Oecher Penn: Mehr Beinfreiheit und tolle Wortbeiträge

Von: Robert Esser
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Prächtiges Panorama mit neuen Stühlen und neuem Bühnenbild für die Stadtgarde: 144 Penn-Soldaten marschierten vor 1400 festlich gekleidete Gäste im Eurogress – ein imposanter Auftakt. Foto: Andreas Steindl
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Fesch: In Dirndl und Lederhosen fegten Nadine Staerk, Frank Radermacher und die Penn übers Parkett. Foto: Andreas Steindl
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Das hat Format: OB (und Ehrenkommandant der Penn) Marcel Philipp (l.) gratulierte den FH-Design-Studenten Thorsten Gambalat, Sören Intemann, Jan-Eric Gawande, Birkan Gülöz, Daskia Frohn, Lutz Westerfeld, Timo Neef und Yvonne Krause zum neuen Bühnenbild für die Stadtgarde. Foto: Andreas Steindl
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Sechs Stunden Arbeit: Friedhelm Radermacher und Ralph Sieger knoten feuerfeste Luftschlangen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wie versessen muss man sein? Exakt elf Zentimeter schmaler ist jeder einzelne der 1400 rot-blauen Stühle. Und brandneu. Damit die Gäste am Samstag im ausverkauften Eurogress zur großen Sitzung der Oecher Penn etwas mehr Bewegungsfreiheit gewinnen, hat die Stadtgarde tatsächlich eine komplette eigene Bestuhlung gekauft und nur für diesen einen Abend aufgebaut.

Kein Scherz. Das bringt seitlich spürbar mehr Luft, zwischen den Tischreihen wegen schräger Rückenlehnen aber kaum Platzgewinn. „Unser Publikum ist uns das wert“, sagt Kommandant Jürgen Brammertz. Alaaf!

Diese Wertschätzung spiegelt sich im hochkarätigen Programm wider, das Vize-Kommandant Georg Cosler auf die Bühne stellt. Nach imposantem Aufmarsch der 144 Soldaten starken Penn-Truppe und dem Marketender-Tanz von Nadine Staerk und Frank Radermacher glänzen zwei Dutzend Soldaten in Dirndl und Lederhosen bei einer Art musikalischem Alpabtrieb.

Die „Originale“ mit Sänger Michael Cosler stimmen die traditionell in Abendgarderobe statt Kostüm gekleideten Zuschauer auf einen schwungvollen Abend ein. Weil Jüppchen Hubert Crott erkrankt ist, müssen jedoch Josef und Jupp ihren Auftritt kurzfristig absagen. „Et Hühldöppe“ alias Werner Heck – belgischer Exportschlager aus Bütgenbach – springt ein und erntet in der Bütt gewaltigen Applaus. Genauso wie zwei weitere reine Wortbeiträge: TV-Comedian Markus Krebs tritt mit Sonnebrille, Wollmütze und T-Shirt vor die vorbildlich aufmerksame Festgesellschaft, die sich dank Zwerchfelltreffern in rasendem Rhythmus bald kaum noch auf den gerade eingeweihten Stühlen halten kann.

Abräumerin des Abends ist Emma aus Emsdetten (Sabine Hollefeld). Das kauzige Original durchaus reiferen Alters tischt grandios komische Anekdoten auf – Schenkelklopfer bis die Beine brennen. Die Oecher Penn setzt mutig auf gleich drei witzige Wortakrobaten, während auf fast allen anderen Sitzungen nur noch Tanz und Musik dominieren. Wie genial und unfallfrei das funktioniert, beweist die Penn-Sitzung bravourös.

Apropos: Nicht nur Feuerwehr und Sanitäter sind in höchster Alarmbereitschaft, wenn zig Schlenderhahner Lumpen aus Köln anrücken. Die sensationelle Akrobatik des Tanzcorps begrenzt nur die Hallendecke im Europasaal. Bis unters Dach katapultiert die Truppe Tänzerinnen – atemberaubend. Ebenfalls trotz Sperrung der Autobahn 4 aus der Rhein-Metropole pünktlich im Westzipfel angereist, spult das Mädchen-Quartett „Colör“ sein Playback-Programm ab. Drei Damen in fetzigen Jeans-Outfits bewegen zur Musik vom Band Leib und Lippen, die vierte macht live Stimmung. Das reicht für Mitklatschen und Applaus. Davon kassieren Prinz Axel II., Hofstaat und Prinzengarde hörbar mehr. Aachens Narrenherrscher kommt bestens rüber – authentisch, fröhlich, ohne Allüren.

Nach gut vier Stunden schließt sich auf der Bühne der karnevalistische Kreis. Die Prinzengarde der Stadt Duisburg ist mit 100 Mann und einem phänomenalen Tanzpaar aus dem Ruhrpott angerollt. Bis in den frühen Morgen wird danach im Foyer zu Livemusik von „Night in Paris“ gefeiert. Schampus und Bier fließen in Strömen. Und einige Penn-Soldaten erinnern sich an die Sache mit den Stühlen. Die sollen nämlich am Sonntagmorgen ab 7 Uhr wieder abgeräumt werden. 1400 Stück. Jetzt nicht mehr ganz brandneu. Aber immer noch schmal – im Gegensatz zu manchem Jecken...

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