OGS Aachen: Wie läuft das Tandem endlich rund?

Von: Jan Mönch
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Aachen. Beim Tandemfahren kommt es auf Zusammenarbeit an: Auf gleichzeitiges In-die-Pedale-treten, auf gleichzeitiges Bremsen und so weiter.

Wenn hingegen einer der Radler gerade zum Spurt ansetzt, während der andere den Reifen aufpumpt, sind die Erfolgsaussichten bescheiden.

Ein weit hergeholtes Beispiel, sicherlich, aber beim Tandemfahren haben die Grundschulen zunehmend Probleme. Jedenfalls dann, wenn von der Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Erziehern die Rede ist. Oder von der Kombination aus regulärem Schulbetrieb und Offenem Ganztag. Maria Keller, Leiterin der KGS Passstraße, bekam nun auf eigenen Wunsch hin zwei „Schulentwicklungsbegleiter” vom Bildungsbüro der Städteregion ins Haus geschickt.

Zwei Tage lang versuchten Wilhelm Beckers und Hans Kuhlmann, beide selbst ehemalige Rektoren, gemeinsam mit dem Kollegium herauszufinden, wie die Passstraße den Offenen Ganztag besser geregelt bekommt. „Damit haben im Moment alle Schulen Probleme, da sind wir überhaupt nichts Besonderes”, versichert Keller. Daher empfiehlt sie auch anderen Schulen, sich beraten zu lassen.

Der Weg von Beckers und Kuhlmann führt über Kommunikation: „Es geht um die Nutzung von Ressourcen. Wir arbeiten ressourcenorientiert, nicht defizitorientiert”, so Kuhlmann. Zu den Themenblöcken Erziehung, Unterricht, Professionalität und Schulklima berieten die beiden Fachmänner das Kollegium - 14 Lehrern und 14 Erziehern.

„Das bekommt die Öffentlichkeit gar nicht mit, wie viel Personal so eine Grundschule heute hat”, glaubt Keller. Die Zeiten, in denen eine Klasse überwiegend von einem einzelnen Lehrer betreut wurde, sind vorbei. Vielmehr beschäftigen sich laut Keller schon mit einer ersten Klassen fünf bis sechs Kollegen. Dass das Personal da ist, ist natürlich erfreulich. Die Koordination allerdings erledigt sich nicht von selbst und ist auch für eine erfahrene Schulleiterin wie Keller schwer zu bewältigen.

Dabei hatte der Offene Ganztag, als er 2005 eingeführt wurde, ganz harmlos angefangen: Die 50 Kinder, die es damals nachmittags zu betreuen galt, stellten kein Problem dar. Mittlerweile aber sind es 175. Und das wirkt sich in jeder Hinsicht auf Personal-, Raum- und Materialmanagement aus. Keller kann da massig Beispiele nennen: Die Schwierigkeiten fangen schon mit dem Putzplan an. Durch die ständige Belegung der Räume konnte dem mittags nicht mehr nachgekommen werden.

Andererseits aber gibt es einen strengen Hygieneplan. Dann wollen mittags 175 hungrige Kindermäuler gestopft werden. Und was Spielzeug angeht, „hat eine Erzieherin völlig andere Vorstellungen als eine Lehrerin”, sagt Keller - womit sie wiederum auf die nicht abschließend geklärte Kompetenzverteilung zwischen Schulleitung und OGS-Koordinatoren anspielt.

Wie ließe sich dem Thema denn vielleicht auf politischer Ebene begegnen? Keller, die für die SPD im Stadtrat sitzt, antwortet darauf mit nur zwei Worten: „Gebundener Ganztag” - also der verpflichtenden Ganztagsbetreuung für alle Kinder einer Schule.
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