Aachen - OB Philipp über Bombardier-Aus „sehr enttäuscht”

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OB Philipp über Bombardier-Aus „sehr enttäuscht”

Von: stm/os
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Besuch vor dem Werkstor: Oberb
Besuch vor dem Werkstor: Oberbürgermeister Marcel Philipp sprach den Bombardier-Beschäftigten Mut zu. „Ich wünsche mir, dass Sie den Kampf gewinnen”, sagte der OB. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn ein ehemaliger Firmenpatriarch einen Gewerkschaftschef anruft, mit dem er früher oft über Kreuz lag, und sein Bedauern über eine Werksschließung und seine Solidarität mit der Belegschaft bekundet - dann herrschen besondere Zeiten.

Aber wie soll man die Zeiten auch sonst nennen, in denen die Bombardier-Vorstandsbosse in Aachen mit einem Federstrich 600 Arbeitsplätze vernichten wollen? IG-Metall-Chef Franz-Peter Beckers jedenfalls staunte am Dienstagmorgen nicht schlecht, als er Klaus Pavel an der Strippe hatte, mit dem er zu dessen Zeiten als Rheinnadel-Vorstand manchen harten Kampf ausfechten musste. Doch diesmal überbrachte der Alt-Unternehmer frohe Kunde: Denn am Mittwoch will Pavel Carlita Grass-Talbot vor die Werkstore an der Jülicher Straße begleiten, wo die Tochter des früheren Talbot-Chefs Richard Talbot den „Talböttern” persönlich Mut zusprechen will.

Dies tat am Dienstag bereits der frisch aus dem Urlaub zurückgekehrte Oberbürgermeister Marcel Philipp, der wie alle seine Vorredner in den vergangenen Tagen an der Entscheidung des Konzerns kein gutes Haar ließ. Philipp blickte auf viele Gespräche mit der Geschäftsleitung zurück und zog ein bitteres Fazit: „Aus heutiger Sicht ist fast alles, was uns da gesagt und versprochen wurde, nichts wert gewesen.” Die Nachricht vom Aus für den Aachener Standort habe ihn unvermittelt getroffen und „sehr, sehr enttäuscht”.

Immer wieder habe die Stadt darauf hingewiesen, wie gut die Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft in Aachen in vielen Branchen funktioniere, immer wieder habe man angeboten, die nötigen Kontakte zu knüpfen - vergebens: „Alle diese Möglichkeiten sind einfach ausgeschlagen worden. Das kann keiner von uns nachvollziehen.”

Den Beschäftigten wünschte Philipp, „dass Sie den Kampf gewinnen”, und bot ihnen umfassende Hilfe der Stadt an. Für die Bombardier-Bosse hatte er eine andere Botschaft parat: Wenn diese das Werk wirklich dicht machten, sollte dies so teuer werden für den Konzern, „dass ihr Euch wünschen würdet, ihr hättet es nicht gemacht”. Zum Hintergrund: IG-Metall-Chef Beckers schätzt, dass die Kosten für eine Schließung schnell einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen könnten.

Ein Umdenken hat aber wohl noch nicht stattgefunden: In seinen Gesprächen mit Konzern-Vertretern habe er „noch kein Zeichen für ein Einlenken” entdeckt, erklärte der OB. Dafür steuert mittlerweile eine ganze Region auf Solidaritätskurs mit den „Talböttern”. „Die Telefone stehen nicht still”, berichteten Beckers und der Betriebsratsvorsitzende Josef Kreutz.

So meldete sich zum Beispiel ein Betrieb aus der Eifel mit über 400 Mitarbeitern - und über 400 Unterschriften „einschließlich Vorstand”, wie Beckers betonte. Und dann war da ja auch noch der überraschende Solidaritäts-Anruf eines früheren Gegners.
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