OB-Kandidat der FDP will Einkaufsstadt und Historie rechtzeitig „verlinken“

Von: Hans-Peter Leisten
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Treffen im Pontviertel: Wilhelm Helg kandidiert für die FDP als OB-Kandidat und will Verantwortliche an einen Tisch holen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Gerne im Pontviertel.“ Wilhelm Helg macht spontan einen Vorschlag für den Treffpunkt zum Porträt. Im Pontviertel, speziell im Pontgarten, fühlt er sich wohl. Schließlich ist hier ein pulsierendes Stück Aachen, so wie Helg am liebsten die ganze Stadt sähe.

„Und hier gucke ich immer Fußball“, ergänzt der bekennend „krisenfeste“ Alemannia-Fan. Aber das ist eine andere Geschichte. Helg ist FDP-Ratsherr, FDP-Fraktionsvorsitzender und aktuell FDP-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt. Ein Engagement mit reeller Aussicht auf Erfolg? Helg schmunzelt und sagt: „Natürlich tritt man immer an, um zu gewinnen.“ Er weiß aber auch: „Im Wahlkampf bekommen alle OB-Kandidaten Einladungen zu allen Diskussionen und Terminen.“

Und diese Chance lässt sich der Jurist nicht entgehen, nicht mit Blick auf ihn, auf die Liberalen in Aachen und auf seine Positionen, die er als Engagement für die Heimatstadt versteht. Helg sieht sich als Fachmann für Haushaltsfragen, für Steuern und für Finanzen – Themen, die nach seiner eigenen Einschätzung nicht unbedingt Kracher für den Wahlkampf sind. Bei aller Wichtigkeit, denn gerade die Finanzlage der Stadt hat Helg bei seinen konzeptionellen Überlegungen im Blick: „Wir müssen bei allem aufpassen, dass wir nicht zur Haushaltssicherungsgemeinde werden.“

Tatsächlich zaubert er dann aber doch einige Wahlkampfinhalte aus dem Finanztopf. „Nach der Erhöhung der Gewerbesteuer muss feststehen, dass nach der Kommunalwahl keine erneute Erhöhung Thema sein darf.“ Das hätte vor allem auf die kleineren Unternehmen sehr negative Auswirkungen, abgesehen davon, dass die Erhöhungen letztlich auf die Kunden abgewälzt würden. Von hier aus findet Helg problemlos den Übergang zur Aachener Wirtschafsförderung. Die will der FDP-Mann für den Fall einer Koalitionsbeteiligung in den Mittelpunkt rücken, denn hier sieht er deutliches Steigerungspotenzial.

Der Mann, der von sich selbst sagt, dass ihn seine eigene Ungeduld stört, hält es mit dem früheren US-Präsidenten John F. Kennedy. „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“ Pragmatisch schafft er den Sprung von diesem nationalen Glaubenssatz zur kommunalen Handlungsvorgabe. Stichwort Aquis Plaza: Der aus dem Boden sprießende Einkaufspalast soll nicht nur Umsätze bringen und die Gewerbesteuereinnahmen erhöhen – er bietet auch die Möglichkeit zum gemeinsamen Handeln.

Aus einer Gefahr könnte eine Chance entstehen: „Eine riesige Chance!“, betont Helg. Denn die Angst vor einer Zweiteilung in Altstadt und neues Einkaufszentrum sei nicht zu übersehen. Jetzt müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, um genau diese Gefahr zur Chance zu machen. Die Aquis-Mall müsse mit den historischen Sehenswürdigkeiten verlinkt werden: Käufer in die historischen Gebäude – Touristen in die Geschäfte. „Aber dazu müssen alle Player an einen Tisch: Politik, Verwaltung, Investoren, Geschäftsinhaber, Hotelerie, Gastronomie. Dass die letzte Entscheidung beim städtischen Planungsausschuss liegen muss, hat nie jemand angezweifelt.“ Helg möchte nicht dabei, sondern mitten drin sein, wenn dieses Stück Aachen entwickelt wird.

„Natürlicher Koalitionspartner“

Ob dies dann aus der Position eines Koalitionspartners heraus passiert, will er noch im Moment offen lassen. Natürlich sei die CDU so etwas wie der „natürliche Koalitionspartner“, aber auch diese Partei habe sich in Aachen „ein paar Mal gehäutet“. Und außerdem sei in Aachen – wo eine vernünftige Streitkultur und ein gutes politisches Klima herrschten – jeder mit jedem koalitionsfähig.

Helg ist Optimist, den höchstens notorische Bedenkenträger frustrieren können. Vielleicht ist er auch deshalb optimistisch, dass es mit der Alemannia – seinem Herzensverein – mal wieder aufwärts geht. Dann sähe man ihn allerdings seltener im Pontgarten. Denn auf eine Sache ist er ohne Abstriche stolz: „Als Alemannia in der 1. Bundesliga war, habe ich 29 von 34 Spiele live in den Stadien geguckt.“ Eben: ein Optimist.

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