Ordnungsamt ächzt unter Fülle von Aufgaben und Einsätzen

Von: Stephan Mohne
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Von der Großveranstaltung bis zur Evakuierung: Der Außendienst des Ordnungsamts hat eine Fülle von Aufgaben. Zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt ist mehr Präsenz gefragt. Nicht geplante Dinge wie jüngst der Bombenfund auf der Hörn kommen obendrauf. Foto: Michael Jaspers
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Hohe Belastung der Mitarbeiter: Detlev Fröhlke beantragt jetzt sechs neue Stellen für das Ordnungsamt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Schon wenn man über das Thema spricht, atmet Detlev Fröhlke zwischendurch kräftig durch. Seine Teams draußen auf der Straße und auch die Koordinatoren kommen hingegen kaum Mal zum Verschnaufen. Denn das Ordnungsamt ächzt unter einer immer größer werdenden Vielzahl von Aufgaben und Einsätzen.

„Das ist kaum noch und manchmal gar nicht mehr zu bewältigen“, stellt Fröhlke als Leiter des städtischen Fachbereichs Sicherheit und Ordnung nüchtern fest. Fröhlke hat deshalb jetzt sechs neue Stellen beantragt.

Vier für die Außenteams und zwei für die Koordinationsstelle. Alleine dort in der Leitungsebene schieben die Mitarbeiter 1200 Überstunden vor sich her. An gerade einmal zwei Tagen im Jahr – am 1. Weihnachtstag und an einem „beweglichen“ Tag – haben die Mitarbeiter des Ordnungsamtes grundsätzlich frei. An allen anderen 363 Tagen sind sie im Schichtdienst im Einsatz – an Wochenenden bis zum frühen Morgen.

Drei Mitarbeiter gegangen

Fröhlke spricht von einem „geänderten Freizeitverhalten“, das zu mehr Einsätzen führe. Und von „abnehmender Toleranz und Rücksichtnahme“. Je nach Tag sind zwei bis drei Ordnunsgsamtsgruppen – derzeit hat der Ordnungs- und Sicherheitsdienst 24 Mitarbeiter – draußen unterwegs. Sie kümmern sich um Lärmbelästigung durch Partys und Gegröle auf der Straße, um wildes Grillen im Park, um Beschwerden über Hundehalter, um den Jugendschutz, um den Nichtraucherschutz, um „Wildpinkler“, Müllsünder, Geruchsbelästigung aus Wohnungen und, und, und.

Sie kümmern sich morgens, mittags, abends, nachts. An Wochenenden kommen bis zu 60 Einsätze über die permanent erreichbare Einsatznummer 432-2801 herein – von Norden bis Süden, Westen bis Osten und natürlich in der City. Dazu kommen etliche Großveranstaltungen und -einsätze wie aktuell der Weihnachtsmarkt, der CHIO, die Mainacht, Karneval, Halloween, September Special, „Ersti-Rallye“, Alemannia-Heimspiele, um nur einige zu nennen.

Und natürlich die „Dauerbrenner“ wie Kaiserplatz oder Bahnhofsplatz. Ganz davon abgesehen, dass es immer häufiger nicht nur verbale, sondern auch körperliche Übergriffe auf die Mitarbeiter gibt – weswegen es jetzt sogar Selbstverteidigungsschulungen gibt. Das alles zusammen geht an die Substanz.

Drei Mitarbeiter haben den Dienst im Ordnungsamt dieses Jahr quittiert. „Wenn man diese Belastung bis zur letzten Dienstminute und diese Arbeitszeiten mehrere Jahre hat, möchte man irgendwann vielleicht auch mal etwas anderes machen“, hat der Fachbereichsleiter dafür Verständnis.

Die so entstandene Lücke gilt es nun erst einmal zu füllen, bevor man sich um die neuen Stellen kümmert. So die Politik diesen nächste Woche im Personalausschuss zustimmt. CDU und SPD beraten heute darüber. Geeignetes Personal zu finden ist zu allem Überfluss auch noch schwierig.

„Wir stellen da auch hohe Ansprüche“, sagt Fröhlke. Und von denen wolle man nicht herunter: „Wir haben schließlich einen guten Ruf zu verlieren.“ Die Leute sollen die Fähigkeit zur Deeskalation – laut Fröhlke immer die oberste Prämisse – ebenso haben wie zur Kommunikation.

„Wir stehen da auch in Konkurrenz zu Polizei, Bundespolizei, Sicherheitsdiensten und so weiter.“ Da könne es eine Weile dauern, bis alle Stellen besetzt sind. So lange ist dann die Belastung für die anderen noch höher. Oder es ist weniger Personal unterwegs, was etwa zu längeren Wartezeiten für Anrufer und bisweilen dann eben auch zu Unmut führt.

Die Zahl der Einsätze hat indes nicht nur angezogen, seitdem besagte Hotline geschaltet ist, sondern auch, weil sich die Polizei aus bestimmten Bereichen zurückgezogen hat und erstmal aufs Ordnungsamt verweist. Insbesondere bei den Ruhestörungen ist das so.

Eine Arbeitsgruppe von Polizeipräsidenten hat vor wenigen Jahren auch schon den Plan geäußert, noch mehr Aufgaben abzugeben. Detlev Fröhlke sagt aber klipp und klar, dass das auf keinen Fall geht: „Es kann nicht sein, dass sich das Land auf Kosten der Kommunen hübsch macht. Dann muss auch dafür bezahlt werden.“ Und wenn, wie es das in anderen Städten gibt, das Ordnungsamt um 17 Uhr Feierabend mache, müsse die Polizei sowieso ran.

Konsequent kassieren

Apropos Geld: Konsequent sprechen die Mitarbeiter mittlerweile Verwarnungsgelder aus. Rücken sie etwa bei einer Ruhestörung an, werden 55 Euro fällig. „Früher haben wir eher mal ‚Du, Du, Du!‘ gemacht“, so Fröhlke. Das gilt auch bei anderen Verstößen. 150.000 Euro kommen so im Jahr zusammen – 2009 waren es zum Vergleich gerade einmal 4800 Euro. Immerhin kann man damit zumindest einen Teil der Kosten für neues Personal auffangen. Zuletzt gab es 2012 vier neue Stellen.

Die jetzt beantragten neuen Stellen, so Fröhlke, seien „dringendst nötig“. Und auch wenn er „keine Armeen von Ordnungsamtsmitarbeitern durch die Straßen laufen lassen“ will, könnte selbst das nicht reichen. Das sagt Detlev Fröhlke zwar nicht. Aber er atmet einmal tief durch.

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