Nur „Cambio” darf so billig in Aachen parken

Von: Robert Esser
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Bevorzugt: Cambio-Carsharing h
Bevorzugt: Cambio-Carsharing hat mittlerweile 34 Parkplätze von der Stadt Aachen exklusiv angemietet, die vormals normaler Parkraum für jedermann waren. Dafür sollen die Kosten jetzt steigen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Rechnung ist simpel: Ein gut besuchter Parkplatz in der Aachener City bringt der Stadt mindestens 450 Euro Gebühren pro Monat ein. Das Privatunternehmen Cambio-Carsharing blecht hingegen für 34 dieser ehemals öffentlichen Parkplätze exklusiv jeweils nur 45 Euro pro Monat.

Am Dienstag soll der Finanzausschuss eine Erhöhung auf 60 Euro beschließen - das wären dann gut 13 Prozent des möglichen Ertrags. Die Stadt „subventioniert” Cambio nach dieser Rechnung jedes Jahr mit mindestens 150.000 Euro verlorener Parkgebühren.

Was aber Ratsherrn Hans-Dieter Schaffrath von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) noch mehr auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass nur dem privaten Unternehmen Cambio Stellplätze im sogenannten „öffentlichen Verkehrsraum” vermietet werden. „Das ist völlig ungerecht! Andere Gewerbetreibende würden auch gerne zu solch günstigen Konditionen Exklusiv-Parkplätze anmieten - aber sie dürfen nicht”, wettert Schaffrath. „Und die sind mit Recht stinksauer auf die Stadt”, ärgert sich der FWG-Politiker. Die Stadt kontert, man unterstütze Carsharing ganz bewusst. „Jedes Cambio-Fahrzeug ersetzt sieben Privatwagen, weil viele Gelegenheitsnutzer auf eigene Autos verzichten”, teilt die Stadt auf Anfrage der AZ mit. Dies sei auch im Rahmen des Aachener Luftreinhalteplanes ein wichtiger umweltpolitischer Aspekt, heißt es.

Nicht überall wird es Privatfirmen so einfach gemacht. In Bremen wird Cambio nicht erlaubt, öffentliche Parkplätze zu besetzen. In Köln schon. Dort richten sich die Mietgebühren nach ortsüblichen Stellplatzmieten - nicht nach Parkgebühren privater Autofahrer, die der Stadt verloren gehen. In der Aachener Verwaltungsvorlage zur Gebührenerhöhung heißt es dagegen: „Der Gebührentarif wurde seinerzeit (2007) aufgrund der Markteinführung und Pilotphase von Cambio Carsharing bewusst niedrig angesetzt. Unter Berücksichtigung der durch die Nutzung der Parkplätze wegfallenden Parkplatzgebühreneinnahmen schlägt die Verwaltung daher vor...” Und kommt auf 15 Euro mehr.

Der Gebührentarif für jede Elektrotankstelle soll indes 90 Euro pro Jahr betragen. An acht Standorten fallen zwei bis drei Parkplätze weg. Zunächst am Theaterplatz, am Pontdriesch, an der Vaalser Straße und der Schanz, dann an derKomphausbadstraße, der Hackländer Straße, am Neumarkt, der Beverstraße und schließlich am Kronenberg. Auch in den Elektro-Sektor will Cambio in Zukunft einsteigen. Ein Forschungsprojekt mit der FH Aachen steckt in den Startlöchern. Geschäftsführerin Gisela Warmke rechnet unterdessen nicht damit, dass die Parplatzgebührenerhöhung zu Tarifsteigerungen für ihre 3500 Kunden führen. „Das müssen wir schlucken. Steigende Dieselkraftstoffpreise bereiten uns da mehr Sorgen”, sagt sie. 80 Autos unterhält Cambio in Aachen - und parkt auch auf gut zwei Dutzend angemieteten Stellplätzen, die nicht auf öffentlichem, sondern privatem Grund und Boden angemietet wurden. Und diese Abstellplätze dürften - da nach privatwirtschaftlich üblichen Tarifen ausgehandelt - deutlich teurer als die städtischen Parkplätze kalkuliert sein.

Trotzdem darf sich Cambio bald über weitere Billig-Parkplätze aus städtischer Hand freuen. Bis zum 15. Mai sucht man per Online-Voting zwei neue Standorte. Favorisiert sind Beverau und Eilendorf. Dann dürfte die Zahl der Cambio-Autos auf etwa 100 steigen. Und mit ihnen die Zahl der Unfälle. Denn jedes Cambio-Auto ist in Aachen statistisch zwei Mal pro Jahr in einen Crash verwickelt - bei einer Fahrleistung von 20.000 Kilometern. Der Gesamtverband der Versicherer führt dies unter anderem auf die fehlende Fahrpraxis vieler Cambio-Nutzer zurück.

Privatparkplatz am Straßenrand

Der Traum eines jeden Autofahrers: der eigene Privatparkplatz am Straßenrand. An der Ecke Jakobstraße/Schanz ist dieser Traum in Aachen Wirklichkeit - zumindest laut dem Schild, dass dort Fremdparker ausschließt. Die Stadt betont jedenfalls auf Anfrage der Aachener Zeitung, dass es sich dort keineswegs um einen Parkplatz handele, der an eine Privatperson vermietet worden sei. Denn dies sei „gesetzlich ausgeschlossen und untersagt”, hieß es am Montag.

Das private Schild sei eigentlich nicht erlaubt, würde aber „geduldet”. Denn dahinter liegt die Zufahrt zu einer Garage. Auf der Zufahrt parken allerdings regelmäßig mindestens zwei Autos - ebenfalls im öffentlichen Verkehrsraum. Auch dies sei eigentlich nicht zulässig, erklärt die Stadt. Offenbar handelt es sich bei diesem Privatparkplatz um eine rechtliche Grauzone.
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