Nur in Pontstraße prallen Fan-Fronten aufeinander

Von: Matthias Hinrichs
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Brennpunkt Pontstraße: Mehrere Schlägerein hielten die Ordnungskräfte am späten Sonntagabend vor allem auf Aachens Partymeile in Atem. Ernsthaft verletzt wurde niemand. Berichte über Attacken mutmaßlich rechtsradikaler Schläger auf feiernde Fans konnte die Polizei gestern nicht bestätigen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Nach dem Spiel ist vor dem Stress: Nicht nur für Ordnungshüter und Gastronomen ist die erste WM-Partie der deutschen Elf Sonntagnacht etliche Stunden in die Verlängerung gegangen.

Polizei, Stadt und die Organisatoren der großen Leinwand-Spektakel auf dem Markt und im Cine Karree zogen Montag eine zufriedene Bilanz der lokalen Ereignisse nach dem 4:0-Triumph der Löw-Legionäre. Zu größeren Zwischenfällen kam es nicht - obwohl abertausende Fans vor allem nach der Übertragung von der Altstadt aus Richtung Partymeile am Ponttor pilgerten.

Dort soll es am späten Abend allerdings zu Schlägereien gekommen sein, an denen auch Rechtsradikale beteiligt gewesen sein sollen. Augenzeugen berichteten, dass verbotene NS-Symbole, darunter die Reichskriegsflagge, gesichtet worden seien. Polizeisprecher Michael Houba konnte das allerdings nicht bestätigen. „Wir haben am Montagmorgen lediglich eine Anzeige von zwei jungen Männern erhalten, die angaben, sie seien in der oberen Pontstraße ohne erkennbaren Grund von Schlägern attackiert worden.” Die entblößten Oberkörper der Angreifer seien stark tätowiert gewesen, „aber wir können sie derzeit nicht einer bestimmten Gruppe zuordnen”, betonte Houba. Ferner seien zwar etliche Anrufe wegen tätlicher Auseinandersetzungen eingegangen. „Obwohl die Kollegen sehr schnell vor Ort waren, waren dort aber keine Konflikte mehr feststellbar.” Auf dem Markt habe ein junger Mann einen Platzverweis kassiert.

Im Gegensatz zu Philipp Lahm und Co. (und natürlich Scharen von Kellnern in den City-Kneipen) schoben auch die 19 Einsatzkräfte der Johanniter eine vergleichsweise sehr ruhige Kugel, unterstrich Verbandsführer Marc Marburger. „Nur in einem Fall musste eine junge Frau wegen Kreislaufproblemen vom Notarzt behandelt und ins Krankenhaus gebracht werden”, erklärte er. 25 weitere, meist junge Fußballfans seien kurzzeitig aus dem größten Trubel auf dem Markt heraus bugsiert worden, bis es ihnen wieder gut ging.

Trotz - oder auch gerade wegen - der intensiven Kontrollen an den Zugängen Richtung Rathaus sei im Schatten der Großleinwände durchweg friedlich und fröhlich gefeiert worden, frohlockte auch Stefan Hanrath, Organisator des kollektiven TV-Trubels. Kurz vor Spielbeginn ließen die rund 60 privaten Ordnungskräfte am Markt übrigens auch die berühmt-berüchtigten Vuvuzelas ins Abseits stellen - mit Erfolg. „Ein paar Leute haben zwar gemeckert, aber die allermeisten haben das akzeptiert, weil die Tröten wegen ihrer enormen Lautstärke Sicherheit und Gesundheit der Zuschauer hätten gefährden können.”

Immerhin rund 40 Mal mussten die 20 Einsatzkräfte des Ordnungsamts Protokolle und Anzeigen fertigen, resümierte Detlev Fröhlke, Chef des Ordnungsamts. Vor allem „Wildpinkler” wurden zur Rechenschaft gezogen. Zwei herrenlose Hunde wurden vorübergehend ins Tierheim gelotst.

Reichlich Arbeit bescherten den Sicherheitskräften allerdings die Verkehrsströme nach dem Abpfiff. Vor allem im Bereich Templergraben/Seilgraben waren die Straßen durch wandernde Fan-Pulks längere Zeit blockiert. Anwohner berichteten von chaotischen Zuständen auf der Peterstraße - nicht nur durch die obligatorischen Autokorsos, sondern vor allem durch Fußgänger, die massenhaft über die Fahrbahnen spaziert seien.

Gegen 1 Uhr war der erste große WM-Spuk weitgehend beendet, zog indes auch die Polizei eine insgesamt erfreuliche Bilanz. Houba: „Niemand ist nach unserer Kenntnis ernsthaft verletzt worden, auch über Sachschäden ist nichts bekannt.”
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