Aachen - „Park&Ride”: Vom Total-Flop zum Erfolgsmodell?

„Park&Ride”: Vom Total-Flop zum Erfolgsmodell?

Von: Stephan Mohne
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Ein „Park&Ride”-Platz, den aber kaum jemand kennt: das stillgelegte Teilstück des Berliner Rings. Dem bislang dahin dümpelnden „P&R”-System soll jetzt neues Leben eingehaucht werden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das System liegt eigentlich schon mehr oder weniger verstaubt in der Mottenkiste. Doch jetzt will die Verwaltung ihm neues Leben einhauchen: „P&R”. Anfang der 1990er Jahre hatte man sich viel vom „Park and Ride” versprochen.

Auf dass die Autofahrer am Stadtrand ihr Blech abstellen und zwecks Weiterfahrt umsteigen. Das Ergebnis, um es mit den Worten der Verwaltung zu sagen: Die Strategie habe „leider nicht zu den gewünschten Verkehrsverlagerungseffekten auf den ÖPNV geführt”. Mit anderen Worten: „Park and Ride” ist - wie in vielen anderen Städten auch - ein Total-Flop. Doch das könnte sich ändern, glaubt man bei der Stadt. Wenn man es nur richtig anfängt.

So liegt nun erst einmal eine Studie auf dem Tisch. Beraten wird sie im Mobilitätsausschuss am 10. März. Mehrere Befragungen sind gestartet worden, um abzuklären, wie viele potenzielle Nutzer es überhaupt gibt. Unter anderem wurden rund 3200 Pendlern auf ihrem Weg in die Stadt Fragebögen in die Hand gedrückt. Knapp 1000 davon kamen zurück. Unter dem Strich kam heraus, dass besagtes Potenzial bei rund 13 Prozent liegt. Das wären pro Tag 1200 Fahrzeuge an den sechs größten Einfallstraßen. Damit, so heißt es weiter, könnten 1,5 Tonnen Kohlendioxid pro Tag eingespart werden, was der täglichen CO2-Produktion von 375 Aachenern entspreche.

Das alles ist jedoch noch graue Theorie, denn eines ist bei der Befragung ebenfalls deutlich zutage getreten: Das Informationsdefizit hinsichtlich „P&R” ist enorm. So sind die vier aktuellen „P&R”-Plätze (Westfriedhof, Waldfriedhof, Bendplatz, alter Berliner Ring) vielen nicht bekannt. Andere wiederum vermuten „P&R”-Plätze, wo es gar keine gibt - so etwa am Tivoli.

Mancher „Einpendler” aus Richtung Eifel gibt an, er würde das Angebot ja vielleicht nutzen, wenn ein „P&R”-Platz an der Monschauer Straße wäre - wo am Waldfriedhof allerdings längst einer ist. Befragte, die aus den Niederlanden kommen, sagten, sie würden „P&R” nutzen, wenn es einen Bustakt von höchstens zehn Minuten gebe. Der liegt an der Vaalser Straße aber meist deutlich unter zehn Minuten. Informationsdefizite, die es bei einem „Neustart” des Systems auszumerzen gilt. Doch das alleine reicht laut Verwaltungsvorlage alleine nicht aus.

Kleiner Einstieg, großer Ausbau?

Zunächst soll mit einem „Einstiegskonzept” gestartet werden - auch, um „Fehlinvestitionen zu vermeiden”. Weiterhin sollen vier „P&R”-Plätze vorhanden sein, wobei der kaum bekannte und genutzte alte Berliner Ring durch den Bereich Tivoli/Krefelder Straße ersetzt wird und der wegen Veranstaltungen oft gesperrt Bendplatz durch ein Angebot an der Lütticher Straße (Parkplatz „Mulleklenkes”). Verbessert werden soll zum Beispiel die Beleuchtung und die Wegweisung.

230.000 Euro müssten zum Auftakt investiert werden, die zu 85 Prozent durch den „Zweckverband Nahverkehr Rheinland” bezuschusst werden könnten. Hinzu kämen etwa 250.000 Euro Betriebskosten pro Jahr für ausgeweitete Busangebote - ein „P&R”-Shuttle zum Tivoli und die Verlängerung der Linie 21 zum Waldfriedhof. Das alles sei „kurzfristig realisierbar”. Den Nutzern des „P&R” sollen überdies attraktive Tarifangebote gemacht werden.

Langfristig ist an einen Ausbau des Systems gedacht. Dieser sieht vor, an der Monschauer Straße nahe Lichtenbusch und an der Lütticher Straße im Bereich Preuswald neue und größere Parkplätze zu bauen. Das würde dann bei 2,5 Millionen Euro Kosten kräftig ins Geld gehen. Dann soll außerdem eine neue Buslinie vom Tivoli bis zur Monschauer Straße eingeführt werden, die nochmals 940.000 Euro Betriebskosten pro Jahr verursachen würde. Die Zahlen sind allerdings nur erste Schätzungen, wie Uwe Müller, Leiter des Fachbereichs Verkehrsanlagen, sagt.

Betont wird, dass „für ein erfolgreiches P&R erhebliche Anstrengungen” erforderlich seien. Vor allem im Bereich Marketing und Werbung müsse einiges getan werden. Es werde aber auch eine „attraktive Alternative geschaffen”, um die Innenstadt zu erreichen. Der Mobilitätsausschuss soll nun der Verwaltung den Auftrag erteilen, die Details für das „Einstiegskonzept” zu planen.
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