Aachen - Ostfriedhof: „Menschen haben Angst“

Ostfriedhof: „Menschen haben Angst“

Von: Robert Esser
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Geschlossen: Wegen seiner „kritischen Lage“ sperrt die Stadt abends den Ostfriedhof ab. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit großem Entsetzen verfolgen Anwohner seit Monaten immer häufiger „beschämende Szenen“ auf dem Aachener Ostfriedhof. Weil sich das Drogenmilieu mittlerweile – auch verdrängt durch die Baustelle „Aquis Plaza“ – vom Kaiserplatz entlang des Adalbertsteinwegs bis zur Josefskirche verteilt, beklagen Bürger und Geschäftsleute Prostitution, Drogenmissbrauch und -handel sogar zwischen den historischen Grabstätten auf dem ältesten (noch „aktiven“) Friedhof der Stadt.

Der 125.000 Quadratmeter große Ostfriedhof zwischen Adalbertsteinweg, Peliserker- und Eifelstraße feiert am kommenden Mittwoch, 28. August, seinen 210. Geburtstag.

„Es ist schrecklich: Erst wurde geklaut, zerstört und randaliert – mittlerweile treffen sich sogar tagsüber dubiose Pärchen zu eindeutigen sexuellen Handlungen zwischen Grabsteinen und Gebüschen“, schildert Elisabeth Schumacher. Seit 30 Jahren wohnt sie mit ihrer Familie direkt neben dem Friedhofsportal gegenüber der Josefskirche. „Was man hier zwangsläufig beobachten muss, möchte ich nicht in Worte fassen – es ist ekelhaft“, sagt sie.

In ihrem Garten, der unmittelbar an den Friedhof grenzt, findet sie regelmäßig Spritzen, Flaschen und Kondome. „Die Randbereiche meines Gartens kann ich gar nicht mehr benutzen“, erklärt sie. Mehrfach habe sie die Stadt gebeten, den inzwischen arg in Mitleidenschaft gezogenen Maschendrahtzaun zu erneuern – ohne Erfolg. Was sie am meisten aufregt: „Jeder, der hier wohnt, sieht täglich, aus welchen Nachbarhäusern ohne irgendeine Scham Drogen verkauft werden. Es sind immer die gleichen Gesichter – aber die Polizei schreitet nicht ein. Das alles ist doch offensichtlich!“

Auf Anfrage der Aachener Zeitung bestätigt Polizeisprecherin Sandra Schmitz, dass sich die Drogenszene mit all ihren negativen Begleiterscheinungen – wie Beschaffungskriminalität und -Prostitution – Richtung Ostviertel verlagert habe. „Hier hat ein Verdrängungsprozess eingesetzt, dem wir durch gezielte Bestreifung der entsprechenden Problembereiche Rechnung tragen“, sagt sie. Allerdings: In den vergangenen Wochen seien nur eine Handvoll Anrufe aktenkundig geworden, bei denen es um Beschwerden auf dem Ostfriedhof ging – meist wegen Randalierern. „Man kann nicht von einer Häufung sprechen. Wir bitten deswegen alle Bürger, uns ihre Beobachtungen zu schildern und  ausnahmslos die Polizei zu alarmieren“, erklärt Schmitz.

Die Stadt sieht kaum Handlungsbedarf: Weder benachbarte Bestattungsunternehmen noch das Ordnungsamt verzeichneten Beschwerden, teilt Axel Costard vom Presseamt mit. In „gezielten Aktionen“ patrouillierten Ordnungskräfte zwischen den Gräbern. „Dabei werden gelegentlich Drogenabhängige angetroffen, aber diese Aktionen entfalten auch abschreckende Wirkung“, erklärt Costard.  Er räumt ein: „Lediglich vor ein paar Wochen hat ein Mitarbeiter des Stadtbetriebs ein Paar beim ,Vollzug‘ ertappt. Ein Einzelfall, aber während der Dienstzeit.“

Claire Noteborn, deren Familie in der Nachbarschaft seit 80 Jahren eine Friedhofsgärtnerei führt, zeichnet ein anderes Bild: „Die Lage hier hat sich extrem verschlimmert. Meine Mitarbeiterinnen berichten regelmäßig von ekelhaften Vorfällen. Furchtbar! Viele ältere Leute trauen sich nicht mehr auf den Ostfriedhof. Die Menschen haben Angst, ihre verstorbenen Angehörigen zu besuchen“, sagt sie.

Nach „ständigem Vanadalismus“ wurden die Toilettenanlagen des Friedhofs bereits geschlossen. Und: Der Ostfriedhof ist der einzige von über 30 Friedhöfen der Stadt, dessen Tore abends um 19 Uhr zu- und morgens um 7 Uhr aufgesperrt werden. Auch das finden Bürger beschämend.

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