Öcher Mädchen hechtet zum großen Erfolg

Von: Hans-Peter Leisten
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Setzt zum großen Sprung an: Julia Van den Berghen spielt mit ihren 18 Jahren bereits in der 1. Volleyball-Bundesliga. Samstagabend zählt für die zweite Libera der Ladies in Black im Halbfinale gegen Dresden aber nur der Erfolg für das Team. Foto: Andreas Steindl
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Eine Volleyball-verrückte Familie im besten Sinne unterstützt die Libera Julia (Mitte): die Van den Berghens mit Vater Marc (rechts), Mutter Birgit (2. von rechts), deren Schwester Tanja mit Partner Luc sowie Bruder Niklas. Sie alle haben Volleyball gespielt, spielen heute noch oder sind aktuell in Trainerfunktionen aktiv. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ihr größter Fanclub steht ihr Samstag schon ab dem Frühstück zur Seite. Hier findet Julia Van den Berghen psychologische Betreuung, taktische Schulung, die väterliche Schulter, die mütterliche Zuneigung und charmante brüderliche Foppereien. Das gesamte Familienpaket sozusagen.

Und das ist gut so, denn Samstag ist für die 18-jährige Julia sportlich der bisher größte Tag in ihrem jungen Leben: Ort des Geschehens ist die Sporthalle an der Neuköllner Straße. Die Halle wird vielmehr eine Bühne für den ganz großen Volleyballsport. Und Julia Van den Berghen ist mittendrin in der Inszenierung, die eine Mischung aus Athletik, Taktik, Temperament und Spannung ist. Die Logen, Ränge und Parkett sind komplett ausgebucht. Und wenn alles optimal läuft, dann geht Julia Van den Berghen mit den Ladies in Black ins dritte Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft im Damenvolleyball. Da kann man den Beistand der Familie gewiss ganz gut gebrauchen.

Nun ist es nicht so, als ob das einzige Öcher Mädchen im Vielnationenteam an die Hand genommen werden müsste. Auch wenn sie als zweite Libera hinter der enorm starken Dominika Valachovà vergleichsweise wenige Einsatzminuten in der ersten Bundesliga hatte, ist die junge Frau, die im vergangenen Jahr am Einhard-Gymnasium ihr Abitur machte, längst integraler Bestandteil des Teams und – wie man heute so sagt – in der Bundesliga angekommen.

Wenn Samstag ab 19 Uhr wieder gebaggert, gestellt und geschmettert wird, hat Julia gewiss für ihre Familie keine Augen. Dann ist sie ganz auf die anderen Ladies konzentriert, ist Motivator von der Ersatzbank aus, dabei stets von einer Sekunde auf die andere einsatzbereit. „In der Tat ist es so, dass bei uns die Auswechselspielerinnen eine aktivere Rolle haben als in anderen Sportarten“, erklärt sie. „Viele achten auf die richtige Technik und Taktik. Ich darf eben etwas lauter sein und anfeuern.“

Im schlechtesten Fall wird sie Samstagabend mit einer Medaille für den Dritten der Deutschen Meisterschaft die Halle verlassen – und doch in der familiären Trophäensammlung einen Ehrenplatz damit ergattern. Die ganze Familie ist volleyball-verrückt im besten Sinne. Mutter Birgit stieg – noch mit Alemannia – in die 2. Bundesliga auf, wo ihre Schwester Tanja ebenfalls spielte. Vater Marc trainiert die U18 und die U20, Bruder Niklas spielt in der U18. Klar, dass die alle mächtig stolz auf Julia sind. Dabei ist es nachrangig, ob sie jetzt spielt oder nicht: „Am Abend geht es um das große Ganze, vorrangig darum, dass wir gewinnen. Nicht um meine Einsatzzeiten.“

Ihre Haltung ist symptomatisch für das Verhältnis der Spielerinnen untereinander. Zu Saisonbeginn – vor allem angesichts des Wechsels von der Alemannia zum PTSV Aachen – wusste niemand, wohin sich der Aachener Damenvolleyball entwickeln würde. Das Ergebnis ist bekannt. „Und mindestens Dritter zu werden, hat alle Erwartungen übertroffen. Es macht mich stolz, Teil dieses Teams zu sein“, bekennt die 18-Jährige. Angesichts der vielen Länder, aus denen die Spielerinnen kommen, hatte Trainer Marek Rojko Englisch als „Dienstsprache“ verabredet. „Damit niemand über andere reden kann“, muss Julia heute lachen. Weil das angesichts des Teamgeistes ausgeschlossen ist.

Sie wird dieses Spiel genießen, vom Eintreffen in der Halle zwei Stunden vor Beginn an. Wenn die Fans draußen Schlange stehen, wenn sich die ausgebuchten Ränge schnell füllen und dann Hallensprecher André Schnitker langsam den Stimmungsregler hochfährt. Sie wird bei aller Konzentration aufs Spiel die Fans und die Stimmung in dieser vergleichsweise kleinen Halle genießen: „Die Zuschauer helfen uns enorm.“

Der Abend zählt, die Play-offs zählen. Den Rest blendet Julia so lange aus. Wie zum Beispiel die Volleyball-Karriere weitergeht, auf welches Fach die Studienwahl fällt – und wie Beides eventuell vereinbart werden kann. Nur eines steht fest: Ob nun nach dem zweiten oder einem möglichen dritten Halbfinale oder sogar nach einem Endspiel – in ihrer Familie wird Julia Van den Berghen für alle Fragen den jeweils richtigen Coach finden.

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