Packender Blick hinter die Türen des Terrors im „deutschen Herbst”

Von: Dirk Müller
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Holger Vanicek, alias Sebastia
Holger Vanicek, alias Sebastian Ybbs, liest am 18. Oktober aus seinem neuen Buch. Foto: D. Müller

Aachen. Dunkelheit, Enge und Stille umgeben ihn. Alfred erwacht in einem modifizierten Schrank. Der Industrielle ist Gefangener einer terroristischen Gruppierung, die „für eine bessere Welt” kämpft. In einer konspirativen Wohnung wird er von Martin, einem Handlanger der Gruppe, „verwahrt”.

Der Beginn der jüngsten Veröffentlichung von Sebastian Ybbs - Pseudonym des Stolberger Künstlers Holger Vanicek - erinnert an die Geschehnisse des „Deutschen Herbsts”, in dem der Terror die Bundesrepublik erschütterte.

„Bei allen politischen Diskussionen habe ich mich immer gefragt, was damals hinter den Türen geschehen ist. Wie haben die Beteiligten die Situationen ganz persönlich erlebt, wie haben sie gedacht und vor allem gefühlt?”, beschreibt Ybbs.

Und eben diesen Blick hinter die Türen gestattet der Schriftsteller den Lesern in seiner Fiktion „Der Mann im Schatten und der Motorradfahrer auf dem Eis”. Wie der Untertitel des Buches, „Anatomie einer Begegnung”, verspricht, seziert Ybbs das Aufeinandertreffen zweier Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Visionen. Jenseits der medienwirksamen terroristischen und politischen Inszenierungen entwickelt sich ein intensiver Austausch der Protagonisten über Macht und Moral, Abhängigkeit und Selbstbestimmung, Gesellschaft und Individuum.

Psychologisches Kammerspiel

Die Geiselnahme ist nicht der Ursprung eines Kriminalromans oder eines Thrillers - verläuft auf anderer Ebene aber ebenso spannend: Sie begründet ein psychologisches Kammerspiel, das analytisch und emotional zugleich ist, den Leser über 174 Seiten zu fesseln vermag.

Sein neues Werk wird Ybbs am 18. Oktober, dem Jahrestag der Befreiung der „Landshut”, der Selbstmorde der Terroristen Baader, Ensslin und Raspe und der Ermordung von Hanns-Martin Schleyer, vorstellen.

„Was vor 35 Jahren geschah, ist aber nicht nur immer noch, sondern auch im Spiegel derzeitiger politischer Ereignisse gesellschaftlich brisant”, sagt Ybbs. Er verweist auf den Terror durch fundamentalistische Islamisten ebenso wie auf die Wut, die gläubige Menschen angesichts entwürdigender Karikaturen oder Schmähvideos empfinden. „Auch heute erleben wir, wie die private Wut einzelner zu der ausgelebten Wut einer Bewegung werden kann.”

Aus seinem aktuellen Roman „Der Mann im Schatten und der Motorradfahrer auf dem Eis” (Schardt-Verlag, ISBN 978-3898416436) liest Sebastian Ybbs (Holger Vanicek) am Donnerstag, 18. Oktober, um 19 Uhr in der Citykirche Aachen, ökumenische Kirche St. Nikolaus, Großköln­straße. Die Lesung wird durch Kompositionen des Gitarristen Sebastian Dreher begleitet, und im Anschluss erfolgt ein von Caren Braun moderiertes Gespräch über Ethik und Terrorismus unter der Überschrift „Recht auf Wut”. Der Eintritt ist frei.

Außerdem von Sebastian Ybbs erschienen sind „Der Niedergang des Rod U” (novum-Verlag, ISBN 978-3850224307) und „Ein Außerirdischer in der Wallonie (Schardt-Verlag, ISBN 978-3898415552).

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