Aachen - Öcher Jecke pfeifen auf Sturm und Regen

Öcher Jecke pfeifen auf Sturm und Regen

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Und er geht doch: Erst am frühen Morgen wurde entschieden, dass der Öcher Rosenmontagszug mit 5000 Teilnehmern stattfinden kann. Und wie bestellt ließen Regen und Sturm nach, zeitweise lachte sogar et Sönnche über den Jecken. Zwar kamen mit 130 000 Zuschauern deutlich weniger als sonst. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Foto: Andreas Steindl
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Strahlemann: Seine Tollität Prinz Michael II. (Kratzenberg) durfte seinen Triumphzug trotz der Unwetterwarnungen doch noch genießen und tat das dann auch in vollen Zügen. Foto: Andreas Steindl
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Gut verpackt ist halb gefeiert: Viele Zugteilnehmer hatten sich – wie hier die Maatwiver der Penn – gegen die Wetterkapriolen gerüstet. Foto: Andreas Steindl
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Auch eine herrliche Fußgruppe: Die Polizei zeigte starke Präsenz – und zog am Ende des Tages eine überaus positive Bilanz. Foto: Andreas Steindl
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Neue Gattung: Der „Kaktus Aquisgrana“ wurde garantiert mit ausreichend „Dünger“ versorgt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. D‘r leäve Herjott es ene Öcher. War uns ja schon immer klar, wa. Doch hätte es noch eines letzten Beweises bedurft, dann mag dieser denkwürdige Rosenmontag anno 2016 für alle Zeiten als solcher herhalten. Fassen wir es einmal so zusammen: Alaaf statt Absage, Rosenmontagszug statt (Dauer-)Reän und als Sahnehäubchen gar Sönnchen statt Supersturm.

Und während etwa in Düsseldorf und Mainz den Jecken das Helau wegen der Absage der dortigen Züge im Halse stecken blieb, erlebte Aachen ein kleines – oder auch größeres – Fastelovvendswunder nebst einem herrlichen, bunten, friedlichen Rosenmontagszug mit weit über 100 Gruppen, Wagen, Kapellen. Und das nach all dem Zittern vor „Ruzica“.

Doch just in einem Zeitfenster, das in etwa ausgerechnet der Dauer des Zuges entsprach, legte das Sturmtief (weitgehend) eine Pause ein. Dass der Name im Kroatischen so viel wie „Röschen“ bedeutet, setzt der Ironie dieser Geschichte noch die Krone auf.

Krisensitzung um 7.30 Uhr

Doch der Reihe nach: Nach dem ruhigen Karnevalssonntag dürfte den Zugverantwortlichen um Frank Prömpeler als Chef des Festausschusses Aachener Karneval (AAK) und Zugleiter Günther Hintzen in der Nacht zum Montag bei einem Blick aus dem Fenster ganz anders geworden sein. Sturmböen peitschen durch den Talkessel, und es schüttete unaufhörlich wie aus Eimern.

Das tat es auch noch, als sich die Partner einer Koordinierungsstelle, zu der auch die Stadt mit dem Ordnungsamt, die Polizei und die Feuerwehr gehörten, in aller Frühe um 7.30 Uhr zusammensetzten. Zug oder kein Zug? So lautete die Frage. Allerdings war da zumindest der Sturm schon ein Stück weit abgeflaut. Dem prasselnden Regen zum Trotz wurde entschieden: „Wir gehen!“, wie Prömpeler auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

Auf allen (Internet-)Kanälen wurde die Kunde ins Land geschickt. Als Prömpeler dann kurz vor 10 Uhr mit Prinz Michael II., der sich gerade noch mit einem Käsebrötchen für seinen nahenden Triumphzug stärkte, zusammensaß, lugte gar die Sonne durch den bis dahin undurchdringlich grauen Wolkenhimmel.

Der bange Blick auf die Unwetterwarnungen in den Stunden und Tagen vorher hatte allerdings dafür gesorgt, dass in einem Kraftakt noch Sicherheitsvorkehrungen für den Sturmfall getroffen worden waren. Die Pferde hatte man gestrichen, die Planen über den Tribünen am Zugweg – so etwa am Elisenbrunnen, am Alten Kurhaus und am Markt – mussten entfernt werden. Auch mit Planen bespannte Wagen mussten umgerüstet oder zu Hause gelassen werden. Zudem durften keine losen Teile und/oder Fahnen mehr angebracht sein. Und auch die Zugteilnehmer selber griffen zu vorhersagebedingten außergewöhnlichen Maßnahmen. Da sah man viele von ihnen dick in Plastikfolien eingewickelt.

Pünktlich um 11.11 Uhr startete der Zug dann tatsächlich mit rund 5000 Teilnehmern. 167 Gruppen hatten sich angemeldet, nur zwei oder drei hatten es sich kurzfristig doch noch anders überlegt. Mit 130.000 Zuschauern – so die Schätzung des AAK – waren es zwar deutlich weniger als sonst. Aber immerhin. Denn der Blick auf die Unwetterkarte blieb mit Skepsis verbunden. Kurz vor dem Start des närrischen Lindwurms hatten die Meteorologen fürs Rheinland inklusive Aachen von Orange auf Rot umgeschaltet – was der zweithöchsten Warnstufe entspricht.

Gewitter, heftige Graupelschauer, Sturmböen von 90 bis 110 Stundenkilometern – das alles lag im Bereich des Möglichen. Und mancher Dauerjeck am Zugweg erinnerte sich an den 27. Februar 1990, als ein Sturmtief den Öcher Rosenmontagszug so durcheinanderwirbelte, dass er abgebrochen werden musste und am Ende (fast) nur noch der damalige Prinz Franz-Dieter Ramrath mit seinem Wagen durch die Straßen preschte. Diesmal kam es – zum Glück – anders.

Und noch eine Befürchtung verflüchtigte sich: Die Sorge vor Ausschreitungen à la Silversternacht in Köln blieb unbegründet. Wozu – im Wortsinn – mit Sicherheit auch die enorme Polizeipräsenz in der City beitrug. Hundertschaften waren ebenso im Einsatz wie nach Aachen abgeordnete Polizeischüler, die gleich mit größeren Trupps in den Straßen patrouillierten. So konnte die Polizei am frühen Abend denn auch eine für Karneval nicht untypische und eher unspektakuläre Bilanz ziehen: Ein paar „Alkoholleichen“ mussten eingesammelt werden, es gab ein paar Schlägereien, und fünf junge Männer versuchten, Wurfmaterial von einem Wagen zu klauen. Insgesamt gab es 14 Strafanzeigen und ebenso viele Platzverweise. Das war es dann aber auch.

Unter dem Strich bewahrheitete sich am Montag also mal wieder der Artikel 3 des Rheinischen Grundgesetzes – hier eingeöchert: Et is noch ömmer jut jejange. Oche Alaaf! 

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