Ohr-Operation endete in einem Desaster

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Zwei Ärzte der Uniklinik müssen sich wegen fahrlässiger und vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Aachener Amtsgericht verantworten. Der Fall liegt bereits fünf Jahre zurück, hat es aber in sich.

Denn eine Frau klagte im Jahr 2012 gegen ihre Operateure, weil sie sich durch sie falsch behandelt und körperlich entstellt sieht. Die heute 38-jährige Computerfachfrau aus Aachen hatte sich nach langem Nachdenken um eine Plastik für ihr beinahe nicht mehr vorhandenes linkes Ohr bemüht. Sie wandte sich an die Uniklinik und durchlebte dort in den Jahren 2009 und 2010 nach Aussagen ihres Anwalts Christoph Klein (Köln) ein Martyrium.

Am Ende von vier Operationen, die auch nach Einschätzung eines medizinischen Sachverständigen letztendlich missrieten, musste sie als Ergebnis zunächst mit einer unansehnlichen Ohrmuschelrekonstruktion leben. So wuchs die aus ihrem Rippenbogen gewonnene Knorpelmasse nicht richtig an die transplantierte Haut an, die Ohrmuschel musste nachgebessert werden.

Die Mediziner hatten die Haut von der Innenseite des Oberarms abgehobelt, eine großflächige Narbe von vier mal sechs Zentimetern entstand. Beim Versuch, jene Narbe auf ein kosmetisch vertretbares Niveau zu bringen, blieb eine massive Eindellung im Oberarms zurück.

Das Aussehen beschrieb sie Dienstag vor Amtsrichterin Jennifer Vath wie folgt: „Das ist keine Kleinigkeit. Das sieht noch heute aus wie eine ausgehöhlte Melone“, zeigte sie auf ihren Arm. Nach dem katastrophalen Ergebnis auch einer vierten OP im Juni 2010 – die dritte hatte der mitangeklagte Oberarzt durchgeführt – machte die Patientin kurzen Prozess. Sie brach die Operationsrallye in Aachen ab und wandte sich an eine renommierte HNO-Klinik in Lübeck – und bekam dort letztlich ein vernünftig aussehendes Ohrrekonstrukt.

In dem Verfahren geht es neben ärztlichen Kunstfehlern für Staatsanwalt Werner Froitzheim strafrechtlich ebenso darum, ob die Ärzte hinreichend über die Eventualitäten der Eingriffe aufgeklärt hatten. Nach Auffassung der Anklagebehörde hatten sie das nicht – und haben sich mutmaßlich der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Unschön auch: Ein Teil der OP-Dokumentationen sind verschwunden.

Bedauern des Klinikchefs

Denn natürlich gibt es auch im vorliegenden Fall einen Expertenstreit, ob die an der Aachener Uniklinik verfolgte Strategie medizinisch die richtige war. Lübeck beispielsweise zähle zu den Kliniken, so der medizinische Sachverständige Dr. Gregor Steffen (Köln), die wie Recklinghausen auf eine hohe Zahl von einschlägigen Operationen verweisen können. Das gelte für Aachen nicht.

Der Klinikchef richtete am Ende des Verhandlungstages persönlich das Wort an seine ehemalige Patientin: „Ich bedauere das und vor allem ihr Leid sehr.“ Ein Urteil wird am 24. August gesprochen.

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