Olympia-Sieger Matthias Steiner kommt nach Aachen

Von: Sabine Rother
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Kommt am 8. März nach Aachen: Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben (hier zu Gast in der ARD Talkshow „Hart aber Fair“ am 20. Januar dieses Jahres) Foto: dpa
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Seite an Seite: Seit 2010 ist Matthias Steiner mit der Fernsehmoderatorin und Nachrichtensprecherin Inge Posmyk verheiratet. Sie sind Eltern von zwei Söhnen. Foto: stock/Future Imgae
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Kraftpaket: Am 19. August 2008 feiert Matthias Steiner bei den Olympischen Spielen in Peking seinen größten Triumph, als er die komplette Konkurrenz distanziert und Olympisieger wird. Foto: sport/Galuschka

Aachen. 2008 hat er für Deutschland Olympisches Gold in Peking gewonnen, 2010 wurde er Weltmeister im Stoßen, 2012 hätte ihn eine 200 Kilogramm schwere Langhantel in London beinahe erschlagen – 2013 dann die Entscheidung.

Der Weltklasse-Gewichtheber Matthias Steiner – Jahrgang 1982, geborener Österreicher, seit 2008 mit deutschem Pass – beendete seine Karriere als Leistungssportler - und gründete zusammen mit Ehefrau, Moderatorin und Journalistin Inge Steiner eine Firma: „Steinertainment” steht unter anderem für Coaching, Motivation und für einen engagierten Umgang mit einer Erkrankung, die Steiner nicht vom Erfolg im Sport abhalten konnte: Seit dem 18. Lebensjahr ist er Typ-I-Diabetiker.

Inzwischen kann er sich mehr Zeit für seine Familie mit den beiden Söhnen Felix (fast vier Jahre) und Max (ein Jahr) nehmen – und für spezielle Informationsveranstaltungen: „Sport+Diabetes“ lautet das Motto am kommenden Samstag, 8. März, 9.30 Uhr, im Forum M der Mayerschen Buchhandlung (Aachen, Buchkremerstraße, Eintritt frei). Hier ist Steiner Stargast einer Veranstaltung rund um den „Zucker”. Sein Ziel: Mut machen und persönliche Erfahrungen weitergeben. Wir sprachen im Vorfeld mit Matthias Steiner:

In Ihrer Zeit als Leistungssportler haben Sie mit der intensivierten konventionellen Insulintherapie gearbeitet, da Ihr Tagesrhythmus und der jeweilige Energiebedarf unterschiedlich waren. Wie versorgen Sie den Körper zurzeit?

Steiner: Seit vier Wochen habe ich eine Insulinpumpe, das ist wirklich sehr angenehm. Ich fühle mich super, ich habe aber auch einen guten Arzt. Manchmal verschätzt man sich am Tag noch, etwa beim Essen. Während des Leistungssports wollte ich das nicht, ich habe so viele unterschiedliche Meinungen gehört, besonders hinsichtlich der Umstellungsdauer, das konnte ich mir in der aktiven Phase zeitlich einfach nicht leisten, es war mir zu unsicher. Jetzt komme ich damit sehr gut klar.

Als Sie 18 Jahre alt waren, hat man den Typ-I-Diabetes bei Ihnen festgestellt, Ihre Bauchspeicheldrüse produzierte kein Insulin mehr. Gab es eine Ursache?

Steiner: Vermutlich war der Auslöser eine verschleppte Grippe, ich habe jede Menge Medikamente geschluckt, weiter auf dem Bau gearbeitet, trainiert, wenig geschlafen, den Körper belastet. Das war der Auslöser, die Ursache weiß man bei Typ 1 allerdings bis heute nicht.

Stress, Zeitdruck und Nervosität sind Faktoren, die im Sport, aber auch im jetzigen Alltag eine Rolle spielen. Wie gehen Sie damit um?

Steiner: Es gibt sicherlich Situationen, wo man stärker aufgeregt ist, das muss man einkalkulieren. Wenn man merkt, man ist unnatürlich nervös, die Hektik ist größer, kann man schon mal damit rechnen, dass der Zucker ansteigt. Man muss auf sich schauen, das müssen aber gesunde Menschen auch. Durch Überlastung kann es zum Beispiel zum Herzinfarkt kommen. Ein kleiner Vorteil solch einer Erkrankung: Ich prüfe laufend die Werte und weiß, im Gegensatz zu einem Gesunden, wie es um meinen Körper steht. Nachteil: Es gibt keinen freien Tag von Diabetes.

Gewichtheben ist eine Schnellkraftsportart, die Maximalkraft dominiert, der „Sprint“. Wie haben Sie das trotz Diabetes ausbalanciert?

Steiner: Ja, Maximalkraft ist die Grundvoraussetzung. Sie ist entscheidend im Spitzenbereich. In diesem Sport ist die Schnellkraftarbeit das A und O, da muss man Topwerte haben. Bei der Unterzuckerung setzten gewisse Körperfunktionen aus, weil der Körper sich nur noch auf das Wesentliche konzentriert, auf das Überleben. Bei zu hohem Zucker hat man das Gefühl, das Blut wird dicker, der Blutdruck steigt, man wird träge. Man muss auch aufpassen, wenn man Marathon läuft, jeder auf seine Art.

Im Kraftsport wird häufig mit der Zufuhr von Eiweiß gearbeitet, ist das für den Diabetiker ein Risiko?

Steiner: Es ist nicht gut, wenn er schlechte Werte und bereits Nierenprobleme hat. Sonst kann ein Diabetiker wie ich durchaus mit Eiweiß arbeiten, muss sich aber, wie jeder Gesunde, mit seinen Ernährungswerten beschäftigen und feststellen, wie viel Eiweiß er tatsächlich braucht. Eiweiß bedeutet ja nicht gleich Muskelaufbau. Wenn man viel trainiert, wächst in der Ruhephase der Muskel. Die Gabe sollte abgestimmt sein auf die Intensität des Trainings. Wie das beim Typ-II-Diabetiker ist, weiß ich natürlich nicht. Aufpassen muss man auf jeden Fall.

Die Beziehung zur Familie, zu den Menschen, die Ihnen nahe sind, hatte für Sie stets eine zentrale Bedeutung. Was möchten Sie ihren beiden kleinen Söhnen vorleben?

Steiner: Es wird immer schwieriger, Kinder zu erziehen, denn die Welt verändert sich wahnsinnig schnell. Manchmal weiß man ja gar nicht mehr, wo oben und unten ist. Wir versuchen mit den Kindern ausgeglichen zu leben, wobei die Ernährung spielerisch ausgewogen ist und wir uns nicht verbiegen. Sie sollen später ein gesundes Verhältnis zum Essen haben.

Kinder lieben Süßes. Wie gehen Sie damit um bei Ihrem größeren Sohn um. Ist Süßes verboten?

Steiner: Nein, natürlich nicht. Aber nicht wahllos, meist gibt es Süßes als Nachspeise, am besten im Zusammenhang mit dem anderen Essen. Ich weiß ja, was es bedeutet, wenn die Bauchspeicheldrüse nicht zur Ruhe kommt, dann wird die Fettverbrennung gestoppt. Wenn Kinder sich dauernd etwas in den Mund schieben, bekommt man das irgendwann nicht mehr weg. Wer schon als Kind zu viel Süßes isst, wird sein Leben lang mit dem Gewicht zu kämpfen haben. Wir setzen deshalb auf spielerischen Verzicht, auf Ablenkung zum Beispiel.

Und das funktioniert auch?

Steiner: Na ja, Felix kommt schon morgens um halb sieben in die Küche und hat Hunger, besonders auf Honigbrote. Aber zwei Löffel Honig enthalten die Tagesration Zucker für ein Kind in seinem Alter. Ich stelle also kommentarlos einen Teller mit einem Apfel, einer Birne und geschnittener Paprika auf den Tisch. Dann mache ich Frühstück - und der Teller ist bald fast leer. So ist Felix ohne Meckern mit einem Honigbrot zufrieden, denn er ist ja fast satt. Ich muss nichts verbieten. Fruchtjoghurt und Fruchtsäfte gibt es bei uns nicht, nur manchmal unterwegs, wenn andere Apfelschorle trinken.

Was wird Ihr Schwerpunkt bei der Veranstaltung in Aachen sein?

Steiner: Ich denke an eine Mischung aus meiner Motivationsarbeit, aber auch aus speziellen Informationen zum Umgang mit Sport und Diabetes.

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