Os Oche schunkelt die Schneeflocken weg

Von: Daniel Gerhards, Thorsten Karbach und Oliver Schmetz
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Von wegen graue Wolken: Sozusagen den blauen Himmel auf Erden bringen diese Möhnen auf den Aachener Markt. Dort werden deutlich weniger Besucher gezählt, was der guten Stimmung dieser fünf Damen aber keinen Abbruch tut. Foto: Michael Jaspers/Andreas Steindl
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Sonnige Gemüter im fieskalten Februar: Sarah Siemons und Uwe Brandt führen auf dem Münsterplatz durch das Programm der Tropigarde. Foto: Seite 15

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Stammgast auf der Burtscheider Bühne: Kurt Joußen zog als Lennet Kann durch Aachen bis vor das Jonastor – mit der beliebten Melodie im Gepäck. Foto: Seite 15

Aachen. Hätten die Öcher doch nur auf ihre Spritzemänner gehört! Schließlich haben die in weiser Voraussicht in ihrem Straßenkarnevalsmotto einen dezenten Kostümhinweis versteckt: „E Botsched danzt dr Bär.“ Und nicht wenige der Jecken, die sich ab 11.11 Uhr am Jonastor warmschunkeln, dürften sich wohl so ein Fellkostüm wünschen, in dem man nicht bibbert, zittert oder schnattert, sondern allenfalls wohlig brummt.

Dass es in Burtscheid anfangs nicht so brummt wie in sonnigeren Sessionen, liegt aber nicht nur an den fehlenden Bären, sondern am (Sau-)Wetter, dass den Wivern die Weiberfastnacht im Wortsinne verhageln will. Dass Spritzemänner-Präsident Axel Wichterich die Jecken auffordert, näher zusammenzurücken, kommt am Jonastor sonst nicht vor – weil dafür kein Platz ist. Doch je länger die Niederschlagspausen, desto mehr schließen sich die Lücken – zumal unter anderem Nachwuchssänger Nicolas Meessen, De Originale und De Spetzbouve die Stimmung anheizen. Am Ende schunkeln laut Polizei 1000 Närrinnen und Narren. Und unter ihnen tanzt auch der Bär. Es ist sogar ein Eisbär, oder noch genauer – wie man auf seinem weißen Zottelkostüm nachlesen kann – ein „Liebhabär“.

Auf dem Aachener Markt legen die Öcher Jecken so richtig los, als Prinz Thomas II. auf die Bühne der Oecher Penn kommt. Pünktlich um 11.11 Uhr übernimmt er das Kommando. Immer noch gesundheitlich angeschlagen, aber trotzdem mit viel Elan trällert Seine Tollität ein paar Lieder für sein närrisches Volk. „Das ist ein richtig schönes Gefühl hier zu stehen. Jetzt beginnt der Straßenkarneval. Man merkt, die Leute haben Lust auf Karneval“, sagt Prinz Thomas.

Bemerkenswert ist, dass im Vergleich zu vergangenen Jahren recht wenige Besucher auf den Markt kamen. Penn-Kommandant Jürgen Brammertz meint: „Es hätten ein paar Leute mehr hier sein können.“ Die Penn sprach trotzdem von 1100 Besuchern. Die Polizei dagegen nur von 300. Und weite Teile des Marktes bleiben menschenleer.

Ob es am Wetter, den Einlasskontrollen oder an sonstwas lag? Um auf den Markt zu kommen, muss jeder Jeck jedenfalls zunächst durch eine Sicherheitsschleuse. Und dort ist klar: Schnaps und Glas müssen draußen bleiben. Der Sicherheitsdienst wirft einen Blick in jede Tasche. Und die Jecken füllten ihr restliches Bier aus der mitgebrachten Flasche bereitwillig in Plastikbecher um. Das ist nicht neu, die meisten kennen das Prozedere. An den Kontrollstellen gibt es dementsprechend kaum Gemotze.

Auch wegen solcher Maßnahmen wurde weitgehend vernünftig gefeiert. „Die Leute haben Spaß und sind friedlich“, sagt Brammertz. Übermäßig betrunken oder gar aggressiv war kaum jemand auf dem Markt. Ein Jecker hatte schon mittags zu viel Alkohol getrunken, holte sich bei einem Sturz eine Platzwunde und wollte sich nicht behandeln lassen. Da mussten die Einsatzkräfte des Ordnungsamts nachhelfen, um ihn in den Krankenwagen zu verfrachten. Solche Einsätze blieben aber die absolute Ausnahme. Also weiter im Text.

Alle Jahre wieder zieht auch die Tropigarde mit Sack und Pack, Kind und Kegel, Josef, Jupp und Jüppchen aus dem Josefshaus den Adalbertsteinweg hinunter bis zum Münsterplatz. Was einst klein und charmant in der Rotunde des Elisenbrunnens begründet wurde, geht nun groß und charmant vor dem Dom über die Bühne – die mit der Zahl der Tropigarde-Fröönde op der Mönsterplai auch um einige Quadratmeter gewachsen ist. „Wir wollen den Öcher Fastelovvend auf die Straße bringen – das ist das, was wir können“, sagt Tropi-Generälin Sarah Siemons.

Dann geht es – traditionell später als auf allen anderen Öcher Bühnen – los mit Öcher Fastelovvend Marke Tropigarde. Da sind de Jonge us et Leäve, die Tanzgruppe „7up“ – allesamt Gardisten, die für handgemachten oder besser selbstgesungenen und selbstgetanzten Karneval gerade stehen. Und genauso wie ihr Publikum wissen sie, wie sie (sich) richtig einheizen und wo im Kleiderschrank die langen Unterhosen liegen. Die spontane Handhochkontrolle der beiden Moderatoren Siemons und Uwe Brandt, Amigo und Ex-General, nach einem Besuch des Lichtenbuscher Dreigestirns ergibt nämlich ein deutliches Bild: Weit mehr als die Hälfte der grob geschätzt 400 Jecken weiß, dass warme Gedanken und heiße Sambaklänge op en Rues nicht ausreichen, wenn Petrus, die Spaßbremse, et Sönnchen als Schneeregenwolke verkleidet. 

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