Aachen - Ouvertüre zum Streichkonzert im Theater-Etat?

Ouvertüre zum Streichkonzert im Theater-Etat?

Von: Matthias Hinrichs
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Teuflischer Kostendruck: Das Theater - hier eine Szene aus der aktuellen Oper „Faust” - kann die finanziellen Vorgaben einmal mehr nicht einhalten. Und muss sich daher erneut der Gretchenfrage stellen: Wie hälst du´s mit den Finanzen? Die Kämmerin akzeptiert den jüngsten Wirtschaftsplan nicht, weil er ein Defizit von 411.000 Euro aufweist. Bis zur August-Sitzung des Rates soll das Konzept überarbeitet werden. Foto: Wil van Iersel

Aachen. „Krise? Welche Krise?” In eigener Sache lässt sich die Frage, die das Theater Aachen mit seinem nächsten Spielzeit-Motto aufwirft, quasi mit einer klassischen Gegen- und Gretchenfrage beantworten: Wie hältst du´s mit den Finanzen?

Nach wie vor nämlich ist das Paket namens Wirtschaftsplan 2008/09 nicht vollends geschnürt. Die Kämmerei hat, wie berichtet, ihre Unterschrift unter die aktuelle Budget-Bilanz des städtischen Eigenbetriebs bislang schlicht verweigert - und das Theater aufgefordert, den Kostenrahmen einzuhalten.

Das pekuniäre Drama ist schnell geschildert: Eine runde Million Euro Defizit hat der Kunsthort allein in der Spielzeit 2007/08 eingefahren - trotz eines städtischen Zuschusses von rund 15,3 Millionen. Letzte Rücklagen, ein „Erbe” der Ära Ottenthal, sind inzwischen aufgebraucht.

411.000 Euro Minus vorkalkuliert

Mithin belief sich das Minus in der jetzt zuende gehenden Saison auf nochmals rund 825.000 Euro. Und in die Prognose für die kommende Spielzeit schreibt der Rotstift des Verwaltungsdirektors bereits ein Defizit von 411.000 Euro.

Kein Wunder, dass der Chor der Kritiker sich erneut zu formieren beginnt. Tenor: Angesichts weiterhin katastrophal klammer Kassen muss der Intendant - dem ansonst allseits sehr gute Arbeit bescheinigt wird - den berühmten Gürtel halt enger schnallen.

Grundsatzdebatte befürchtet

Fragt sich eben nur, wie. Darüber haben die Ratsfraktionen im Betriebsausschuss des Theaters am Donnerstagabend hinter verschlossener Tür beraten. Denn das Thema ist denkbar heikel: „Wir wollen auf keinen Fall eine neue Grundsatzdiskussion über die Existenzberechtigung des Hauses führen”, unterstreicht zum Beispiel Grünen-Ratsherr Hermann Josef Pilgram.

Der Mann steht in gewissem Sinne als Verkörperung des klassisch-tragischen Dilemmas auf der politischen Bühne. Als Kulturexperte seiner Fraktion weiß er die Verdienste des Ensembles in künstlerischer Hinsicht durchaus zu würdigen.

Als Vorsitzender des Finanzausschusses im Rat hebt er hervor, dass das Haus in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen zur baulichen Sanierung aus eigener Kraft gestemmt hat - eine Aufgabe, die eigentlich die städtische „Mutter” hätte erfüllen müssen.

Als Finanzpolitiker muss Pilgram aber auch sehen, wie er die Enden in Sachen Gesamthaushalt zusammenhält. Doch der Konsolidierungsbeitrag des Theaters zur Rettung der kommunalen Handlungsfähigkeit wurde zuletzt bei weitem nicht erbracht. Statt der geforderten 670.000 Euro konnten lediglich 259.000 Euro mobilisiert werden (wir berichteten).

Kommt hinzu, dass die Politiker in Sachen Wirtschaftsplan mehr Transparenz fordern: Viele Aufwendungen - insbesondere beim Personal - seien derzeit schlicht nicht genau nachvollziehbar, konstatiert ein Insider. Der sagt aber auch, dass sich der Kostenknoten bis zur nächsten Ratssitzung am 19. August durchschlagen lasse: Im Vorfeld soll der Betriebsausschuss das prekäre Paket in einer Sondersitzung endgültig schnüren. Bis dahin muss die Verwaltung freilich ein tragbares Kostenkorsett stricken.
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