Aachen - Nur der „Sound“ des Regens hielt viele vom Südstraßenfest ab

Nur der „Sound“ des Regens hielt viele vom Südstraßenfest ab

Von: Nina Krüsmann
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Club-Sound vom Besten: Die Aachener Formation Grundrauschen sorgte für grandiose Stimmung – auch wenn wegen des miesen Wetters diesmal nicht ganz so viele Fans kamen. Foto: Andreas Schmitter
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„Anti-Rock-Noisy-Surf“: Mit exzentrischen Klängen und ebensolcher Optik begeisterten die Poneymen aus Charleroi. Foto: Andreas Schmittler

Aachen. Wenn in der Südstraße die Masse im Reggae-Sound wogt oder gar psychedelischer Club-Sound erklingt, ist wieder Festivalzeit angesagt. In diesem Jahr wäre das kultige Südstraßenfestival beinahe ausgefallen, so unsicher war die Situation angesichts der aktuellen Baustelle der Stawag.

Kurzfristig hat es dann doch noch geklappt, und Rick Opgenoorth und Udo Mays haben innerhalb von nur sechs Wochen ein grandioses Programm auf die Beine gestellt. „Das war ein ganz schöner Kraftakt in der kurzen Zeit. Sensationell ist unser Line-Up, weil wir richtig namhafte Leute dabei haben, auch internationale Künstler“, erklärte Opgenoorth zu Beginn.

Da sei zum Beispiel eine Sängerin aus Paris, die eine Solo-Folk-Rock-Show spielt, oder die kanadische Band Le Trouble mit Indiepop. „Sehr stolz sind wir auf Rico Loop aus Berlin, der dort derzeit mit seiner Loop-Musik richtig abräumt und wahre Soundgemälde kreiert“, meinte der Veranstalter.

Am Samstagnachmittag war er allerdings noch nicht in Feierlaune. Das sehr kalte und bis dahin regnerische Wetter hatte das Publikum ferngehalten. „Die Aachener haben anscheinend wenig Lust, bei solchem Wetter auf ein Festival zu gehen. Das ist woanders nicht so, da wird bei jedem Wetter gefeiert“, meinte Opgenoorth.

Seit zwölf Jahren besteht das Südstraßenfestival und hatte bis zur elften Auflage eigentlich immer großes Glück mit dem Wetter. Bis zu 2500 Besucher strömten dann in die kleine Straße. Am Samstagabend waren das jetzt kältebedingt bedeutend weniger. Aber die feierten dann doch noch so richtig ab.

„Drei-Mann-DJ-Team“

Mit Grundrauschen waren es Lokalmatadoren, die ihre Anhänger mobilisierten: Die drei Musiker, die früher bei der Formation Senor Torpedo dabei waren, bieten nach eigenen Worten einen bis aufs Wesentliche reduzierten Club-Sound. Elektronisch, technoid und vor allem tanzbar. 2014 gegründet, versteht die Formation sich weniger als eine Band, sondern mehr als ein „Drei-Mann-DJ-Team“ an Live-Instrumenten, das in ständiger Interaktion mit dem Publikum steht.

Ob vorne vor der Bühne oder hinten am Bierstand – die ganze Südstraße zuckte im Club-Sound. Den diesjährigen Reggae-Part machten „Illbilly Hitec“ aus Berlin als Finale am Samstagabend. Angesichts der Rhythmen fehlte dem Publikum wahrlich nur die passende Wärme.

Die Subkultur, das Experimentelle möchten Opgenoorth und Mays gerne fördern und dem Publikum darbieten. Da fielen zum Beispiel „The Poneymen“ aus dem belgischen Charleroi auf, die am Samstag nicht nur mit ihren Pferdemasken die Blicke auf sich zogen. Auch ihre Musik, die sie als „Anti-Rock-Noisy-Surf“ bezeichnen, kam sehr gut an. „Wo sonst bietet sich für musikbegeisterte Menschen in Aachen mal eben die Möglichkeit, solch tolle Künstler live zu erleben?“, meinte Opgenoorth.

Für nur fünf Euro Eintritt, die mehr als Spende für die Musiker zu verstehen sind, gab es an beiden Tagen jeweils neun Stunden Programm. Am Sonntag, der dann auch endlich das passende Festivalwetter bot, zogen zunächst der Kinderflohmarkt, später die lokale Formation Quicksteps mit ihrer Ska-Musik das Publikum an. „Bounty Island“, die gerade in ihrer Heimatstadt Maastricht richtig nach vorne drängen, kamen mit ihrem Glam-Pop auf die Bühne.

Rico Loop, im wahren Leben Rico Dießner, war dann der wahrhaft krönende Abschluss des Festivals. Er verwendet sich wiederholende Samples, sogenannte Loops. Außerdem loopt er seinen Gesang, erzeugt dabei mittels Beatboxing Geräusche und improvisiert mit Aufnahmen aus dem Publikum oder Tönen, die er mit seinen Mikrofonen aus der Umgebung aufnimmt. Und da dürfte dann am Ende reichlich Applaus dabei gewesen sein für ein wiederum gelungenes, begeisterndes Südstraßenfestival.

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