Online-Initiative kämpft gegen das Club- und Kneipensterben

Von: Stefan Herrmann
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Einsatz für die Aachener Club- und Kneipenszene: Kristof Mittelstädt. Foto: Michael Jaspers
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Einsatz für die Aachener Club- und Kneipenszene: Kristof Mittenstädt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Hiobsbotschaften der letzten Monate haben mächtig für Unruhe gesorgt. Dabei ist es gerade das Gegenteil, das viele Aachener Party-, Musik und Szenefreunde befürchten: ein Übermaß an Ruhe. Nachrichten von Läden, die bereits geschlossen haben oder in Kürze das Licht ausmachen müssen, gab es in der Vergangenheit genügend.

Der Jakobshof schließt Mitte des Jahres seine Pforten an der Stromgasse. Die Betreiber suchen derzeit eine neue Location. Der traditionsreiche Malteserkeller hat bereits seit 2012 geschlossen. Für den alternativen Club Aoxomoxoa ist ebenfalls im Sommer 2014 Schluss. In der Szene herrscht Katerstimmung. Daher hat sich vor kurzem eine Initiative gegründet, die für den Erhalt des freien Aachener Kulturbetriebs kämpft – mit überwältigender Resonanz.

„Macht mal Lärm in dieser Stadt“ heißt die Aktion, die der kulturinteressierte Aachener Kristof Mittelstädt ins Leben gerufen hat. Das Ziel: Mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen soll auf die schwierige Lage der Club- und Kneipenszene aufmerksam gemacht werden. Wirte, Veranstalter, Künstler, Bands und Freunde der freien Kulturszene vernetzen sich dafür über das soziale Netzwerk Facebook und eine eigens erstellte Website.

Gipfeln soll das Ganze in einer großen Demonstration einen Tag vor den Kommunalwahlen am 24. Mai in der Aachener Innenstadt. „Unsere politische Führung muss nach allen Bemühungen auf Seiten der Schaffenden und nach all den Schließungen auch Alternativen anbieten, sonst herrscht in Aachen bald wirklich Totenstille“, heißt es auf der Facebook-Seite. Die Angst, dass die Club- und Kneipenszene immer mehr aufs Abstellgleis gerät, ist groß. Weit über 15.000 Menschen hat Mittelstädt online inzwischen erreicht. Mehr als 2300 haben ihre Teilnahme an der Demo zugesagt.

Die Gründe, warum Clubs, Kneipen und Veranstaltungsstätten wie zum Beispiel auch das „Stairs“ an der Theaterstraße und das „Fiftyfive“ an der Peterstraße in den vergangenen Jahren schließen mussten, sind vielfältig. In einem Fall wurde die Immobilie verkauft (Jakobshof), in einem anderen plant der Eigentümer einen Neubau (Aoxomoxoa). Ein Problem, mit dem aber beinahe alle Betriebe zu kämpfen haben, ist das Thema Lärmbelästigung. Kritik gab es in diesem Zusammenhang immer wieder auch am oft als sehr streng empfundenen Kontrollverhalten des Ordnungsamtes.

Für SPD-Ratsherr Michael Servos ist die Club- und Kneipenvielfalt ein eminent wichtiger Standortfaktor. „Sowohl die Stadt als auch die RWTH Aachen im Rahmen ihrer Exzellenzinitiative werben damit“, sagt er. Das Thema ist längst in der Politik angekommen, soll bei den Sozialdemokraten auch im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen. „Das breit gefächerte Angebot ist bedroht“, stellt Servos besorgt fest. Das habe im Einzelfall ganz unterschiedliche Gründe, doch der allgemeine Trend spreche Bände. Als es im November Wirbel um die Kultkneipe „Last Exit“ im Rosviertel wegen Lärmbelästigung gab, nahm die SPD dies zum Anlass, einen Antrag an die Stadt zu stellen.

Man möchte von der Verwaltung wissen, mit welchen Mitteln die Clubvielfalt in der Stadt Aachen langfristig gesichert werden soll. Auch die Aachener Piratenpartei hat einen Antrag zur Entwicklung der Nacht- und Szenekultur gestellt. Das Thema kommt beim nächsten Betriebsausschuss Kultur Ende Januar auf den Tisch.

Kristof Mittelstädt legt den Fokus auf Aktionen in Clubs, Kneipen und auf der Straße. „‚Macht mal Lärm in dieser Stadt‘ ist keine politische Veranstaltung“, betont er. Der 28-Jährige gebürtige Aachener möchte das Thema langfristig beackern. „Wir hören am Wahltag nicht auf“, verspricht er.

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