Aachen - Öcher Bend: Freiheitsgefühl im Duft der Zuckerwatte

Öcher Bend: Freiheitsgefühl im Duft der Zuckerwatte

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
5274258.jpg
Lockt auch am Dienstag von 14 bis 24 Uhr: der Öcher Bend mit seinen bunten Lichtern und rasanten Fahrgeschäften. Foto: Andreas Schmitter
5274257.jpg
Schausteller mit Leib und Seele: Rolf Lentzen (rechts) mit seiner Familie, die in vierter Generation das Schaustellergewerbe betreibt.

Aachen. Wenn Rolf Lentzen in seiner persönlichen „Nummer Eins“- Stadt gastiert, dann fühlt es sich immer ganz besonders gut an. So bekannt und familiär. Die Heimatstadt ist und bleibt für den Öcher eben ganz klarer Favorit. Aber allem Lokalpatriotismus zum Trotz sieht er die geliebte Kaiserstadt nur ein paar Monate im Jahr.

Den Rest der Zeit tourt er nämlich durchs ganze Land. Mal mit, mal ohne „jungen Mann zum Mitreisen“.

Rolf Lentzen ist Schausteller mit Leib und Seele. Blickt man auf seine Familiengeschichte, wurde ihm diese Passion quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Nikolaus Lentzen war 36 Jahre lang Vorsitzender des Schaustellervereins – er selbst ist zweiter Vorsitzender. Und auch die vorherige Generation liebte das Leben zwischen dem Duft von frischer Zuckerwatte und grell aufblinkenden Lichtern. Die blinkenden Lichter fehlen auch bei den vielen Geschäften von Rolf Lentzen nicht.

Der Auto-Scooter und das Bierkarussell warten mit perfekt polierten Lichtern auf ihre Gäste. Jung und Alt besuchen den „Öcher Bend“, gefesselt von dem bunten, lauten und hektischen Treiben. Für Lentzen und seine Familie ist der Bend die erste Veranstaltung nach gut drei Monaten Winterpause. Bis zum 23. Dezember geht es nun von Kirmes zu Kirmes, immer mit Frau, Kindern und Enkeln, wie er stolz erzählt: „Seit 23 Jahren mache ich diesen Job nun und habe von meinem jetzt 88-jährigen Vater die Geschäfte übernommen. Ich bin da einfach so reingerutscht, obwohl ich schon ab und an mal überlegt habe, etwas anderes zu machen.“ Doch wenn Lentzen über den Rummelplatz läuft, dann überkommt es ihn doch wieder: dieses Gefühl der Freiheit. Und da auf den Kirmes-Plätzen jeder jeden kennt, ist es immer so, als wäre man mit einer großen Familie unterwegs.

...

Bitte einen Moment Geduld.
Die Software lädt die Inhalte ...

Aber auch in der größten Familie fehlt es manchmal aneiner helfenden Hand, weshalb der „junge Mann zum Mitreisen“ immer noch gesucht wird. „So einfach wie früher ist das aber nicht mehr“, sagt Lentzen in ernstem Ton. „Auch wir haben so unsere wirtschaftlichen Probleme, und der besagte junge Mann sollte im Idealfall bereit sein, mehrere Stationen mitzufahren. Überhaupt ist so ein Schausteller-Leben nur möglich, wenn auch eine ordentliche Schulbildung vorhanden ist. Denn nur mit Aufbauen und Reisen ist es nicht getan. Da packen alle mit an, meine Frau, die Kinder und Verwandten“, erzählt der erfahrene Schausteller.

Im Wohnwagen der Familie riecht es nach frischem Kaffee, und in der kleinen Sitzecke in der Küche sitzen Freunde und Verwandte. Es ist kalt, weshalb der Aufbau, der sonst auch schon mal in ein oder zwei Tagen fertig sein kann, etwas länger dauert. Da ist ein warmer Kaffee besonders gut.

„Brauche den Trubel“

Wenn Rolf Lentzen nicht unterwegs ist, wohnt er in Düren, zwar auf mehr Quadratmetern, dafür aber ohne den täglichen Trubel. Und den Trubel braucht der Mann wie andere die Luft zum Atmen. Lächelnd und mit viel Vorfreude auf die kommenden Bendtage verschwindet er hinter dem bunten Karussell. Es geht wieder los in Aachen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert