Nur keine Scheu vor Blut: Hauptsache, der Verband hält

Von: Kathrin Albrecht
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Alles sitzt perfekt, die Blutung ist gestoppt: Was hier beim Schulsanitätstag in der Viktoriaschule geübt wurde, kann jeden Tag im Ernstfall eintreten. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Vorsichtig drückt die neunjährige Neila Hamidovic ihrer Teamkollegin Rafaela Felske (9) eine Wundkompresse an die Stirn. Währenddessen versucht Franziska Radecki (10), ein Dreieckstuch so um den Kopf zu drapieren, dass die Kompresse an Ort und Stelle bleibt. Am Ende sieht Rafaela ein bisschen wie ein Pirat aus, aber der Wundverband hält. Workshop-Leiterin Alina Zimmermann ist zufrieden. Die drei sind Teilnehmerinnen des Schulsanitätstages der Johanniter-Jugend in Nordrhein-Westfalen.

500 Sanitäter zu Gast

Einmal im Jahr findet ein solcher Tag an einer Schule in Nordrhein-Westfalen statt. In diesem Jahr waren rund 500 Schulsanitäter aus allen Landesteilen an der Viktoriaschule in Aachen zu Gast. Ein rundes Jubiläum gab es außerdem zu feiern, der Schulsanitätstag findet seit zehn Jahren statt. Und weil auch in Aachen ein besonderes Jahr ist, wurden die Teilnehmer standesgemäß von Kaiser Karl persönlich begrüßt.

Von acht bis 20 Jahren reicht die Altersspanne der Teilnehmenden, die sich einen Tag lang in Workshops fortbilden, Neues ausprobieren und Kontakte knüpfen. „Rund 1,5 Millionen Unfälle passieren jährlich an Schulen. Das Ziel ist es, Schüler so auszubilden, dass sie schnell und gut reagieren, Verletzungsfälle einschätzen, und Hilfe leisten können“, erklärt Tobias Eilers, Pressesprecher der Johanniter-Landesgeschäftsstelle in Köln die Hintergründe des Sanitätsdienstes.

Ob Nasenbluten, Schürfwunden oder akute Krankheiten – Verletzungen wie diese gehören im Schulalltag dazu. Rund 110 Schulen betreuen die Johanniter im Schulsanitätsdienst, die Schüler erhalten eine Grundausbildung, die Grundausstattung an Verbands- und Hilfsmaterialien sowie Unterstützung bei Fortbildungen oder Einrichtung eines Sanitätsraums. Finanziert wird der Schulsanitätsdienst aus Fördermitteln und Spendengeldern. Wichtig ist dabei, dass die Schüler sich selbst organisieren und Verantwortung für diesen Dienst übernehmen.

Test im Rollenspiel

Einen Raum weiter sind bereits die Fortgeschrittenen in einem Rollenspiel dabei zu testen, wie routiniert sie in der Erstversorgung eines Notfalls sind. Marisa Braun (17) spielt eine Ohnmächtige, David Hesse und Jan Nagel (beide 17) leisten erste Hilfe. Manöverkritik gibt es im Anschluss von David Huber (19) und Hannah Dißelbeck (16). Alle sind bereits erfahrene Schulsanitäter und leiten teilweise ihre Regionalverbände und Jugendgruppen.

David Hesse möchte später einmal Medizin studieren: „Hier kann ich lernen, wie man Menschen versorgt.“ Nicht immer geht es bei Unfällen unblutig zu, manchmal können Verletzungen auch drastischer ausfallen. Wie das aussehen kann, zeigt Thomas Walbröhl vom Standort Düsseldorf in seinem Workshop „Realistische Unfalldarstellung“. Mithilfe von Salzteig, Glasscherben und Kunstblut entstehen täuschend echte Schnittwunden. Das dient unter anderem auch dazu, dass die Schüler die Scheu vor Blut und Wunden verlieren: „Wenn auf dem Schulhof ein offener Bruch passiert oder jemand in eine Glasscheibe fällt, ist das immer noch eine besondere Situation. Es ist wichtig, dass solche Momente mit trainiert werden“, erklärt Walbröhl.

Das Interesse am Schulsanitätsdienst wächst seitens der Schulen, unter anderem auch, weil sich die Betreuungszeiten verlängern. Gleichzeitig bietet der Dienst die Möglichkeit, früh Verantwortung zu übernehmen. „Ich finde es gut, dass man lernt, wie man anderen hilft“, sagt Rafaela.

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