Panzerknacker abgehört: Sie gingen offiziell zum Training

Von: Wolfgang Schumacher
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Geborgen: Drei Geldschränke holten Taucher des Technischen Hilfswerks im Dezember 2011 aus dem Hangeweiher. Foto: Michael Jaspers

Aachen/Stolberg. Offenbar war es das Ungeschick des Angeklagten Dennis L. (23) aus Aachen, durch das das Panzerknacker-Quartett am Ende aufflog. Die vier Männer, drei davon aus Aachen, einer aus Stolberg, hatten in der Zeit zwischen September 2011 und Oktober 2012 diverse Altenheime und Seniorenresidenzen nicht nur in der Aachener Region und in Belgien heimgesucht.

Der Aktionsradius der flotten Truppe fleißiger Tresorknacker im Alter zwischen 23 und 26 Jahren reichte von Bad Hönningen im Süden bis hinter Düsseldorf im Norden und tief in den Kölner Raum hinein.

Das Ganze wird jetzt vor der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht verhandelt. Die Vorgehensweise war stets die gleiche: Man stieg nachts in die Seniorenstifte ein, brach Türen wie auch Fenster auf und nahm leichte und mittelschwere Tresore gleich mit, egal, ob sie in der Wand oder am Boden befestigt waren. Zu Hause wurden sie aufgebrochen. Die kaputten Stahlschränke entdeckte man später als eiserne Findlinge in Tümpeln und Seen der Region - wiederum grenzüberschreitend.

Bei einem dieser - laut Aussage eines Polizeiermittlers sehr gut vorbereiteten Raubzüge - hatte Dennis L. die ansonsten bei der Bande vorgeschriebenen schwarzen Sturmmasken mit dem aus Film und Fernsehen bekannten Sehschlitz abgezogen. Die Videokamera eines Heimes nahm ihn auf, zusätzlich fand man seine DNA-Spuren an einem weggeworfenen Handschuh. Und da der einschlägig bekannte L. einer Polizeidatei gespeichert war, kam man dort schnell auf seine Identität. Schnellstens setzte die übliche Überwachungsmaschine ein, sein Handy wurde überwacht.

Komplize und künftiger Schwager

Und das war anscheinend zielführend. Wie ein Ermittler vor dem Vorsitzenden Richter Arno Bormann berichtete, telefonierte L. fleißig mit seinem Kontaktmann in der mutmaßlichen Bande, mit Bartos K. (24). Mit ihm verabredete er sich „zum Training“, wie laut Polizei die Raubzüge im Ganovenjargon genannt wurden. War etwas unklar, dann habe man den Ausdruck „es ist schief“ benutzt, erklärte der Kriminalist . Räuber K. war nicht nur Kumpel und Geschäftspartner von L., er war auch mit der Schwester von L. verbandelt, also sein Schwager in spe. Über ihn gingen die Infos dann weiter an die beiden anderen. Zu denen zählte beispielsweise der Autospezialist Achmet E. (26), der sich in einer Halle in Haaren um die Wagen kümmerte.

Was die vier nicht wussten: Auch die Autos wurden überwacht. So konnte man schon seit knapp vier Wochen vor der Verhaftung des Quartetts am 18. Oktober 2012 die Geo-Daten der Fahrzeuge bestimmen und die Raubzüge nachvollziehen. Das war über die Handys nicht möglich, erklärte der Ermittler der „Soko-Tresor“, da die Räuber diese bei den Touren klugerweise einfach konsequent ausgeschaltet ließen.

Als das Quartett in jener Nacht aus der Nähe von Dormagen nach Aachen zurückkam, stellte man das Fluchfahrzeug in Haaren durch einen quer gestellten Lastwagen. Durch die Autosperre kam es zu filmreifen, spektakulären Aktionen, selbst ein Hubschrauber musste eingesetzt werden.

Die Beute, das wurde offenbar, war teilweise erheblich. So raubte man aus dem Tresor eines Aachener Stifts 23.000 Euro. Die nächtlichen Touren waren nicht ungefährlich für die Pflegerinnen. Einige stöberten die Panzerknacker bei Rundgängen auf. Eine Schwester in Bad Hönningen griff sogar zu einer Schwere und bedrohte einen der Einbrecher. Die Begegnung ging für die wehrhafte Pflegerin glimpflich aus.

Der Prozess geht am 3. Juni weiter.

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