Aachen - Öcher Sprudel: Zumindest der Name überlebt

Öcher Sprudel: Zumindest der Name überlebt

Von: Stephan Mohne
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Neuer Lizenznehmer, gleicher Name: Hans-Günter Radermacher von „Kaiserbrunnen” (re.) überreicht Hartmut Voll-Hutgens von „Victoria” eine Flasche „Granus Culinaire”. Die Lahnsteiner Firma übernimmt bis auf „Kaiserbrunnen” die Markenrechte der Aachener Produkte. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Als am Mittwochabend im Krönungssaal der Thouet-Mundartpreis an den stellvertretenden AZ-Chefredakteur Bernd Büttgens verliehen wurde, gab es Öcher Sprudel. Wie immer. „Wir machen uns ja nicht einfach so vom Acker”, sagt Hans-Günter Radermacher, Vorstand der „Kaiserbrunnen AG”. Und überhaupt: Wer bisher mit „Granus”, „Zisina”, „Chapelle” die Kehle geölt hat, wird das weiterhin tun können.

Zwar stehen an der Lombardenstraße bei „Kaiserbrunnen” die Maschinen seit dem 30. Dezember still, ist die Produktion nach 125 Jahren beendet worden. Doch am Verhandlungstisch ging es umso munterer zu. Am Montag wurde die Tinte unter die Verträge gesetzt.

Bis auf das Aachener Ur-Wasser „Kaiserbrunnen” haben die Markennamen den Besitzer gewechselt. Der „Neue” sitzt in Lahnstein bei Koblenz und heißt „Victoria Heil- und Mineralbrunnen”. Dessen Vertriebsleiter Hartmut Voll-Hutgens verkündete gegenüber der AZ: „Wir werden die Marken so wie bisher weiterführen.”

Eigentlich, so Voll-Hutgens, habe sein Unternehmen auch „Kaiserbrunnen” fortführen wollen. Das sei nach intensiven Überlegungen dann doch nicht machbar gewesen und „an nicht erfüllbaren Bedingungen” gescheitert.

Und während „Kaiserbrunnen” wegen seiner Einzigartigkeit - es kommt aus der „Kaiserquelle” in 1500 Metern Tiefe - in Aachen selbst hätte produziert werden müssen, ist das bei den anderen Marken nicht so. Denn das Lahnsteiner Unternehmen wurde nicht nur wie „Kaiserbrunnen” im Jahr 1884 gegründet, es gibt vielmehr weitere Gemeinsamkeiten.

Die wichtigste besteht darin, dass der Brunnen in Lahnstein einen fast identischen Mineraliengehalt mit jenem hat, aus dem „Granus” in Aachen gewonnen wurde. Das sei Grundvoraussetzung für die Übernahme gewesen. Der Verbraucher soll keinen Unterschied schmecken.

Ein Argument für den Lahnsteiner Brunnen war die regionale Verwurzelung der „Kaiserbrunnen”-Produkte: „Das gibt es so nirgendwo anders”, sagt Voll-Hutgens, der unterdessen Hans-Günter Radermacher großes Lob zollt. Klasse Arbeit sei in Aachen geleistet worden, die Fußstapfen, in die man trete, seien groß. Etliche Gespräche mit Fachgroßhändlern seien bereits geführt, nicht ein einziger sei abgesprungen.

Für „Victoria” ist die Übernahme auf den ersten Blick ein großer Schritt. 15 Millionen Flaschen füllte man dort zuletzt im Jahr ab, jetzt kommen auf einen Schlag 25 Millionen dazu. „Kein Problem”, sagt Hartmut Voll-Hutgens. Diese Größe habe man erstens schon einmal gehabt. Zweitens verfüge man über das nötige Wasser. Bislang werde nämlich das überschüssige Wasser „nicht zweckentsprechend verwertet”.

Einige Mitarbeiter wird man in Lahnstein zu den bisherigen 38 wohl einstellen müssen, da das Unternehmen im Raum Koblenz auch eigene Getränkeabholmärkte betreibt. Den 30 bisherigen „Kaiserbrunnen”-Mitarbeitern nutzt das nichts, „denn trotz intensiver Bemühungen ist es leider nicht gelungen, die Produktionsstätte in Aachen aufrecht zu erhalten”, hieß es.

Nun bedeutete „regionale Verwurzelung” für „Kaiserbrunnen” auch immer Sponsoring - von Vereinen, Veranstaltungen. Wie man das fortführen könnte, darüber hat man sich bei „Victoria” noch keine konkreten Gedanken gemacht. Aber: „Wir werden auf die Vereine zugehen - oder sie können zu uns kommen”, sagt Hartmut Voll-Hutgens. Und so kann es sein, dass auch 2011 beim Thouet-Preis zumindest dem Namen nach noch Öcher Sprudel getrunken wird. Wie immer.
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