Aachen - „Öcher Fans vör Kenger“: Eine der schönsten Seiten der Fanseele

„Öcher Fans vör Kenger“: Eine der schönsten Seiten der Fanseele

Von: Peter Schopp
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Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Maciej Lukomski freut sich, dass Öcher Fans vör Kenger jetzt Vereinsstatus hat. Foto: Verein Kenger
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Grund zum Jubel: Immer wieder freuen sich Kinder und Jugendliche über die Karten, die sie zur Verfügung gestellt bekommen. Foto: Michael Jaspers
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Direkter Kontakt mit den Spielern: So wie Torwart Akif Sahin und Kapitän Nils Winter (rechts) lernen die Kinder bei den Fußball-Camps zahlreiche Alemannen persönlich kennen. Foto: Uwe Rehbehn/Alemannia Aachen

Aachen. Das war beim besten Willen nicht absehbar! Als Sascha Sauer im Januar 2015 im Fanforum der Alemannia vorschlug, Karten für Kinder eines Aachener Kinderheims für das Rekordspiel gegen Rot-Weiß Essen zu verschenken, kam eine Lawine ins Rollen. Die nimmt bis heute immer weiter an Fahrt auf.

„Wir haben von den Spenden, die damals zusammenkamen, die ganze weitere Saison Kinder aus verschiedensten Einrichtungen einladen und mit Schals ausrüsten können“, blickt Maciej Lukomski auf die Anfänge zurück.

Er nahm sich damals dieser Idee an, fand neben Sauer noch die Fan IG und in Thomas Gronen einen weiteren tatkräftigen Unterstützer und legte los. Zunächst also das Spiel gegen RWE, doch schnell war klar, dass diese Art von Unterstützung auf breite Zustimmung traf. So berichtet Lukomski von vielen Spendern, die sowohl aus dem privaten als auch wirtschaftlichen Bereich kamen und die Idee toll fanden.

So wie der jugendliche Fan, der in der Schlange an der Würstchenbude stehend einem Gespräch Lukomskis mit einem Freund über die Spendenaktion lauschte, spontan sein Portemonnaie zückte, zwei Euro herausnahm und diese Lukomski überreichte mit den Worten: „Von der Aktion habe ich gehört. Ich wusste nur nicht, wohin ich spenden konnte“!

Dabei war damals das Ansehen der Alemannia-Fans auf dem Weg in den Keller, Ausschreitungen und immer wieder rechtsradikale Auswüchse waren Standardmeldungen in der deutschen Presselandschaft. „Wir wollten zeigen, dass Alemannia-Fans auch anders können, wollten raus aus der Gewaltecke“, so Maciej Lukomski. Viele Spender kauften einfach die Dauerkarten und brachten sie in Lukomskis Unternehmen Afterglow auf der Vaalser Straße vorbei. Die wenigsten schielten dabei auf Anerkennung, namentliche Erwähnungen waren eher unerwünscht. „Gutes im Stillen tun“, nennt Lukomski das.

1000-Kinder-Marke geknackt

Im September 2016 wurde wieder bei einem Spiel gegen Essen die 1000-Kinder-Marke geknackt, mittlerweile sind über 1500 Kinder in den Genuss einer Eintrittskarte gekommen, die sich diese ansonsten nicht hätten leisten können. Mit der Zeit wollten er und seine Mitstreiter das Ganze aber auf organisierte Füße stellen, ein Verein wurde gegründet – die Geburtsstunde des „Öcher Fans vör Kenger e.V.“.

Die verwaltungstechnischen Hürden bei der Gründung eines gemeinnützigen Vereins sind mittlerweile überwunden, doch das dauerte den Machern etwas zu lange. Deshalb organisierten sie im Vorfeld der Vereinsgründung auf eigene Kosten im Sommer 2017 für mehr als 30 Kinder die Teilnahme an der Fußballakademie der Alemannia, ein voller Erfolg. „Genau das ist unser Ziel“, unterstreicht Lukomski noch einmal die Idee, „wir möchten den Kindern in der Gruppe Freude bereiten.

Der Sport steht dabei durchaus im Hintergrund“. Er verweist aber vehement auf den integrativen Aspekt der Hilfsaktionen, wobei er damit nicht nur die Integration ausländischer Menschen meint. Für ihn sind alle Menschen im Fokus, die sich ausgeschlossen fühlen und sich derartige Dinge nicht leisten können.

Training mit dem Trainer

Mittlerweile sind auch die Verantwortlichen der Alemannia vollständig vom Sinn der Hilfe überzeugt, der Verein zieht voll mit. Wer eine Dauerkarte für die „Kenger“ verlangt, erhält diese mit entsprechendem Aufdruck. Außerdem planen die Herren Gronen, Lukomski und Sauer demnächst, Gruppen von Kindern am Spieltag zu einem Training mit einem Alemannia-Trainer einzuladen, anschließend eine Stadionführung mit Begehen des heiligen Rasens und Spalier stehen beim Einlauf der Mannschaften zu ermöglichen.

Ideen haben sie viele, Unterstützer sind dabei herzlich willkommen. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen sozialen Einrichtungen der Stadt läuft immer besser, gemeinsame Unternehmungen wir Fußballcamps sind geplant. Aber man schaut auch über den Tellerrand des Fußballs hinaus, auch Unternehmungen in anderen Sportarten stehen in Zukunft auf der Agenda. Die Vereinsgründung erleichtert dabei die Arbeit, so hoffen sie. Willkommen ist jeder, sowohl Geldgeber als auch tatkräftige Mitmacher. „Am Ende des Tages heißt es immer zupacken“, weiß Lukomski.

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