Nur wenige dürfen in die verbotene Zone

Von: Werner Breuer
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„Wir müssen leider draußen bleiben“ heißt es in diesem Fall für die menschlichen CHIO-Besucher. Denn der Stallbereich auf dem Turniergelände ist selbst für die meisten Mitarbeiter und Ordner tabu – und für die Zuschauer sowieso. Foto: Harald Krömer
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Da steht ein Pferd auf dem Flur: In der Stallgasse vor den Boxen der Pferde bringen die Pfleger auch ihre Utensilien unter.

Aachen. Einen Blick in die verbotene Zone können die Besucher des CHIO schon auf dem Weg zum Haupteingang werfen. Rechts des Weges, der vom Kreisverkehr an der Hubert-Wienen-Straße zum Reitstadion führt, sieht man Stallungen, Pferde, Transporter – und auch einige Menschen.

Das sind die Privilegierten. Für die meisten Normalsterblichen ist der Bereich der Stallungen tabu. Wer sich neugierig nähert, wird am Eingang von Ordnern freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass hier nur Auserwählte Zutritt haben. „Reiter, Pfleger, Tierärzte, Schmied“, zählt CHIO-Pressesprecher Niels Knippertz auf, aber auch die Besitzer der Tiere sowie „Team-Offzielle“ wie beispielsweise die Equipe-Chefs dürfen rein. Und da hört es auch fast schon auf.

Keine Funktion, kein Zutritt

Passieren können auch noch Vertreter des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), die dort etwas zu tun haben. „Aber alle anderen Personen haben keinen Zutritt“, stellt Knippertz klar, und das betreffe auch Mitarbeiter, die „im Stallbereich keine Funktion ausüben“. Auch die Helfer in Diensten des Veranstalters, die an anderen Stellen des großen CHIO-Areals eingesetzt sind, können also nicht einfach in einer Pause mal eben zu den Boxen hinüber schlendern und die edlen Rösser aus der Nähe bestaunen. Sie gehören nicht zu den Privilegierten.

Ein solche verbotene Zone regt natürlich die Phantasie an. Hat der ALRV da etwas zu verbergen? Doch die Antwort des Pressesprechers ist ebenso prosaisch wie nachvollziehbar: „Der Hauptgrund ist, dass die Pferde absolute Ruhe brauchen“, sagt Knippertz, „das wäre nicht garantiert, wenn zu viele Leute Zugang zum Stallbereich hätten.“ In der Tat könnte eine vierbeinige Berühmtheit wie Totilas kaum entspannen, wenn sein Schlafgemach dauernd von Fans umlagert wäre und ständig von Blitzlichtgewittern erhellt würde.

Dabei ist der Stallbereich ohnehin nicht so ruhig wie ein abgelegenes Kloster in den Bergen. Immerhin nehmen etwa 550 Pferde am Reitturnier teil, hinzu kommen noch einmal rund 400, die im Rahmenprogramm auftreten. Letztere seien jedoch nicht im abgeriegelten Stallbereich, sondern in anderen Stallungen untergebracht, erklärt Knippertz. Auch die Pferde der Kutschenfahrer logieren außerhalb, für sie gibt es Zeltboxen auf einer Wiese am Eulersweg. „Aber alle anderen sind in den Stallungen auf dem Turniergelände untergebracht“, sagt Knippertz, „jedoch nie alle gleichzeitig.“ So sind etwa die Pferde der Voltigierer schon abgereist, weil ihre Wettbewerbe bereits am Soerser Sonntag beendet waren.

Aber das Ruhebedürfnis ist nicht der einzige Grund für den reglementierten Zugang. Auch das Thema Doping spielt eine Rolle. Weil es entsprechende Kontrollen gibt, wäre es nach Auskunft des Pressesprechers „kontraproduktiv, wenn Fremde Zugang zum Stallbereich hätten“. Dabei muss man gar nicht mal an Finsterlinge denken, die sich an die Boxen heranpirschen und den vierbeinigen Sportler leistungssteigernde Mittel verabreichen. Die Tiere könnten auch über das Futter „gewollt oder ungewollt“ verbotene Substanzen aufnehmen, erklärt Knippertz.

Kontrolle wird überhaupt groß geschrieben im abgesperrten Bezirk. Den Kreis der Zugangsberechtigten bestimmt nicht etwa der Veranstalter ALRV, sondern die Internationale Reiterliche Vereinigung FEI. Und eigens eingesetzte Vertreter der FEI kontrollieren auch, ob der ARLV sich an diese Regeln hält. Dazu gehört auch die Kontrolle der behandelnden Tierärzte, denen Veterinäre der FEI auf die Finger schauen. Und Kontrollfunktionen haben auch die Veterinärstudenten, die beim CHIO im Stallbereich eingesetzt werden. „Pro Pferd wird eine Akte angelegt“, berichtet Niels Knippertz. Darin wird festgehalten, wie das Tier sich verhält, was es frisst oder auch, ob es Auffälligkeiten zeigt.

Trotz aller Kontrollen gibt es natürlich besonders ungebetene Gäste: Krankheitserreger können auch die Ordner am Eingang nicht einfach aufhalten, gegen sie geht man mit anderen Mitteln vor. „Die Ställe werden nach jeder Veranstaltung gereinigt“, sagt der ALRV-Sprecher, „und vor jeder Veranstaltung, also auch dem CHIO, werden sie von einer Spezialfirma komplett desinfiziert.“

Trotz der vielen Kontrollen fühlen sich einige Menschen hinter den Zäunen richtig daheim. Die meisten Pferdepfleger wohnen während des Turniers in den Transportern, die dafür entsprechend eingerichtet sind. Nachts noch einmal nach ihren Schützlingen sehen können sie dennoch nicht. „Die Ställe werden nachts geschlossen“, sagt Knippertz. Im Bedarfsfall könnten die Pfleger trotzdem rein. „Aber nur in Begleitung eines Stewards“, betont Knippertz. Auch für die Privilegierten gibt es im Stallbereich noch Grenzen.

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