Aachen - Öcher Freibeuter auf Millionen Stimmzetteln

Öcher Freibeuter auf Millionen Stimmzetteln

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Der einzige männliche Aachener, der unter den 296 Kandidaten auf den Stimmzetteln zur Europawahl auftaucht: Richard Klees von der Piratenpartei.

Aachen. Nur einem einzigen Mann aus Aachen ist der Sprung auf die bundesweit knapp 65 Millionen Stimmzettel zur Europawahl am kommenden Sonntag, 7. Juni, gelungen: Der Kandidat heißt Richard Klees, ist 25 Jahre alt und studiert an der RWTH Aachen Physik.

Um Klees auf dem meterlangen Stimmzettel zu finden, muss man allerdings ziemlich weit nach unten schauen. Der angehende Akademiker tritt unter Position 29 für die „Piratenpartei Deutschland” auf Listenplatz 7 an.

„Unser Parteiname hört sich vielleicht etwas flapsig an, aber wir sehen unsere politische Arbeit als absolut seriös an”, betont Klees im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir sind sicher nicht mit Paradiesvögeln wie der Partei „die Violetten für spirituelle Politik” zu vergleichen, die im Europaparlament erstmal ihre Tarot-Karten befragen wollen.”

Die Piratenpartei widmet sich seit 2006 - vereinfacht formuliert - vor allem der Abschaffung des „Copyrights”. Nach dem Motto „Information für alle” will man Urheberrechte völlig neu organisieren, „geistiges Eigentum” im Grunde abschaffen.

Das heißt beispielsweise: Übers Internet soll man nach dem Willen der Piraten künftig völlig unbehelligt Filme, Fotos, Musik und Texte herunterladen dürfen - ganz unberührt von den Rechten der jeweiligen Filmemacher, Fotografen, Autoren, Komponisten und Künstler.

Dass dies tatsächlich so kommt, ist jedoch denkbar unwahrscheinlich. Der angehende Physiker Klees macht folgende Rechnung auf: „Bei gut 60 Millionen Wahlberechtigten und einer angenommenen Wahlbeteiligung von 30 Prozent bräuchte unsere Piratenpartei fünf bis sechs Prozent der Stimmen, damit ich vom Listenplatz 7 auf einen der 99 deutschen Sitze im Europaparlament rutschen kann.”

Und dies entspreche immerhin rund einer Million Wählern, die ihr Kreuzchen neben der Piratenpartei als 29. von 31 Alternativen auf dem Stimmzettel machen müssten.

600 Euro Wahlkampfbudget

Zuletzt erreichten die Piraten bei der Hessenwahl gerade mal 0,5 Prozent der Stimmen. „Bei den nächsten Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen wollen wir unser Ergebnis natürlich steigern”, sagt Klees.

Um etwas mehr Aufmerksamkeit auf die Piratenpartei zu lenken, haben Klees und ein Dutzend Aachener Mitstreiter jetzt einige Plakate in der Pontstraße aufgehängt, außerdem Flyer und CDs verteilt.

Allerdings ist das Wahlkampfbudget begrenzt: „Uns stehen nur 600 Euro für unseren kompletten Wahlkampf zur Verfügung.” Dies zumindest könnte sich zur nächsten Europawahl ändern, weil jeder Partei, die mehr als 0,5 Prozent der Stimmen erringt, pro Kreuzchen 85 Cent Wahlkampfkostenerstattung zustehen.

Die einzige Frau aus Aachen, die sich auf einem der jeweils ersten zehn Listenplätze findet, die auf dem Europawahlzettel namentlich aufgeführt sind, ist CDU-Kandidatin Sabine Verheyen.

Die Hausfrau und Bürgermeisterin dürfte Richard Klees aber kaum als lokale Konkurrenz wahrnehmen - was sicher nicht nur an den deutlich größeren Plakaten liegt. Übrigens: Getroffen haben sich der einzige Mann und die einzige Frau aus Aachen, die auf dem Stimmzettel stehen, noch nie.
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