Offener Sonntag: Große Kaufhäuser kritisieren Ratsbeschluss

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Ungewöhnliche Entscheidungen provozieren ungewöhnliche Reaktionen: In einem regelrechten Brandbrief an die Politik warnen sechs große Aachener Einzelhändler gemeinsam vor den aus ihrer Sicht katastrophalen Folgen der jüngsten Ratsentscheidung gegen verkaufsoffene Sonntage.

Sie befürchten mit Blick auf die liberaleren Regelungen im benachbarten Ausland eine „Wettbewerbsverzerrung” und schwere „Image-Schäden” für das Oberzentrum Aachen sowie „massive Risiken” für ihre Geschäftsentwicklung - und damit nicht zuletzt auch für viele Arbeitsplätze. Unterzeichnet haben den Offenen Brief an die Ratsfraktionen die Leiterinnen und Leiter der Häuser Saturn, SinnLeffers, Lust for Life, Media Markt, Galeria Kaufhof und Appelrath&Cüpper, mitinitiiert hat den Protest Till Schüler von der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Holz- und Dahmengraben.

Dass solche Schwergewichte des Handels mit einer Stimme gegen einen politischen Beschluss zu Felde ziehen, hat es in Aachen wohl seit dem Streit um die „autofreie” beziehungsweise „fußgängerfreundliche” Innenstadt nicht mehr gegeben - und genau an diese Zeit erinnern auch die Brief-Autoren mit Blick auf mögliche und eventuell nur schwer zu reparierende Image-Schäden.

„Ist eine solche Entwicklung erneut von der Politik gewünscht?”, heißt es in dem Schreiben. Und: „Sollen solche Fehler wiederholt werden?” Die konzertierte Aktion der „Großen” und die deutliche Wortwahl unterstreichen für Till Schüler den Ernst der Situation: „Da hängen eine ganze Menge Arbeitsplätze dran, das kann echt existenziell werden.”

Dass sieht auch Jörg Kredler, Leiter des Einrichtungshauses „Porta”, so. Er hält den Beschluss für „verantwortungslos”. Der „Porta”-Chef weiß bei seinem Protest nach eigenen Angaben auch seine 140 Beschäftigten hinter sich, für die man immer einen „fairen Ausgleich” für die Arbeit an Sonntagen gefunden habe.

Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte- und Aktionskreises City (MAC), bekräftigt derweil, dass er die Aktion der Händler befürwortet und zurzeit diverse Gespräche über einen neuen Ratsantrag führe: „Wir wollen einen Kompromissvorschlag vorlegen.” Dass dieser weniger als die zuletzt abgeschmetterten 17 Termine für verkaufsoffene Sonntage in den Stadtteilen und der City auflisten wird, dürfte klar sein.

Und auch der umstrittene 2. Mai wird auf dieser Liste nicht auftauchen - „alleine schon aus zeitlichen Gründen”, so Piana. Schließlich findet die nächste Ratssitzung erst am 21. April statt. Spätestens bis dahin will auch Oberbürgermeister Marcel Philipp alle Weichen dafür gestellt haben, dass es auch in Zukunft verkaufsoffene Sonntage in Aachen gibt. „Das war ein Warnschuss”, sagt der OB, „ich werde den Kompromiss mit den Fraktionen genau und eng abstimmen.”
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