Parken an der Inde: Wer darf?

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
6293079.jpg
Wie lässt sich die Blechflut im beschaulichen Ortskern sinnvoll eindämmen? Die Frage hat die Stadt jetzt an die Bürger in Kornelimünster weiter gereicht. Vieles ist denkbar – und alles umstritten. Foto: Michael Jaspers
6293080.jpg
Platz genug – glaubt Anwohner Männ Moers. Doch vor seiner Tür sollen Pkw jetzt tabu bleiben. Foto: Michael Jaspers

Kornelimünster. Gleich nebenan plätschert leise die Inde, unterm Fachwerk am Korneliusmarkt scheint die Idylle perfekt – fast. Denn während andernorts erst kürzlich neudeutsche Erfindungen à la „Shared Space“ für Unruhe sorgten, sind die Nerven von so manchem Anwohner im historischen Ortskern von Kornelimünster seit Jahr und Tag mindestens so strapaziert wie das Pflaster vor ihrer Haustür.

Will sagen: Der Königsweg zum „richtigen“ Parken im Herzen des Inde-Städtchens ist nach wie vor nicht gefunden. Das soll sich bald ändern – Bürgerbefragung heißt das Zauberwort.

Mitte September ist ein lange angekündigtes Schreiben der Verwaltung in die Briefkästen der Anwohner und Gewerbetreibenden rund um Abteigarten, Benediktusplatz und Korneliusmarkt geflattert.

Die haben nun noch bis zum morgigen Freitag Zeit, Antworten auf eine Reihe von Fragen zu geben, die auch die Politik brennend interessieren. Denn nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Zahl von Touristen, die vom Inde-Ufer aus Richtung Eifelsteig aufbrechen, wächst der viel zitierte Parkdruck im Schatten der Abtei.

Sollen also die Kernbereiche Benediktusplatz und Korneliusmarkt gänzlich vom Blech befreit werden oder doch nur in Teilabschnitten, nur zu bestimmten Tageszeiten? Sollen sie mittels Anwohnerparken für die Ortsansässigen reserviert, für Gäste kostenpflichtig werden?

Sollen Besucher per Parkscheibe weiterhin zumindest eine Zeit lang zum Nulltarif verweilen dürfen? Oder soll alles so bleiben, wie es ist: Gratis-Parken in den dafür eingerichteten Zonen?

Feuerwehr schlug Alarm

„Wir hoffen, dass wir in Kürze ein entsprechend klares Votum erhalten“, sagt Bezirksbürgermeister Eberhard Büchel – eine Prognose im Hinblick auf den etwas anderen „Wahlkampf“ freilich wagt der CDU-Politiker einstweilen nicht, immerhin so viel: „Ich könnte mir vorstellen, dass die meisten dafür plädieren, dass sich gar nichts ändert – zumindest im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften, denen wir natürlich Rechnung tragen müssen.“

So geschehen erst vor knapp zwei Wochen. Seinerzeit beschloss die Bezirksvertretung auf Veranlassung der Feuerwehr, die schmale Durchfahrt vom Korneliusmarkt zum Benediktusplatz zur Fußgängerzone umzuwidmen. In Kürze sollen entsprechende Schilder aufgestellt werden.

Und das passt manchem Anwohner gar nicht. „Man müsste zumindest das Ein- und Ausladen weiter ermöglichen“, schimpfen Anneliese und Männ Moers, die seit vier Jahrzehnten am Korneliusmarkt wohnen und sich im Rahmen der AZ-Aktion „Wo drückt der Schuh“ bei der Redaktion meldeten.

Geht nicht, kontert indessen die Verwaltung. Aus gegebenem Anlass: Anfang April hatte ein Rettungswagen bei einem Noteinsatz vergeblich versucht, unmittelbar bis zu einem Haus am Benediktusplatz vorzudringen. Die Zufahrt war durch parkende Pkw versperrt.

„Es war klar, dass wir da sofort reagieren mussten“, sagt Büchel. Die Verantwortlichen trafen sich zum Ortstermin – mit klarem Ergebnis. Denn durch eingeschränktes Halteverbot hätte man das Problem nicht wirklich lösen können, weil es bei Notfällen natürlich auf jede Minute ankomme.

Männ Moers argwöhnt derweil, dass Politik und Verwaltung auch hier mit zweierlei Maß messen: „Am Benediktusplatz hat ein Geschäftsmann sogar Blumenkübel aufgestellt, die den Straßenraum ebenso blockieren.“ Ob der das dürfe, müsse nun in einem langwierigen juristischen Verfahren geklärt werden. Kurzum: „Wir verstehen nicht, warum die Stadt plötzlich mit Kanonen auf Spatzen schießt und die Autos vor unserer Haustür gleich völlig verbannen will.“

Büchel freilich sieht in punkto Sicherheit letztlich keinen Handlungsspielraum. Zumindest im Nadelöhr zwischen Korneliusmarkt und Benediktusplatz müsse Parken zwangsläufig tabu bleiben, Bürgerbefragung hin oder her. Und unabhängig vom Votum der Anwohner werde sicher weiter geprüft, wo Ausweichmöglichkeiten fürs Blech der wachsenden Gästeschar geschaffen werden könnten.

So sollen die Anwohner nun auch über die Nutzung eines Grundstücks an der Korneliusstraße als Parkplatz entscheiden. „Man könnte dort Stellplätze auf zwei Ebenen einrichten, die auch von der Bundesstraße aus erreichbar wären“, sagt Büchel.

Weitere Optionen hat die Verwaltung bereits auf dem Regenrückhaltebecken an der Klauser Straße sowie auf dem alten Schulhof am Abteigarten ausgemacht – unabhängig davon, wie das Votum der Anwohner am Ende ausfällt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert