Nur das Geschlecht ist völlig uninteressant

Von: Sarah Sillius
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Sagt´s (nicht nur) durch die Blume: Klar ist der Floristenberuf für ihn ein echter Traum. Jan Klee schert sich nicht darum, dass die Branche in der Regel von Damen geprägt ist. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es ist ein ungewohntes Bild: Zwischen Blumen, Vasen, Stielen und Blättern steht ein kleiner Junge. Er trägt eine grüne Weste, seine Wangen sind vom Wind gerötet. Er strahlt. Fleißig tütet er im Außenbereich des Blumenladens „Nicolaye” Tulpen ein.

Es ist der zehnjähige Jan Klee, der im Rahmen des Aachener „Boys´ Day” einen Tag in den Floristenberuf hineinschnuppert. Er ist begeistert, denn Blumen haben ihm schon immer gefallen. „Ich finde nicht, dass das nur ein Beruf für Frauen ist”, sagt er.

„Der Floristenberuf entspricht allerdings nicht nur dem schönen Blümchenbild”, erklärt Sabine Hennes. Sie ist in dem Blumenladen für Azubis und Praktikanten zuständig. „Jan und sein Freund Joris machen alles, was an einem normalen Tag so anfällt.” Dazu gehören das Fegen des Raumes oder das Anschneiden von Blumen.

Jan hat auch schon gelernt, wie man einen „Biedermeierstrauß”, den Klassiker unter den Blumensträußen, bindet. Jetzt wird der Schüler der Maria-Montessori-Gesamtschule noch die restlichen Tulpen eintüten, dann geht es ans Einpflanzen. „Da wird er merken, dass man sich bei dem Beruf auch mal die Finger dreckig machen muss”, sagt Hennes. Sie ist bislang hellauf begeistert von den kleinen Helfern, und es würde sie freuen, wenn die beiden beim Boys´ Day tatsächlich ihre Leidenschaft für den Floristenberuf entdecken würde: „Normalerweise haben wir eigentlich nur Praktikantinnen hier.”

Spannende Stunden an der FH

Das Gegenteil ist an der FH Aachen der Fall: Hier sind junge Frauen deutlich unterrepräsentiert. „Wir müssen schon früh das Interesse für Technik und Naturwissenschaft bei den Mädchen wecken”, sagt Martina Klocke, Schirmherrin des Girls´ Days und Professorin für Maschinenbau und Mechanotrik.

In verschiedenen Workshops werden Mädchen ab der fünften Klasse an die männerdominierte Technikwelt herangeführt. Die zwölfjährige Melina Pfeiffer von der Gesamtschule Brand und die elfjährige Lara Winter vom Gymnasium Haus Overbach in Jülich haben sich für den Workshop von Professorin Ingrid Scholl entschieden: „3D-Stereobilder erzeugen wie im Film Avatar”.

Stolz zeigen sie am Computer, was sie produziert haben: „Erst haben wir gegenseitig Fotos von uns gemacht - eins für das linke Auge und eins für das rechte. Dann haben wir die beiden Fotos mit einem Programm zusammengefügt”, erklärt Melina stolz. Sie setzt ihre 3D-Brille auf und bewundert das Bild, auf dem die Mädchen aus dem Workshop tatsächlich in dreidimensionaler Form zu sehen sind.

Von Ingrid Scholl bekommen sie einen USB-Stick, auf dem Fotos und Programm gespeichert sind. Mit der 3D-Technik können aber nicht nur filmische Effekte erzielt werden. Sie haben auch einen wissenschaflichen Nutzen, zeigt ihnen David Meiners, Informatiker an der FH. Auf eine Leinwand werden dreidimensionale Bilder von Nervenfaserbahnen im Gehirn projiziert.

Mit einem X-Box-Controller können die Mädchen das Innere des Gehirns erkunden. „So kann man zum Beispiel die Größe von Gehirntumoren vor einer Operation bestimmen”, erklärt Ingrid Scholl. Die Mädchen sind fasziniert. „Ich bin gespannt, wie sich die Technik entwickelt”, sagt Melina. „Das ist auf keinen Fall nur Jungssache!”

Wenn Mädchen die FH besuchen, und Jungs den Blumenladen, dann soll das bestehende Klischees nicht noch weiter schüren, erklärt Eva Köhl. Sie ist im Vorstand des Vereins „Ax-O”, der den Boys´ Days mit organisiert: „Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass frauenspezifische Berufe weniger akademisch sind. Deswegen arbeiten an dem Tag auch Mädchen in einer Friedhofsgärtnerei oder Jungs erhalten einen Einblick in die Logopädie an der RWTH.”

Wichtig sei, dass die Angebote altersgerecht sind und sich die Kinder selbst auf die Suche nach einem Beruf machen, den sie für einen Tag ausprobieren möchten.” Ob es sich bei dem um einen typischen Frauen- oder Männerberuf handelt, oder ob er ihnen einfach gefällt, darüber können die Mädchen und Jungs am Ende selbst entscheiden.
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