Offene Ganztag an Grundschulen stößt auf eine große Nachfrage

Von: Stefan Herrmann
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Immer mehr Kinder gehen in eine Offene Ganztagsschule: In Brand befürchten Eltern nun, dass der Platz an der GGS Brander Feld nicht ausreicht, wenn im Sommer eine dritte OGS-Gruppe an den Start geht. Foto: dpa

Aachen. Müssen einige Eltern in Brand nach den Sommerferien womöglich unfreiwillig Dauerurlaub nehmen, um ihre frisch eingeschulten Kinder zu betreuen? Das befürchtet zumindest eine Mutter. „An der Grundschule Brander Feld gibt es im kommenden Schuljahr nicht genügend Betreuungsplätze für den Nachmittag“, glaubt Anna Paul.

Der Ausbau des Offenen Ganztags (OGS) schreitet im gesamten Stadtgebiet seit Jahren voran. Eine Herkulesaufgabe für die Stadt und für die Schulen. Und – das beweist das Beispiel Brand – für engagierte Eltern immer wieder ein Punkt, der für Verunsicherung und Unmut sorgt. Dabei ist das Gebäude der GGS Brander Feld ein gutes Beispiel dafür, wie für Kinder und Jugendliche unter einem Dach Betreuung, Schule und Angebote jenseits des Unterrichts aussehen kann. Eigentlich. Denn in der Realität befürchten aktuell viele vor allem, dass es mächtig eng wird an der Schagenstraße.

OGS, ÜMi und JuB

Der Hintergrund: Zum laufenden Schuljahr sind zwei OGS-Gruppen mit insgesamt 50 Plätzen eingerichtet worden. Bereits beschlossen ist, dass ab Sommer eine weitere OGS-Gruppe hinzukommen soll. Nun befürchten viele Eltern, dass der Raum vor Ort hinten und vorne nicht reicht – und die Kinder darunter leiden. Seit 14 Jahren verfügt die Schule zudem bereits über eine eigene Übermittagsbetreuung (ÜMi) von 11.30 bis 14.30 Uhr, die vom Förderverein der Schule und den Eltern finanziert wird. Der Wunsch nach dem Offenen Ganztag, der eine Betreuung bis 16 Uhr garantiert, war aber ebenfalls vorhanden und wurde daher im bei Familien beliebten Stadtteil Brand an der GGS ebenfalls eingeführt. „Die Verwaltung hatte der Schulleitung damals zugesagt, für diese OGS-Gruppen zusätzlichen Raum zur Verfügung zu stellen“, erinnert die Schulpflegschaft um ihre Vorsitzenden Bernhard Zintzen und Gereon Hermens in einem Schreiben. „Leider wurde diese Zusage bislang nicht eingehalten.“

Viele Eltern sind nicht davon überzeugt, dass der Raum der GGS auch noch ab dem Schuljahr 2015/16 und mit einer weiteren OGS-Gruppe reicht. Was hinter den Kulissen bei einigen zusätzlich für Unmut sorgt: Im Gebäude ist seit Jahren auch das Brander Jugend- und Begegnungshaus (JuB) untergebracht, das Räume benötigt. Platz, so sagen einige hinter vorgehaltener Hand, den in Teilen nun auch die Schule gut gebrauchen könnte. Was tun?

Mitarbeiter der Verwaltung haben die Schule erst vor wenigen Wochen unter die Lupe genommen. Tenor: Wenn Räume vor Ort multifunktional hergerichtet werden, kann eine weitere OGS-Gruppe neben den bereits bestehenden Angeboten eingerichtet werden. „Es ist genug Raum da“, meint auch Holger Brantin, schulpolitischer Sprecher der CDU. Er habe Verständnis für die Sorgen der Eltern und möchte diese gemeinsam mit seinen Politikerkollegen durch weitere Gespräche abbauen. Was Brantin jedoch ebenso wie SPD-Schulpolitiker Bernd Krott betont: Man möchte eine Lösung im Sinne „Alle unter einem Dach“ finden, und dazu gehört auch das JuB.

Der Gesprächsbedarf soll trotzdem gestillt werden. Gelegenheit dazu haben alle Akteure am kommenden Dienstag. Die Schulpflegschaft lädt zum Info- und Diskussionsabend „Betreuungsangebote an der GGS Brander Feld: jetzt und in Zukunft“ ein. Auch Vertreter aus Politik und Verwaltung wollen teilnehmen.

Trotz der Unruhe im Vorfeld hofft Schulleiterin Anke Schürings, dass bald eine Lösung gefunden wird. „Wir alle arbeiten mit der Verwaltung intensiv und konstruktiv an einem Konzept zur multifunktionellen Raumnutzung, das der Unterrichtsqualität und den pädagogischen Ansprüchen des Ganztags gerecht wird“, sagt sie. Der Anfang des Jahres von Eltern formulierte Wunsch, einen Container auf dem Schulgelände aufzustellen, wurde von Stadtseite nicht weiter verfolgt. 205 Kinder besuchen die GGS Brander Feld. Sie, das betonen alle Akteure, sollten im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Was bei der Diskussion über genug Platz für GGS, OGS, ÜMi, JuB gleichfalls deutlich wird: Es geht doch um ein bisschen mehr. Welche Betreuungsform erhält mehr Unterstützung: OGS oder ÜMI? Sollten Schulbelange Vorrang vor Jugendangeboten haben? Viele Fragen schwingen in der Diskussion mit.

Raumbedarf ermitteln

Klar ist: Die Verunsicherung ist da. Und die dritte OGS-Gruppe am Brander Feld kommt. Bisher gibt es 26 Anmeldungen für den Offenen Ganztag nächstes Jahr, 16 für die Mittagsbetreuung. Insgesamt könnten so im kommenden Schuljahr rund 130 Kinder in beiden Modellen der Nachmittagsbetreuung – wenn alle Wünsche berücksichtigt werden – untergebracht werden. Doch es scheint generell so, dass der stadtweite OGS-Ausbau hier und da an seine Kapazitätsgrenzen stößt.

Nicht zuletzt deswegen hat die Politik die Verwaltung vor einiger Zeit beauftragt, herauszufinden, wie der zusätzliche Raumbedarf an den Grundschulen aussieht, um eine vernünftige OGS-Betreuung gewährleisten zu können. Elf Schulen hat die Stadt vor kurzem auf eine Prioritätenliste gesetzt. Dort, so die Verwaltung, sei der Handlungsbedarf in Sachen Raumbedarf am dringendsten. Eine der dort aufgeführten Schulen: die GGS Brander Feld. Neue Räume sind trotzdem nicht in Aussicht. Alles läuft darauf hinaus, dass Unterrichtsräume multifunktional genutzt werden müssen, um die dritte OGS-Gruppe zu stemmen.

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