20 Jahren. „Früher war die Stimmung in den Straßen hier aber schon noch anders“, erzählte sie, „aber durch gegenseitiges Kennenlernen und Austausch zwischen allen Bewohnern wie etwa bei so einem Picknick können wir ja etwas dafür tun, dass die Stimmung wieder besser wird.“

Sadiye Mutlu sieht das ähnlich. Seit gut einem Jahr wohnt die Deutsche mit türkischen Wurzeln am Kennedypark: „Leider fühle ich mich oft nicht sicher.“ Damit sich das wieder ändert, sei es wichtig selbst aktiv zu sein, sagte sie.

„Deswegen komme ich hierhin, um meine Nachbarn kennenzulernen.“ Durch diesen Austausch könne das Viertel verbessert werden – „gerade weil sehr unterschiedliche Leute zu, Picknick kommen.“ Initiator Kutsch stimmte ihr zu: „Die Idee des Picknicks ist, die Leute zu vernetzen und so das Viertel aufzuwerten“.

Durch die Parkgespräche seien auch schon neue Freundschaften entstanden, erzählte er begeistert. Letzteres war nicht schwer vorzustellen beim Anblick der gemütlichen und freundschaftlichen Atmosphäre beim Picknick am längsten Tisch des Parks: Bestehend aus Bierbankgarnituren, Campingtischen und einem massiven Küchentisch.

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