„Offenes Aachen“ für mehr Demokratie: Großes Fest mit vielen Künstlern

Von: Laura Beemelmanns
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Sie alle stehen mit ihrem Namen und ihrer Stimme für ein „Offenes Aachen“ ein: Die drei Musiker Heribert Leuchter, Detlef Malinkewitz und Hessam Rassouli sowie Marita Jansen und Hans-Joachim Geupel (von links) von der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Unter dem Begriff Vielfalt kann sich jeder etwas vorstellen. Vielfalt gibt es beim Essen, beim Einkaufen, in der Musik. Vielfalt existiert aber genauso bei den Menschen. Sie haben unterschiedliche Charaktereigenschaften, sehen unterschiedlich aus und haben unterschiedliche Wurzeln.

Und weil diese Mannigfaltigkeit wichtig für eine bunte Kultur ist, setzt sich die Bürgerstiftung Lebensraum mit dem Projekt „Offenes Aachen“ für mehr Vielfalt, gelebte Demokratie und Menschenwürde in Aachen ein. Mit diversen Veranstaltungen und einer groß angelegten Unterschriftenaktion will die Stiftung erreichen, dass die bislang schweigende Mehrheit Farbe bekennt und sich für etwas einsetzt. Unter anderem für Vielfalt.

1700 Mal wurde die sogenannte Aachener Erklärung für Demokratie der Bürgerstiftung schon unterzeichnet, weitere Unterschriften sollen aber noch folgen. „Das ist bislang ein guter Erfolg“, sagt Hans-Joachim Geupel von der Bürgerstiftung. Denn täglich erreichen ihn mehr Postkarten mit dem Vordruck aus der Zeitung (am Donnerstag in der gedruckten Zeitungsausgabe), unterzeichnete Unterschriftenlisten und auch Online-Signaturen.

Fest Ende August

Dass es noch viele mehr werden, davon ist er überzeugt. „Die meisten Menschen sind für Demokratie, Vielfalt und Menschenwürde“, sagt Geupel. Sie müssten es nur kommunizieren und lauter werden. „Wir stellen uns unsere Gesellschaft nicht nur mit ursprünglich Deutschen vor, sondern auch mit Menschen, die aus anderen Ländern, anderen Kulturen kommen“, ergänzt er. In Aachen finde man viele vielfältige Menschen. Und das sei auch gut so. All diese will die Stiftung am Sonntag, 27. August, zusammenbringen.

Dann nämlich findet im Elisengarten die Veranstaltung „Gemeinsam Vielfalt feiern“ statt. Damit diese ein großer Erfolg wird, haben die Ehrenamtler der Bürgerstiftung Lebensraum ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Von etwa 14 bis 18 Uhr werden dort viele Künstler und Vertreter aus den Bereichen Kultur, Politik und Wirtschaft auftreten und sowohl Musikalisches als auch Textbeiträge darbieten. Mit dabei sind unter anderem die drei Musiker Hessam Rassouli, Detlef Malinkewitz und Heribert Leuchter.

Lange überredet werden mussten sie nicht. „Ich verspüre die maximale Verantwortlichkeit, etwas zurückzugeben und etwas zu erschaffen“, sagt Rassouli, der vielen Aachenern spätestens aufgrund seines Songs „Oche“ ein Begriff sein dürfte. Das Lied hat er erst kürzlich veröffentlicht und dazu ein Video mit vielen Aachener Gesichtern gedreht, das via Facebook zum Hit wurde. Mit im Video zu sehen war auch eine der Ringskulpturen des Künstlers Stefan Schmidt, die in verschiedenen Parks in Aachen zu sehen sind, unter anderem im Kennedypark.

Die Skulpturen hat er ebenfalls für das Projekt „Offenes Aachen“ erschaffen und sprach Rassouli einfach an, um ihn mit an Bord zu holen. Der Sänger war sofort einverstanden. „Viele Menschen haben Angst vor etwas, weil sie es nicht kennen. Dagegen kommt man nur an, wenn man ihnen zeigt, dass sie keine Angst haben müssen. Wir müssen offen damit umgehen und der Skepsis begegnen“, sagt er. Deshalb stellt er sich Ende August mit auf die Bühne, trägt seine Songs „Oche“ und „Freiheit“ vor, und will der Vielfalt somit eine Stimme und ein Gesicht geben.

Rassouli hat iranische Wurzeln, doch für ihn ist Aachen seine Heimat. „Heimat ist kein Wort, es ist ein Gefühl“, ergänzt er. Und weil er dieses starke Gefühl für Aachen hat, möchte er es weitergeben und mit ein Zeichen dafür setzen, dass die Gesellschaft in Aachen eine offene ist und bleibt. Eine, die vielfältig und demokratisch ist. Eine, in der kein Platz für Rassismus ist. „Wir haben die RWTH hier und leben so nah an den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden. Aachen ist eine vielfältige Stadt“, sagt er. Und das solle sich nicht ändern.

Nicht lange gefackelt

Auch Sänger Detlef Malinkewitz hat nicht lange gefackelt, als er von dem Projekt erfuhr. „Jeder Mensch ist einzigartig. Und wenn Individualität und Kreativität zusammenkommen, dann kann daraus etwas Neues entstehen“, sagt er. Er habe an der RWTH studiert und währenddessen viele Menschen aus vielen Ländern kennengelernt. „Das möchte ich nicht missen“, so Malinkewitz.

„Demokratie hat sich als die beste aller denkbaren Staatsformen bewährt. Sie macht Freiheit, Frieden und einen relativen Wohlstand für alle möglich. Aber das ist eben nicht selbstverständlich, also sollten wir alle etwas dafür tun“, sagt er. Auch er wird am 27. August auftreten und will somit ebenfalls ein Zeichen setzen und Teil von etwas Großem sein.

Und Heribert Leuchter sei ausnahmsweise nicht nur als Musiker von diesem Projekt begeistert, sondern auch als politisch interessierter Bürger. „Ich bin der Bürgerstiftung schon lange verbunden, aber dieses Projekt interessiert mich besonders“, sagt Leuchter. Denn in seinem Leben als Musiker lebe er Vielfalt schon längst. „In meinen Bands sind Musiker aus Belgien und den Niederlanden und vielen anderen Ländern. Kulturelle Vielfalt gehört zu meinem Leben einfach dazu“, so Leuchter weiter.

Dass das nicht immer und überall so sei, das wisse er. Die Gesellschaft sei im Wandel. Aber Leuchter sagt: „Das darf nicht an einer kleinen Minderheit, die laut blökt, festgemacht werden.“ Er sagt, man müsse die Mehrheitsmeinung auf den Weg bringen. Und dabei seien eben auch die Politiker gefragt.

Demokratie, Vielfalt und Menschenwürde seien geliebte Werte, an die man sich täglich erinnern müsse. „Wir sind davon überzeugt, dass eine Mehrheit in diesem Land für Vielfalt ist, aber die artikuliert es nicht“, sagt Leuchter. Das wollen sie nun vereint ändern.

Geteilte Meinungen

Denn Vielfalt leben, das tun sie längst. Ebenso Hans-Joachim ­Geupel und Marita Jansen von der Bürgerstiftung Lebensraum. „Aber nicht alle sind für Vielfalt in unserer Gesellschaft“, sagt Geupel. In den Gesprächen an den Stellwänden, die die Ehrenamtler Wochenende für Wochenende in der Stadt platzieren, hätten sie geteilte Meinungen erlebt. „Die Vielfalt ist für die einen zu viel, die anderen finden sie besonders gut“, sagt Jansen. Das sei ganz unterschiedlich.

Doch: „Die Einheit hinter der Vielfalt ist das Menschsein“, so Jansen weiter. Das eine alle. Und es sei wichtig, darauf immer wieder aufmerksam zu machen. Sie werde auch keineswegs müde, dies zu tun. Denn schon seit Wochen ist die Bürgerstiftung mit allen an dem Projekt beteiligten Helfern im Einsatz für ein „Offenes Aachen.“ Sie führen viele Gespräche, denn der Dialog sei das Wichtigste. Nur so könne man auf Missstände aufmerksam machen und nur so könne man Menschen von etwas überzeugen und sie gar dazu bringen, ihre Meinung zu ändern.

Und besser als mit einem großen Fest, an dem jeder teilnehmen kann, kann dieser Einsatz wohl auch nicht gefeiert werden. Aber die Stiftung will keineswegs alleine feiern, sondern mit den Menschen aus Aachen, der Städteregion, mit Niederländern, Belgiern und einfach allen, denen Vielfalt am Herzen liegt. So mündet die Arbeit der Ehrenamtler am letzten Wochenende im August in einem Fest mit mehr als 25 Programmpunkten, vielen Gästen und musikalischen Darbietungen sowie spannenden Aktionen.

Der Elisengarten wird dabei zur Schaustätte für Vielfalt in Aachen und über Aachens Grenzen hinaus. Die Musiker und Gesprächspartner kommen alle unentgeltlich und stehen hinter der „Aachener Erklärung für Demokratie, Menschenwürde und Vielfalt“. Sie treten auf und sagen ihre Meinung. Sie leben Vielfalt in Aachen.

Damit dieser Tag unvergesslich wird, hat sich die Bürgerstiftung natürlich noch etwas Besonderes einfallen lassen. „Wir möchten am Ende der Veranstaltung gerne alle zusammen, also alle Musiker, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur, und alle Gäste das Lied ,Imagine‘ von John Lennon singen“, sagt Jansen. Doch damit nicht genug: Es werden zudem 3000 bunte Luftballons in den Himmel steigen als Zeichen für Vielfalt. „Das wird viel Arbeit“, sagt Geupel. Aber es lohne sich – als symbolisches Zeichen für die Vielfalt in Aachen.

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