Offene Frage: Was tun, wenn es in Tihange knallt?

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Es bleiben noch viele offne Fragen: Feuerwehrchef Jürgen Wolff informierte den Umweltausschuss.

Aachen. Man muss auch mal mit wenig zufrieden sein. Das sagten sich offenkundig die Politiker(innen) im Umweltausschuss. Und bedankten sich freundlich bei Feuerwehrchef Jürgen Wolff für seine Ausführungen zum Tagesordnungspunkt „Katastrophenschutz in Aachen für den Fall einer atomaren Havarie der belgischen Atomreaktoren Tihange und Doel“.

Das Bürgerforum hatte im Dezember dieses Thema an den Umweltausschuss weitergeleitet, auf dass man sich dort intensiv mit der Materie beschäftigen möge, die viele Aachener aktuell beunruhigt. Schließlich reiht sich in den belgischen Pannenreaktoren ein Störfall und eine Abschaltung an die nächste.

Und schon (man könnte auch sagen erst) seit Juni 2015 beschäftigte sich das Bürgerforum damit, nachdem das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomkraft mehr als 60 detaillierte Fragen auf den Tisch gelegt hatte. Nach Monaten wurden im Dezember knapp 50 davon beantwortet. Nun also der Umweltausschuss. Wer nun aber gehofft hatte, hier würden jetzt einmal Katastrophenpläne öffentlich auf den Tisch gelegt oder weitere Fragen beantwortet, der sah sich enttäuscht. Es gab nichts Neues. Oder besser: fast nichts.

Denn zumindest eines ist nun in die Wege geleitet: eine Bürgerinformationsveranstaltung. Zwar hätte man als solche auch schon das Bürgerforum oder den Ausschuss ansehen können, doch nun soll dies auf anderem Wege geschehen. Am Donnerstag, 28. Januar, wird es laut Wolff in der Aula Carolina an der Pontstraße besagte Veranstaltung geben.

Ab 18 Uhr soll das Thema aus wissenschaftlicher Sicht erläutert werden. Zudem sollen selbstredend Vertreter der Stadt und anderer Behörden auf dem Podium sitzen, aber auch Aktive des Aktionsbündnisses. Gespannt darf man sein, ob es dort dann mehr Details gibt.

Die beschränkte Wolff im Umweltausschuss auf das, was schon bekannt war. Er beschrieb nochmals, dass es im Dezember eine Übung des Krisenstabes gegeben habe. Und dass dabei deutlich zutage getreten sei, dass die Verteilung von Jodtabletten gegen die Aufnahme von radioaktivem Jod aus der Luft, wie sie bisher seitens des Landes vorgesehen ist, keinesfalls funktionieren kann.

Derzeit lagern die Tabletten zentral in der Apotheke des Uniklinikums „auf einer Europalette“. Von dort müssten sie im Fall des Falles geholt und an Personen bis 45 Jahre verteilt werden. „Das wäre in 24 Stunden nicht machbar, möglicherweise auch nicht in 32 oder 48 Stunden“, so Wolff.

Also muss ein anderes System her. Welches? Darüber wolle man sich in den kommenden Tagen in einem Gespräch bei der Bezirksregierung unterhalten. Wolff erklärte zudem, dass das Aachener Sirenen-Netz um einige Anlagen erweitert wird. Das soll bis Ende September der Fall sein. Mit den neuen Anlagen werde man „weit mehr als 70 Prozent der Bevölkerung erreichen“, so Wolff. Das sei ein „Spitzenwert“. Nachgedacht wird auch über eine Informationsmöglichkeit via Handy.

„Für den Dienstgebrauch“

Und sonst? Der Feuerwehrchef betonte, dass die Stadt selbstverständlich Katastrophenpläne habe. Als Beleg lagen zwei Aktenordner vor ihm. Um Verständnis bat er dafür, dass man die Unterlagen nicht den Politikern habe aushändigen können.

Schließlich seien viele der Papiere mit der Überschrift „Nur für den Dienstgebrauch“ versehen. Eine gekürzte Zusammenfassung etwa als PC-Präsentation gab es aber auch nicht. Die Politik erklärte in Person der Fraktionssprecher freundlich, dass ein Stück mehr Transparenz wünschenswert wäre. Und der Ausschuss beschloss den Wunsch, alsbald ausführlicher informiert zu werden.

Im Saal anwesende besorgte Zuhörer fragten sich anschließend: „Was kommt denn eigentlich nach der Verteilung der Jodtabletten?“ Nimmt man es genau, muss darauf gar nicht viel folgen. Die Bundes-Strahlenschutzkommission empfiehlt nämlich für eine Zone von 100 Kilometern um eine Reaktorhavarie: Die Bürger sollen aufgefordert werden, in ihren Wohnungen zu bleiben. Und besagte Jodtabletten sollen verteilt werden. Das war es weitgehend.

Außer, dass man auch noch auf den Verzehr von frischem Obst und Gemüse aus dieser Region verzichten sollte. Eine Evakuierung der Bevölkerung binnen 24 Stunden soll nur in einem Radius von 20 Kilometern erfolgen. Da liegt Aachen mit rund 60 Kilometern Entfernung zu Tihange weit außen vor. Dennoch stellt die Empfehlung sogar noch einen Fortschritt dar. Bis 2014 betrug die „mittlere Zone“ – nennen wir sie „Jodtablettenzone“ – sogar nur 50 Kilometer.

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