Offener Ganztag: Trotz des Erfolgs droht Qualitätsverlust

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Aachen. Die Worte, die die Vertreter des Zusammenschlusses der OGS-Träger wählen, sind drastisch: „Das Wasser steht uns bis zum Hals.“ „Wir sind bereit, für das Wohl von Kindern und Jugendlichen reinzustecken, aber die Schmerzgrenze ist erreicht.“

Und weiter: „Wir wissen, dass der städtische Haushalt eng gestrickt ist, aber so kann es definitiv nicht mehr weitergehen.“ Das lassen die freien Träger der Wohlfahrtspflege, die sich in der Nachmittagsbetreuung in den Grundschulen engagieren, wissen. Ihr Ziel: Statt 1,5 Prozent jährliche Steigerung der Zuschüsse, 2,5 Prozent.

„Nur so können wir die Standards und das Angebot wie bisher aufrecht erhalten“, sagte Stefanie Koszucki, Geschäftsführerin des AWO-Vereins „Betreute Grundschulen“, mit 15 OGS einer der größten Anbieter. „Von Ausbauen für die Anforderungen der Inklusion und der Integration von Flüchtlingen kann da noch keine Rede sein.“

Die 41 Offenen Ganztagsschulen Aachens – acht freie Träger kümmern sich um 32 davon, neun werden von der Stadt betreut – seien ein Erfolgsmodell. Etwa 60 Prozent aller Aachener Grundschulkinder sind in einer OGS angemeldet, Tendenz steigend. „Das ist kein Betreuungsangebot, sondern ein sozialpädagogisches Bildungs- und Förderungsangebot“, erklärte Sandra Jansen, Leiterin des D-Hofs im Gut Kullen. „Die präventive Wirkung wird uns von den Schulen bestätigt.“

„Die Stadt will diesen höheren Standard, als das Land ihn vorsieht, und hat ihn mit uns auch in einem Rahmenvertrag festgelegt.“ Danach ist für 25 Kinder eine Erzieherstelle mit etwa 30 Stunden festgesetzt. Die Träger sollen also Fachpersonal stellen. „Die dynamische Anpassung der Zuschüsse deckt aber die tatsächlichen Kosten in keiner Weise“, begründete Koszucki den Antrag an die Stadt, der der Politik bei der nächsten gemeinsamen Sitzung des Kinder-, Jugend- und Schulausschuss vorgestellt werden soll.

„Allein die Tariferhöhungen liegen bei 2,4 bis 3,5 Prozent. Hinzu kommt, dass viele Mitarbeiter mittlerweile höhere Tarifstufen erreicht haben. Leitungsfunktionen – durch die hohe Nachfrage haben wir Teams von zwölf bis 20 Mitarbeiter – sind gar nicht einberechnet“, so Koszucki. „Der nicht vollständig refinanzierte OGS-Bereich geht zunehmend auf Kosten anderer Angebote der Träger“, ergänzte Susanne Kotulla, Geschäftsführerin der Euro-Jugend.

Deshalb sind auch die Ansagen klar: „Bleibt es bei der bisherigen Finanzierung, müssen wir die Standards im nächsten Jahr herunterfahren. Das bedeutet Stellenstreichungen, kürzere Öffnungszeiten, weniger Angebote aus den Bereichen Kultur und Sport. Städtische Einrichtungen wie Musikschule, Museen und Stadtsportbund werden davon auch betroffen sein“, mahnte Karin Montermann, Geschäftsleiterin des Pädagogischen Zentrums Aachen.

In gewisser Weise in ihren Forderungen bestätigt fühlen sich die OGS-Träger durch den Haushaltsentwurf, den Kämmerin Annekathrin Grehling gerade vorgelegt hat. „Auch sie stellt acht Millionen Euro mehr für Personal ein – wegen Tarifsteigerungen und für neues Personal, um Flüchtlinge aufnehmen und integrieren zu können. Genau das sind auch unsere Themen“, meinte Montermann.

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