Nur wenige Öcher Jecke trauen sich

Von: Sarah Sillius
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Klassisch statt jeck: Der GroÀ
Klassisch statt jeck: Der Großteil der Aachener Paare meint es mit der Trauung ganz ernst. Sie wählen den 11.11.11. wegen der Schnapszahl, nicht wegen des Sessionstarts, für ihr Foto: imago/Karpe-Gora

Aachen. Lothar Linden, Leiter des Aachener Standesamts, und seine Kollegen werden die roten Nasen am 11.11.11 in jedem Fall zu Hause lassen. Nicht nur, weil karnevalistische Accessoires für Linden ohnehin nicht zum Outfit eines Standesbeamten gehören.

Auch, weil der Ansturm der jecken Brautleute deutlich weniger groß ist als in den Karnevalshochburgen Köln und Mainz. „Am Anfang verliefen die Anmeldungen sogar schleppend”, sagt die Aachener Standesbeamtin Ute Peltz: „Wir waren erstaunt.”

Zwanzig Paare sind es nun, die sich am 11.11.11. - „Schnapszahl-Datum” und Sessionsauftakt zugleich - in Aachen trauen: acht im Standesamt Krämerstraße, acht im Weißen Saal des Rathauses, zwei in der Welsche Mühle in Haaren und weitere zwei im Bezirksamt Eilendorf.

Keine Extra-Kapazitäten

Zum Vergleich: In Köln schließen an dem Tag 177 Paare den Bund fürs Leben (viermal mehr als sonst), dreimal 11 Paare sind es in Mainz. In Aachen hat man für den 11.11. keine Extra-Kapazitäten geschaffen. „Das war nicht nötig”, sagt Linden. Mit 20 Trauungen ist das Standesamt für diesen Tag immerhin ausgebucht. Kurzentschlossene haben keine Chance mehr. Was zahlenmäßig vergleichsweise bescheiden klingt, ist für Aachen dennoch ungewöhnlich, sagt Lothar Linden: „Durchschnittlich geben sich im ganzen Monat November 60 bis 70 Paare das Ja-Wort.”

Seiner Meinung nach hat die vergleichsweise hohe Frequenz aber nur zufällig mit Karneval zu tun. Das Schnapszahl-Datum ist nach Meinung des Standesamtsleiters entscheidend. „Die Menschen wollen etwas Besonderes und außerdem lässt sich das Datum natürlich auch gut merken”, sagt Linden. Deshalb seien die Anmeldungen ähnlich verlaufen wie zu den vergangenen „Schnaps-Tagen” am 10.10.10 oder 09.09.09. Natürlich hat es auch einige verliebte Karnevalisten in Aachen gegeben, die den Termin schon ein Jahr im Voraus reserviert haben, erzählt Ute Peltz. Möglich, dass die auch im Kostüm im Standesamt erscheinen und das eine oder andere Karnevalsliedchen nach der Trauung anstimmen.

Andere haben nach der Terminreservierung noch einen spontanen Rückzieher gemacht. Wohlgemerkt nicht vor dem Ja-Wort an sich, sondern vor dem Termin. „Sie sind kurz vorher wieder abgesprungen, um für andere Platz zu machen”, sagt Peltz. Mit Karneval wollen die meisten Aachener an diesem Tag lieber nichts zu tun haben.

„Viele haben sich sogar vorher noch einmal vergewissert, ob es auch wirklich keine Karnevalsaktionen bei uns geben wird”, sagt Peltz. Das können sie und ihre Kollegen sicher ausschließen. Die Trauung in Aachen soll für sie „der schönste Tag im Leben” und nicht einfach ein jecker Scherz sein.

Laufen die Trauungen am 11.11. anders ab als sonst? Bereiten Sie zum Beispiel besondere Texte vor oder erscheinen im Kostüm?

Linden: Nein, es handelt sich schließlich nicht um eine Karnevalsveranstaltung, sondern um einen formalen Akt. Wir werden bestimmt keine Büttenrede halten. Wir machen den Trauenden aber auch keine Vorgaben, in welchem Aufzug sie erscheinen. Wenn eine Karnevalsgesellschaft mit im Raum sein sollte, werden wir mit Sicherheit die richtigen Worte finden.

Schon jetzt Anfragen für den 12.12.12

In den Monaten Mai bis Oktober finden in Aachen die meisten Hochzeiten statt. Insgesamt gibt es 1200 bis 1300 Trauungen im Jahr.

Schon jetzt gibt es Anfragen für das „Schnaps-Datum” 12.12.12, auch wenn der Mittwoch eigentlich ein unbeliebter Trauungstermin ist. Reservieren können Heiratswillige aber erst ein Jahr im Voraus.

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