Nur für Giraffe fehlt noch das „Kleingeld“

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
13925010.jpg
Waren ein Traumpaar im Dienste des Tierparks: Dr. Manfred Fuchs und Zoodirektor Wolfram Graf-Rudolf (rechts). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der alte Herr steht im Aachener Tierpark unten am Eck vor der Ponybahn nahe am Beverbachsee und guckt nach oben. Über ihm ist an einem Alu-Pfosten ein neuer Wegweiser festgeschraubt. Darauf steht in weißen Lettern auf blauem Grund sein Name: Dr.-Manfred-Fuchs-Allee.

Manfred Fuchs, der alte Herr, lächelt. Mit der kleinen, hübsch gelegenen Allee ehrt der Euregiozoo einen seiner Großen. Ohne ihn hätte die wunderschöne, mehrfach ausgezeichnete und weit über Aachen hinaus beliebte Freizeitanlage am Drimborner Wäldchen nicht überlebt. Jahrzehnte hat er sich für den Zoo eingesetzt, zuletzt fast ein Vierteljahrhundert als Vorsitzender des Aufsichtsrats der gemeinnützigen Tierpark AG. So ist das Allee-Schild ein Dankeschön. Es ist auch wie ein vorweggenommenes Geburtstagsgeschenk; im August wird Manfred Fuchs 90 Jahre alt. Weshalb er denn auch mit Hinweis auf das Alter das Ehrenamt in jüngere Hände legt.

„Danke für alles!“ sagt das neue Namensschild im Zoo. Es hat logischerweise keinen Platz, etwas zu erzählen von dem Mann, der 1960 mit 33 Jahren als einer der jüngsten Beigeordneten in Nordrhein-Westfalen nach Aachen kam. Es kann nichts erzählen von dem gebürtigen Wuppertaler aus ursozialdemokratischem Haus, der in Aachen als Sozialdezernent begann, 1967 zum Stadtkämmerer und Ersten Beigeordneten aufrückte und seit 1977 den Titel Stadtdirektor führte. Das alles als leiser, zurückhaltender, aber immer bekennender Sozialdemokrat in einer damals noch politisch tief-schwarzen Stadt, in der die CDU mit absoluter Mehrheit schaltete und waltete.

Als Manfred Fuchs nach 30 wahrhaftigen Dienst-Jahren 1990 als Pensionär verabschiedet wurde, dankte die Stadt mit dem Goldenen Ehrenring. Den erhalten „für herausragende Verdienste Persönlichkeiten, die sich mit ihrem Lebenswerk und hohen Engagement für das Wohl und Ansehen der Stadt und ihrer Bürgerschaft eingesetzt“ haben.

Manfred Fuchs, sein Wissen, seine Kompetenz, sein bescheidenes Auftreten, wurde parteiübergreifend geschätzt. Auf ihn zu hören, ihm zu folgen war klug. „Os Fennegge“ (Caroline Reinartz), die Steuergroschen, hütete er wie die eigenen. Aachens Stadtkämmerer war unumstritten, der von allen geachtete Finanzchef. Ob die Schwarzen, die Roten, die gelben Liberalen und später die Grünen – sie alle respektierten ihn als Mann einer soliden Haushaltsführung.

Was eine heutige Generation sich kaum vorzustellen vermag: Die Haushalte des Manfred Fuchs waren in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen, „nur ein- bis zweimal gab es ein kleines Defizit“, erinnert er. Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes rühmte: „Herr Fuchs ist dafür bekannt, das Geld zusammenzuhalten.“

Das Eurogress dient als ein Beispiel von vielen. Auf den Bau ist der Stadtdirektor a.D. „ein bisschen stolz“, aber: „Ein großes Projekt, ohne jede Kostenüberschreitung, zuerst habe ich das ja verhindert, erst als die Spielbank nach Aachen kam und der Stadt jährlich fünf bis sechs Millionen Mark einbrachte, habe ich gesagt: Jetzt können wir es uns leisten.“ Jetzt können wir es uns leisten! So klingen Geschichten aus alten Zeiten, als Generationen noch dem Motto folgten: Ein Lump, der mehr ausgibt als er hat.

Die alljährliche Etatrede des Stadtkämmerers Manfred Fuchs war ein mit Spannung erwartetes Ereignis, unterhaltsam, humorgespickt. Unvergessen seine als „running gag“ wiederkehrenden Beschreibungen eines „Minikleids“, das je nach Finanzlage mal spektakulär kurz oder gediegen lang ausfiel. „Wenn es uns besser ging, konnten wir ein Stückchen drannähen“, lacht er in der Rückschau.

„Wir müssen den Gürtel enger schnallen!“ hieß der Warnruf des Manfred Fuchs schon zu Zeiten, als die meisten noch glaubten, aus dem Vollen schöpfen zu können und das ginge ewig so. Guckt er auf die Situation seiner Amtskollegen von heute landauf, landab, schüttelt ihn das Grauen: „Ich weiß nicht, wie die aus ihren Schulden rauskommen sollen. Wenn ich ihre Liquiditätsprobleme betrachte – furchtbar!“

1990 nahm Manfred Fuchs zwar als Kämmerer und Stadtdirektor Abschied, dem „Wohl und Ansehen der Stadt und ihrer Bürgerschaft“ (Ehrenring) diente er jedoch unermüdlich weiter. Mehr als zehn Jahre noch als Aufsichtsratsvorsitzender der EVA, der städtischen Dachgesellschaft von Stawag und Aseag. Er gründete die Apag, die städtische Parkhausgesellschaft. Er engagierte sich weiter intensiv für die Lebenshilfe. Noch einmal Franz-Josef Antwerpes: „Mir ist kein Fall bekannt, wo einer über seine Pensionierung hinaus so lange noch wichtige Funktionen innehatte.“

Seiner seit frühen Kämmerer-Tagen bestehenden Liebe zum Aachener Tierpark Euregiozoo folgte Manfred Fuchs bis in diese Tage. „Ich bin dankbar, dass ich in dienender Funktion bei der Entwicklung des Tierparks mithelfen und Zoodirektor Wolfram Graf-Rudolf den Rücken freihalten konnte, seine guten Pläne umzusetzen. Graf-Rudolf hat es mir leichtgemacht.“ In der Ära Fuchs-Graf-Rudolf verdoppelte sich die Besucherzahl des Euregiozoos auf fast 400 000 jährlich.

Wie als Kämmerer für die Stadt habe er auch als Aufsichtsrat der Tierpark AG „immer aufgepasst, dass nicht zu viel Geld ausgegeben wird“. Wurde über neue Tiere oder Bauten gegrübelt, war zuerst die Fuchssche Standardfrage zu klären: „Wie wirkt sich das auf unsere Kosten aus?“ Er lacht: „Natürlich hätte auch ich gerne, wenn an der Adenauerallee eine Giraffe über den Zaun des Zoos gucken würde“, allein: zu teuer das Ganze.

„Für mich war Manfred Fuchs ein Riesengeschenk“, sagt Zoodirektor Wolfram Graf-Rudolf. Seitdem er den Tierpark leite, seit 17 Jahren also, hätten er und Fuchs als ein „gutes, starkes Team“ zusammengearbeitet. Der Zoo-Chef dankt mit dickem Kloß im Hals: „Manfred Fuchs hat mich mit jeglichem Rat wie ein väterlicher Freund geführt. Er schenkte Vertrauen und hat viel Platz gelassen für Kreativität, die vielen Schritte in eine für Aachen neue Zoo-Welt zu wagen. Er hat mich auf liebevolle Art und Weise unterstützt.“

„Mit Wehmut“ denke er an „die wunderschöne Zeit“ zurück. „Jetzt aber freuen wir uns auf den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden, auf dass wir mit ihm genauso vertrauensvoll zusammenarbeiten wie mit Herrn Fuchs“, atmet Graf-Rudolf durch. Der Neue heißt Björn Jansen, früherer Bürgermeister und heutiger Kuba-Chef.

Manfred Fuchs unterschreibt das Protokoll der Aufsichtsrats-Sitzung zu seiner Verabschiedung. „Meine letzte Amtshandlung“, sagt der feine Herr und fügt leise hinzu: „Versprochen, als Besucher mache ich weiter.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert