Oralsex mit Gewalt erzwungen oder „nur“ gekauft?

Von: Wolfgang Schumacher
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Der mutmaßliche Täter musste von der Polizei zum Verhandlungstermin gebracht werden. Symbolfoto: dpa

Aachen. Kubilay S. (26) rutschte hin und her auf der Anklagebank. Er hätte eigentlich gar nicht da sein wollen dort vor der 3. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht. Die Polizei musste sogar in seiner Wohnung anrücken, ihn abholen und vor dem Richter abliefern. S. wollte die Tat vom April 2011 verdrängen, es ist ihm sichtlich peinlich zu reden.

Es steht für den jungen Mann viel auf dem Spiel, wie ihm der Vorsitzende Richter Markus Vogt immer wieder deutlich vor Augen führt.

Im Jahr 2011 habe S. laut der Anklage nachts zwischen 5 und 6 Uhr morgens eine Person an der Heinrichsallee aufgegabelt, sie in sein Auto einsteigen lassen, sei dann mit seinem Opfer zum einsamen Soerser Weg gefahren, um Sex zu haben. Im Auto habe sich die Frau als Transvestit entpuppt.

Da sei er gewalttätig geworden, habe ihr „eine bis zwei Ohrfeigen“ verpasst und sie zum Oralsex gezwungen. Das ist jedenfalls die Version der 50-jährigen Tamara W., die am Mittwoch beschrieb, wie brutal S. vorgegangen sei. Sie sei ziellos an der Heinrichsallee nachts vorbeigekommen, als ein Auto hielt.

Das Fenster sei heruntergekurbelt worden und der Fahrer habe sie angesprochen. Sie habe mit dem Mann „einen Kaffee trinken“ wollen. Wo denn so früh, wollte Vogt wissen. Der Richter hatte Tamara W. zu Beginn ausführlich belehrt und vor Falschaussagen gewarnt.

Die Zeugin blieb dabei, sie habe nur Kaffee gewollt. „Als er merkte, dass ich noch keine Umwandlung hatte, wurde er sauer, riss mich aus dem Auto“, schilderte sie. Dort außerhalb habe er sie zum Oralsex gezwungen.

Für den Angeklagten ist das völlig verdreht. Er habe die Frau in der Promenadenstraße, die als nächtlicher Drogenstrich bekannt ist, angetroffen und angesprochen. Sie sei bereit gewesen, für 20 Euro Sexdienste zu leisten. Dann sei man hinaus in die Soers gefahren.

Dort habe er tatsächlich gemerkt, dass die Frau „anders“ war. Sie solle ihn dann eben anders befriedigen, habe er gefordert. Es stimme aber, er habe ihr tatsächlich eine Ohrfeige verpasst, dann habe Sie das Geforderte gemacht.

Zwei Versionen eines Vorgangs also, der mehr als vier Jahre zurückliegt. Dem Angeklagten, der, wie er sagte, früher viel Alkohol trank, jetzt aber weitgehend clean sei, könnten einige Jahre Haft wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung drohen. Der Prozess wird am 23. Oktober fortgesetzt.

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