Aachen - Nur noch jeder 100. Autofahrer muss blechen

Nur noch jeder 100. Autofahrer muss blechen

Von: Robert Esser
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Aussortiert: Wenn die Polizei
Aussortiert: Wenn die Polizei einen Temposünder identifiziert hat, wird dieser wenige hundert Meter weiter zur Kasse gebeten - hier auf der Trierer Straße von Polizeihauptkommissar Herbert Neuß. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Im roten Fadenkreuz der Optik überschreitet ein Nachbar die Grenze - auf der Trierer Straße. Da drückt der Polizist ein Auge zu. Doch den Autofahrer wird das nicht retten. Das andere Auge des Gesetzes linst durch das Zoom-Objektiv einer Laserpistole.

Einsatzleiter Horst Peters fingert am Abzug, das Gerät - halb so groß wie ein Schuhkarton - quittiert die Temposünde mit lautem Doppel-Piep. „Peugeot aus Belgien auf 433 Metern - 70 Stundenkilometer”, ruft der Beamte am Fahrbahnrand.

Kollege Herbert Neuß kurvt zu Fuß durch den zweispurigen Verkehr und winkt den Kleinwagen raus, bevor der Fahrer überhaupt gemerkt hat, was passiert ist. Dann wird kassiert - und vor allem belehrt. Seit Mitte Februar kämpft die Polizei intensiver denn je gegen „den Killer Nummer 1”: überhöhte Geschwindigkeit.

Am Dienstag geben 44 Beamte und die Besatzungen der zwei städtischen Radarwagen an mehr als 20 Positionen in der Städteregion Gas - und die Pkw-Lenker treten mehr und mehr auf die Bremse.

Die Zwischenbilanz nach insgesamt 40 Messstunden der verschiedenen Teams bis 15 Uhr: 473 Tempoverstöße, das sind durchschnittlich nicht einmal zwölf pro Stunde.

Der „Spitzenreiter” geht der Polizei auf der Lütticher Straße mit 37 Stundenkilometern über den erlaubten 50 km/h ins Netz. Doch solche Ausreißer erwischen die Ordnungshüter selten; das gilt auch für die viel befahrene Trierer Straße.

Gerade mal 23 Autos lösen den Doppel-Piep im Laufe der zweistündigen Überwachung aus - bei rund 2400 Fahrzeugen, die in dieser Zeit Richtung Innenstadt rollen.

Der belgische Peugeot-Pilot zählt damit zu einer ziemlich exklusiven Sündergruppe: Nur jeder 100. Autofahrer muss hier blechen. „Unsere Offensive zeigt Wirkung”, sagt Einsatzleiter Peters. „Wir wundern uns, dass überhaupt noch Autofahrer zu schnell unterwegs sind, da die meisten Kontrollen ja sogar angekündigt werden”, erklärt er.

19 000 Verkehrsunfälle weist die Statistik der Städteregion für 2011 aus, davon 10 600 in Aachen. Weil es mehr Verletzte und Todesopfer als im Vorjahr gab, zieht man die Zügel an.

Was laut Polizeistatistik schnell Wirkung zeigt: Vor dem landesweiten Blitzer-Marathon am 10. Februar habe die Städteregion pro Tag durchschnittlich 4,1 Unfälle mit Personenschaden verzeichnet - darunter 29 Schwerverletzte und ein Todesopfer.

„Nach dem Blitzer-Marathon ereigneten sich durchschnittlich 3,1 Unfälle mit Personenschaden pro Tag, hiervon zehn Unfälle mit schwer verletzten Personen”, heißt es im Polizeibericht.

Auf der Trierer Straße durfte der Verkehr vor Jahren noch mit 60 km/h fließen; dann kam „Tempo 50”. Das verkürzt den Anhalteweg - bei 0,8 Sekunden Reaktionszeit und perfektem Bremsweg - von 26 auf 20 Meter. Der belgische Peugeot käme nach 33 Metern zum Stillstand.

Der Raser auf der Lütticher Straße würde aus 80 Stundenkilometern tatsächlich erst nach 40 Metern stehen - doppelt so lang wie bei 50 km/h. Trotzdem räumt die Polizei Toleranzen ein. Drei Stundenkilometer zieht man grundsätzlich ab. „Mit der Radarpistole messen wir in der Praxis ab 60 km/h, wenn 50 erlaubt sind”, sagt Peters. Das kostet dann ab 15 Euro aufwärts.

Am Donnerstag will die Polizei die Gesamtbilanz ihres Einsatzes auflisten, der bis in die Nacht lief. Wie viele Sünder unterdessen zwei städtische Radarwagen geblitzt haben, die schon um 19 Uhr einpackten, wollte das städtische Presseamt nicht mitteilen.
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